Die Prophezeiung des Lichts - Teil 1 - Himmel und Hölle
Kapitel 8 - Die Beschwörung „Unfähige Idioten“, fluchte Spectio während er sich auf sein Bett im Turm setzte und seinen neuen Arbeitsbereich begutachtete. Einen Schreibtisch mit Stuhl, einige Regale, leere Notizbücher und sein Bett standen im Turmzimmer. Durch die Turmfenster konnte er sogar die Dämonen beobachten oder was allgemein vor dem Schloss vor sich ging. In der letzten Nacht hatten die drei Diener, die Spectio nach dem flüchtigen Diener ausgesendet hatte, diesen zurückgebracht. Allerdings machte er nur noch seine letzten Atemzüge in der Hölle und es war mit ihm vorbei. Keine Informationen zu der neuen Spezies, die Bäume bewegen konnte. Satan war damit zufrieden gewesen, aber Spectio war es nicht. Es könnte entscheidend sein mehr darüber heraus zu finden. Er würde die drei noch einmal aussenden zum Informationen sammeln. Ihm egal, wie sie das anstellten, aber er musste herausbekommen, was es damit auf sich hatte. Wie würde er dastehen als Anwalt des Teufels, wenn er nicht mit einer neuen Spezies umzugehen wusste. Noch dazu könnten starke und mächtigere Diener für Satan dabei herauskommen. Das würde den Fürsten sicherlich von seinem Können überzeugen. Spectio blieb noch einen Moment sitzen, um seine Gedanken zu sammeln, ehe er dann den Turm hinabstieg, die Eingangshalle durchquerte und in den Thronsaal ging. Dort verneigte er sich respektvoll: „Mein Fürst, bitte ruft die drei Diener, die den flüchtigen Diener zur Strecke gebracht haben. Ich habe einen Auftrag für sie.“ Ohne weiter nachzuhaken, tat er dieses auf telepathischem Wege: „Sie werden jeden Moment hier sein.“ Satan saß wie immer auf seinem Thron, eigentlich war Spectio sogar aufgefallen, dass Satan diesen verhältnismäßig selten verließ. Auch einen Schlafplatz oder ähnliches hatte Spectio bisher dort nicht gesehen und auch nirgends im Schloss. Musste Satan überhaupt schlafen? Das würde er sicherlich noch herausbekommen. Gerade war es wichtiger sich auf diese geheimnisvolle neue Spezies zu konzentrieren. Während sie auf die drei Diener warteten, stellte sich Spectio in die Dunkelheit neben den Thron. Es war ein sehr befriedigendes Gefühl dem mächtigen Fürsten der Finsternis so nahe zu sein und auf die anderen Diener herab blicken zu können. Die drei Diener kamen wie von Satan angekündigt in den Thronsaal und knieten sich mit gesenktem Blick nieder: „Ihr habt gerufen, mein Fürst.“ Verwundert hörten die Diener Schritte näherkommen, wodurch ihre Anspannung stieg. Jedoch war es nicht Satan, der aus der Finsternis trat in den etwas helleren Bereich des Thronsaales, sondern Spectio. Mit einem Blick musterte er die drei: „Leider habt ihr den Flüchtigen gestern nur noch tot gebracht. Wir brauchen mehr Informationen mit wem oder was wir es zu tun haben. Ihr werdet an den Ort zurückkehren, wo er ihn aufgespürt habt und andere wie ihn suchen. Findet mehr über diese Spezies heraus und wagt es nicht ohne Informationen zurückkommen. Solltet ihr mich jedoch anlügen, werdet ihr es bereuen. Der Fürst und ich dulden keine Lügen.“ Satan hatte die Diener zwar wissen lassen, welche Rolle Spectio in der Hölle einnehmen würde, dass er über ihnen stand, dennoch war der Umstand von ihm Befehle zu erhalten, seltsam. „Wie ihr wünscht“, entgegnete der schwarze Wolf, „Wir machen uns auf den Weg.“ Er erhob sich dann, gefolgt von den anderen beiden Diener, die gemeinsam den Thronsaal verließen. Kaum waren sie aus dem Tor hinaus gegangen, verschwanden sie in schwarzem Rauch. „Wir sollten über einige Regeln hier in der Hölle sprechen, die jeder Diener einzuhalten hat“, begann Spectio direkt, kaum das die drei weg waren, „Das ist schließlich euer Reich und nicht jeder sollte tun können, was er will.“ „Ich höre“, entgegnete Satan knapp und wand seinen Blick zu Spectio. „Die Diener werde ich selbst in ihre Aufgabengebiete unterteilen, das wird sicherlich einige Zeit dauern bis jeder genau das tut, was er am besten kann. Aber darum müsst ihr euch nicht kümmern, ich werde ab sofort jeden Morgen mit euch die Diener gemeinsam losschicken, um mir einen Überblick zu verschaffen. Eine der Regeln habt Ihr ja schon selbst festgelegt“, begann Spectio und versuchte dabei immer einzuschätzen, was Satan gerade davon hielt, „Ich meine damit das Niederknien und den Kopf senken. Das werden wir natürlich beibehalten, ansonsten würde ich noch dazu nehmen, dass die Diener alle 24 Stunden sich mindestens 2 Stunden in der Hölle aufzuhalten haben. So haben wir direkt einen Überblick, welcher Diener nicht zurückgekehrt ist und können sofort reagieren. Verräter können Ihr nicht gebrauchen. Der Rest ist eher allgemeiner Natur…“ Während Spectio ihm seine Vorschläge zu den Regeln machte, hörte Satan die ganze Zeit schweigend zu und erst als er zum Ende gekommen war, äußerte er sich nach einer längeren Pause: „Einverstanden. Kümmere dich darum.“ Mit einer Verbeugung verabschiedete sich Spectio aus dem Thronsaal und kehrte in seinem Turm zurück, wo er all diese Regeln auf Papier festhielt, welches er später in die Eingangshalle hängen würde. „Psst, seit doch still“, flüsterte der schwarze Wolf den beiden anderen Dienern zu, die sich hinter einem Baum und einigen kahlen Büschen im Schnee versteckt hatten. Einige Meter entfernt liefen drei Kinder über den Schnee, sie sackten nicht hinein und schienen fast darüber zu schweben, jedenfalls wirkte es für die drei Diener so. Von weiter weg hörte man eine Stimme rufen: „Lauft nicht so weit voraus.“ Scheinbar ein Erwachsener, der sie begleitete, aber sehen konnten die drei ihn noch nicht. Die Kinder knieten sich immer wieder herunter, glitten mit den Fingern über den Schnee, ihre Hände leuchteten dabei grünlich, wie eine Art Aura, die sie umgab und der Schnee sammelte sich in ihrer Hand und wurde zum Schneeball. Die drei bewarfen sich dabei, zwei Jungen und ein Mädchen, die laut dabei lachten und es den Anschein hatte, als hätten sie es noch nie anders gekannt. Der Kater verließ seine Deckung und lief langsam durch den Schnee auf die Kinder zu: „Hallo Kinder, es scheint ich habe mich verlaufen und bin auch etwas verwundert über das, was ihr da könnt. Wie macht ihr das?“ Die beiden Jungen blickten den Fremden neugierig an, es war das erste Mal für sie, dass sie einen Nicht-Geschaffenen im Schnee versinken sahen. Das Mädchen machte einige Schritte auf ihn zu und zeigte dann in eine Richtung: „Dort lang geht es hinaus aus dem Wald. Geht lieber, die Erwachsenen mögen keine Fremden im Wald.“ „Was seid ihr?“, hackte der Getigerte erneut nach und ließ sich nicht so leicht abwimmeln, schließlich wusste er sehr wohl, wie er den Wald verlassen könnte. „Hexer“, antwortete der eine Junge, „und sie ist eine Hexe. So wie alle aus unserem Dorf.“ „Fast alle“, ergänzte der andere Junge, „Die anderen sind Geschaffene.“ Das Mädchen drehte sich zu den beiden Jungs um: „Er muss gehen. Wir sollten kein Gespräch mit ihm anfangen.“ Lächelnd hob der Kater unschuldig die Hände: „Alles gut, ich will nicht, dass ihr Ärger wegen mir bekommt. Vielen Dank für die Antwort. Dort entlang nicht wahr?“ Mit dem Finger zeigte er in die Richtung, welche das Mädchen ihm gewiesen hatte. „Ja, die Richtung“, antworteten die drei Kinder fast zugleich. Ohne weiteres Zögern ging der Kater in die Richtung und würde sich darauf verlassen, dass die anderen beiden vielleicht durch ihre Beobachtung noch mehr herausfinden könnten. Immerhin hatten sie nun bereits eine Bezeichnung, wussten das sie Bäume kontrollieren konnten, Schnee beeinflussen sowie das sie zusammen lebten mit Geschaffenen, was auch immer das schon wieder sein sollte. Zum Abend waren die drei Diener zurückgekehrt, durchgefroren und regelrecht froh wieder in der heißen Hölle sich aufwärmen zu können. Nachdem sie Satan und Spectio über ihre Beobachtungen in Kenntnis gesetzt hatten, war Spectio zurück in seinen Turm, machte sich Notizen mit der Feder in seinem ersten Buch mit dem Titel „Hexen und Hexer“. Gleichzeitig überlegte er, wie sie an dieses verborgene Volk rankommen könnten. Es wäre eine Bereicherung solche Untertanen für Satan zu gewinnen. Wer wusste schon, was sie noch alles kontrollieren konnten. Am liebsten würde er selbst losziehen, aber der Schnee würde ihm zum Verhängnis werden. Außerdem würde er weitere Wälder absuchen lassen, vielleicht gab es noch mehr davon. Es war nun schon einige Tage her, dass Tertius sich bereit erklärt hatte dem Hexerdreieck beizutreten. Zusammen mit Avis hatte er alles wichtige in Beuteln und Holzkisten zusammengepackt und würde es nun zu seinem neuen Zuhause bringen. Der Abschied vom Dorf fiel ihm nicht sonderlich schwer, er war ein Außenseiter und dennoch war er in dieser Gegend aufgewachsen, sein Heimatdorf lag nicht allzu fern und es war das erste Mal, dass er den Westen von Kontinent Portunus verlassen würde. Secundus hatte ihm erklärt, dass im Süden, wo sie drei zusammenleben würden, kein Schnee fiel und die Temperaturen recht mild im Winter waren. Noch nie zuvor hatte Tertius vom Lafil Wald gehört oder den Senneleche Bergen und nun würde das seine neue Heimat werden. Er ließ seinen Blick noch einmal durch den Raum schweifen: „Haben wir nichts vergessen?“ „Nein, Saltus… Tertius, wir haben alles“, versicherte Avis, der sich erst noch an den neuen Namen seines Meisters gewöhnen musste. Die letzten Tage waren ein paar Hexer und eine Hexe aus dem Dorf verschwunden, sie waren im Wald entfernt vom Dorf unterwegs gewesen und nicht zurückgekehrt. Es bereitete Tertius schon Bauchschmerzen das Dorf gerade in dieser Zeit zu verlassen, aber er würde wieder kommen und dem auf den Grund gehen. Gerade als Tertius die ersten Sachen wegbringen wollte, hörte man von draußen Schreie und das Knacken von Holz. Tertius stürmte aus der Tür, dicht gefolgt von Avis und konnte seinen Augen nicht trauen. Sie waren wieder da, die verschwundenen Hexer und die Hexe mit anderen und Dämonen. Die Schreie kamen von einem der Häuser am Waldrand, der Baum hatte seine Äste bewegt und den Balkon regelrecht zerdrückt. Die Bewohner flüchteten unten aus dem Baum, die Frau mit einem Kind im Arm, der Mann stoppte die bewegenden Äste über ihnen mit seinen Händen, während er weinige Worte murmelte. Erst dann folgte er seiner Familie. Die anderen Hexer und Hexen kamen aus ihren Häusern, genauso wie Tertius es getan hatte. „Ergebt euch und dient Satan“, forderte einer der Dämonen sie auf, der sich dabei so gelangweilt anhörte, dass man meinen könnte, er würde das nur aus Langeweile tun. Certus lief auf die Fremden und die vermissten Dorfbewohner zu: „Ihr seit hier nicht erwünscht Dämonen und Dunkelmagier. Der Wald gehört uns und Ihr…“ Sein Blick ging zu den vertrauten Gesichtern unter den Angreifern: „Seit ausgestoßen aus unserer Gemeinschaft, wie konntet Ihr sie nur hierherführen und uns angreifen?“ Statt einer Antwort setzten die Hexer und die Hexe die Bäume in Bewegung, ihre Hände leuchteten grünlich und sie sprachen zusammen einen Zauber, so war ihre Reichweite auch viel größer. Die Dämonen zündeten die Bäume im Dorf an und ließen auch einige Dorfbewohner in Flammen aufgehen, die wiederum von anderen Hexern und Hexen mit regelrechten Schneewellen beworfen wurden, um die Flammen zu ersticken. Es war ein reines hin und her Gemurmel von Zaubersprüchen. Auch die vermuteten dunklen Magier rannten ins Dorf hinein, ließen Schwerter, Dolche und Kurzschwerter erscheinen. Tertius richtete seine Hände gegen die Erde, welche unter den Füßen der meisten Dunkelmagiern sich auftat, wie eine Schlucht und diese hinabstürzten. Seine Hände hatten dabei grünlich geleuchtet, wie bei den anderen, aber er hatte nicht ein einziges Wort gesagt. Zwei Geschaffene, die verschiedene Arten von Wasserkräften hatten, kümmerten sich um die brennenden bewohnten Bäume. Während der eine mit regelrechten Wasserwellen, die er aus der feuchten Luft herauszuziehen schien, löschte, beschwor der andere kleine Regenwolken, die über den einzelnen Bäumen schwebten und mit einem Starkregen den Brand löschten. Avis hatte eine Falkenfeder in der Hand erscheinen lassen und schwang diese wie einen Degen. Ohne zu nah an die Dämonen heran zu müssen, schnitt er in ihr Fleisch oder stach sogar zu. Kaum war der erste Dämon aufgespießt, wichen die anderen ihm geschickter aus. Die Schlucht, welche Tertius erzeugt hatte, störte sie wenig. Sie sprangen einfach hinüber, schossen mit Feuerbällen und entzündeten weiter Häuser und Personen. Die übrigen Geschaffenen, die nicht mit den Löscharbeiten beschäftigt waren, griffen übrige dunkle Magier und Dämonen an. Sie wurden von Ranken gefesselt, von Fäusten wie aus Stein getroffen, von Stürmen verschiedener Arten zurückgeworfen, mit Sand geblendet und gepeitscht. Die Hexer und Hexen des Dorfes löschten Ihre Kameraden weiter mit Schnee, ließen die beweglichen Bäume erstarren und attackierten die anderen Hexer und Hexen mit Wind und Gestein. Ihre eigenen Dorfbäume waren bereits stark beschädigt, somit konnten diese den Zweck zum Kampf nicht mehr erfüllen. Die anderen Bäume, welche von den ehemaligen Dorfbewohnern erweckt wurden, erstarrten, wechselten die Seiten, erstarrten, es war das reinste Chaos. Wurzeln schossen aus dem Boden und fesselten einige Dämonen an den Beinen, Tertius hatte sie emporschießen lassen und hinderte sie so am weiteren vordringen, zugleich präsentierte er Avis eine passende Zielscheibe, zumindest für einen kurzen Moment, ehe die Dämonen sich von den Wurzeln losrissen oder diese abbrannten. Einige Hexen hatten sich mit den Kindern in den hinteren Teil des Dorfes zurückgezogen, wo die Angreifer bisher nicht hatten vordringen können. In den Wald zu fliehen wäre eine schlechte Idee, es könnten weitere Dämonen oder Magier dort auf sie warten. So blieb ihnen nicht als die Hoffnung, dass sie das Dorf verteidigen, oder notfalls in einen anderen Wald flüchten könnten. Dennoch waren noch nicht alle Kinder so geübt im Teleportieren und die Jüngsten konnten es noch gar nicht. Währenddessen streckte ein Dämon die Hand aus, um erneut einen Hexer in Flammen aufgehen zu lassen. Der Schneesturm sammelte sich plötzlich vor diesem Hexer, die Flocken wurden dichter und Schneeflocke verfestigte sich gerade noch so vor seinem neuen Meister, als der Dämon diesen in Flammen aufgehen lassen wollte. Da Schneeflocke sich schützend vor ihn stellte, erfasste das schwarze Feuer ihn und nicht den Hexer. In Sekunden war er verbrannt und nur noch ein wenig Asche rieselte zu Boden. Seine Schwäche war das Feuer und Schneeflocke hatte das gewusst, dennoch hatte er seinen Meister beschützt. „Schneeflocke“, der Hexer war selbst geschockt, auch wenn er erst seit Kurzem diesen Geschaffenen hatte. Der Dämon lachte: „Was für ein Name? Da ist er wohl dahin geschmolzen, die Schneeflocke.“ Tertius drehte sich zu der Stimme des Dämons, als er den Spott vernahm und sah die Asche, welche mit schockiertem Blick vom Hexer angestarrt wurde. Jedoch besann sich dieser schnell und griff mit murmelnden Worten den Dämon an, welcher von einem starken Windstoß zurückgeworfen wurde: „Er wird sich nicht umsonst geopfert haben.“ Der Stich den Tertius im Herzen spürte, wurde nicht alleine durch den Verlust von Schneeflocke ausgelöst, war aber der Anfang dessen. All der Schmerz, der Kampf, der Tod, versetzten ihn zurück an diesen schrecklichen Tag, als er seine Eltern verlor. Trauer überkam ihn, er wollte keine weiteren Opfer. Wie aus Reflex griff er nach dem Ast, welcher um seine Hüften gelegt war und ließ ihn sich winden, wie eine Schlange. Der Ast formte sich zu seinem fast geraden Stab, den er mit der Spitze zu den Ascheüberresten schwang. Leise und unhörbar für die Nicht-Dämonischen sprach Tertius einige Worte, wie in Trance. Der Staub leuchtete erst grünlich auf, genauso wie seine Hand, wechselte dann aber ins Lila. Der Kampf um ihn herum tobte weiter, Avis ließ weitere Federn in seiner Hand erscheinen, schwang diese und erzeugte damit einen Windsturm, um die Angreifer von Tertius fern zu halten. Die Totenasche von Schneeflocke erhob sich, sowie Aschebestandteile von weiteren ehemaligen Bewohnern des Dorfes, flogen durch die Luft und schienen sich dort tanzend im Wind zu sammeln. Es war Brauch die verstorbenen Hexen, Hexer und Geschaffenen zu verbrennen und ihre Überreste vom Wind davon tragen zu lassen. In dem Moment als das Ansammeln stoppte, verdichtete es sich, so wie einst Schneeflocke sich aus den Flocken zusammengesetzt hatte. Ein aschgrauer Wolf erschien dort, seine Augen so grau, wie der Rauch des Feuers und sein Fell schien geradezu voll Asche zu Stauben. Er stand einfach nur da, von seinen Füßen hinauf bis zu seinen Ohrenspitzen entstand ein Aschesturm, welcher immer größer wurde, sich ausbreitete, die Feuer löschte, während er das ganze Dorf einhüllte und niemand mehr so recht etwas erkennen konnte. Man hörte Leute husten und Dämonen fluchen: „Was ist das?“ „Die Neuen sollen das abstellen.“ „Ich versuche es“, antwortete einer der Hexer, welcher inzwischen Satan diente. Es war schwer Totenasche oder Asche allgemein für Hexerei zu verwenden, sie hatte kein Leben mehr in sich und kaum brauchbare Naturmagie. Avis versuchte mit zwei Federn und leichten Windstößen, die er damit erzeugte, die Asche von Tertius fern zu halten. Das Leuchten hatte aufgehört, seitdem der aschgraue Wolf erschienen war. Mit seinem Blick und einer schützenden Hand knapp über den Augen, versuchte Tertius zu erkennen wo die Angreifer waren. „Rückzug“ rief jemand, die Stimme gehörte zu niemanden, den er kannte. Die Dämonen schafften es gerade so sich zu teleportieren, wobei die dunkle Magie dem Feuer überwiegte und sie fast schon mehr in schwarzem Rauch verschwanden, wie die Dunkelmagier. Der Sturm legte sich, die Asche rieselte zu Boden und färbte die Landschaft in ein bedrückendes Grau. Der Wolf lief auf Tertius zu, zog dabei alle Blicke der Anwesenden auf sich und hielt vor ihm an. Ohne zu zögern verneigte er sich vor Tertius: „Ich hoffe, Ihr seid zufrieden, Meister.“ „Gibst du mir ein bisschen von deinem Eisenkraut ab, Princeps?“, hackte Secundus nach, während er seine eigenen Vorräte prüfte. Princeps und Tertius saßen zusammen am Tisch bei ihm Zuhause. Es war schon mehr als eine Woche her, seit sich der Vorfall im Dorf der westlichen Hexer zugetragen hatte. Tertius hatte den beiden alles erzählt und sie hatten viel diskutiert, wie sie die Hexer und Hexen besser voreinander schützen könnten. „Sicher“, entgegnete Princeps und nahm noch einen Schluck aus seiner Tasse mit Kräutertee. Das Hexerdreieck wohnte gemeinsam im Wald Lafil, jeder hatte seinen eigenen Baum. Während Princeps und Secundus ganz wie die nördlichen Hexer in Baumhäusern wohnten, so hatte Tertius wie zuvor den Baum selbst bezogen und nur oberhalb es um einen Balkon erweitert. Allerdings hatte er inzwischen drei Stockwerke, statt nur zwei. Die drei Häuser waren jedoch wie in den Dörfern über Hängebrücken verbunden. Avis überflog den Wald, wobei er Ausschau nach Fremden hielt. Seit sie umgezogen waren, machte er öfter mal einen Rundflug, auch um die Umgebung besser kennen zu lernen. Der Geschaffene, der im Kampf von Tertius zum Leben erweckt wurde, saß draußen vor dem Baumhaus. Sein Name war nun Cinis* , ein sehr ruhiger Geselle. Avis hatte ihn noch nicht ein einziges Mal lächeln sehen. Vor Princeps Baum legte ein brauner Schakal Beete an. Sein Rücken war schwarz und einige weiße Flecken mischten sich dort hinein, zumindest soweit man das unter dem weißen Baumwollhemd erkennen konnte. Außerdem trug er eine braune Hose sowie braune Bänder, wie eine Art Schuh um die Füße gewickelt. „Hey Regulus* , soll ich dir zur Hand gehen?“, kam ein roter Fuchs durch die Luft geschlittert, als würde er auf Eis laufen. Dabei war er nicht mal einen Meter vom Boden entfernt. Sein rotes Fell wurde von der typischen Fuchszeichnung mit weißen Spitzen an Ohren und Schweif sowie weißer Brust und Händen unterbrochen. Auch er trug eine braune Hose, aber ein grünes Hemd, aus dem das weiße Brustfell oben herausragte. Der Schakal blickte auf und lächelte: „Schon gut, Natus* . Ich mach das.“ Im ersten Schritt hatte das Hexerdreieck für weitere Unterstützung gesorgt in Form von Geschaffenen. Regulus war Princeps’ Geschaffener, Natus war der von Secundus und Tertius hatte sich sogar noch einen Dritten dazu geholt, Lepus* . Schnell kam der schneeweiße Wolf hinter dem Baum hervor gerannt und sprang Natus regelrecht um. Sie landeten zusammen im Dreck und er kuschelte und schmiegte sich an Natus, als wäre er ein Stofftier: „Jetzt hab‘ ich dich.“ Lachend nickte er: „Ja, jetzt hast du mich erwischt. Du bist viel zu schnell für mich, Lepus.“ Natus konnte auch ganz schön schnell durch den Wind surfen, fast wie auf Wellen, aber Lepus konnte mindestens genauso schnell laufen, wie ein Dämon. Da war es schwierig ihm zu entwischen. Sein Fell war kuschelig weich, er trug eine hellbraune Hose, eine helle graue Weste und schwarze Schuhe. Kaum war Regulus mit den Beeten fertig, ließ er verschiedene Kräuter dort wachsen. Sie sprossen aus dem Boden heraus und wuchsen zu anständiger Größe heran. Zufrieden lächelte er: „Jetzt bin ich fertig.“ Er blickte zu den beiden am Boden und dann zu Cinis herüber, ehe er zu ihm ging und sich setzte. Auch Regulus war eher ruhig und zurückhaltend, aber lange nicht so, wie es Cinis war. Im Laufe des Tages wurde noch viel diskutiert in Secundus‘ Heim, ehe sie zu einer übereinstimmenden Lösung gekommen waren: Ein Regelwerk, dass sie den Maga Codex nannten. In diesem sollte alles definiert sein, was erlaubt war und was nicht. Zum Schutz ihres Volkes und der Geschaffenen, die draus resultierten. Vergnügt lag Spectio auf seinem Bett, blickte zur Decke und grinste in sich hinein: „Was für ein Glückstreffer.“ Während er sich um die Diener und ihre Aufträge gekümmert hatte, fragte er in seiner Freizeit die Hexer und Hexen aus, die nun dem Teufel dienten. Jeder konnte Hexerei lernen, niemand kannte bisher die wahren Grenzen der Hexerei. Er war völlig aus dem Häuschen, wie viel potenzial das hatte und sein verrückter Vater wollte unter Gewöhnlichen leben. Was für ein Idiot das doch war. Noch nie hatte er bereut sich Satan angeschlossen zu haben und nun war er geradezu überglücklich. So viel Macht, die damit in Verbindung stehen könnte. Nur die Anleitung von den neuen Dienern war etwas dürftig: Einklang mit der Natur, das Spüren was überall ist, Hexerei ist Naturmagie, sich drauf einlassen… Und dennoch konnte er nicht aufhören zu grinsen, wie sollte er so nur einschlafen. Wie er es befürchtete, bekam er kein Auge zu. Ständig drehte er sich im Bett und konnte nicht aufhören daran zu denken. Nach einigen Stunden umherwälzen stand er auf und verschwand in schwarzem Rauch in den tropischen Wald Contumax auf dem Kontinent Fidius. Dort war es angenehm warm, genau der richtige Ort für einen Viertelsalamander um Hexerei zu lernen. Er setzte sich auf den Boden zwischen Palmen, Mahagoni und Akazien, schloss die Augen und versuchte sich auf die Natur um sich herum zu konzentrieren. Sechs Monate vergingen, ehe Spectio die erste Hexerei hervorbrachte. Dann lernte er jedoch ungewöhnlich schnell, jeden Tag mehr und mehr, wobei er alles aufschrieb. Morgens kümmerte er sich darum die Diener los zu schicken, nach Bedarf neue Aufgabengebiete zu vergeben, wie wenn jemand doch nicht so gut daran war weiße Magier zu töten. Und mittags begann er zu üben und sich mit den anderen Hexen und Hexern auszutauschen. Großes Thema war der Maga Codex bei ihnen und das Hexerdreieck. Spectio lachte nur darüber, als wenn er sich von ein paar Möchtegern-Herrschern etwas vorschreiben lassen würde. Soweit käme es noch. Wenn er erst einmal mächtig genug war, würde er sie einfach aus dem Weg räumen. Es waren in der Zwischenzeit auch weitere Diener dazu gekommen, unter anderem Hexer und Hexen, aber nicht ausschließlich. Dennoch gab es auch viele Verluste, denn es wurde nun nicht nur gegen die weißen Magier und Gabriels Lichtwesen gekämpft, sondern auch noch gegen vier Hexervölker, jedes in einer anderen Windrichtung. Tertius hatte inzwischen die nördlichen, östlichen und südlichen Hexer und Hexen kennen gelernt. Das Hexerdreieck versuchte mit verschiedenen Schutzzaubern den Schutz zu gewährleisten, aber nicht überall wurden sie freundlich empfangen. Hier und da gab es Hexen und Hexer, die so gar nicht mit dem Maga Codex einverstanden waren, während es von der Allgemeinheit für richtig eingestuft wurde. Tertius‘ Familie, wie er sie bezeichnete, hatte weiteren Zuwachs bekommen Gemmeus* , ein Geschaffener aus Edelsteinen. - Sein Fell war dunkelgrün, er trug eine beige-farbene Baumwollhose und schwarze Schuhe. Avis achtete gut auf seine drei jüngeren Brüder und hatte in Tertius‘ Abwesenheit die Verantwortung. Während Secundus seinen Geschaffenen ungern alleine ließ. Er sah Natus als seinen Sohn und dieser ihn als Vater an. Für Princeps war Regulus so etwas wie ein Freund, der ihn mit guten Kräutern und Pflanzen aller Art versorgen konnte. Zudem hatte das Hexerdreieck festgestellt, dass sich die Farbe der Hexerei individuell veränderte, wenn man einen bestimmten Grad überschritt. Princeps‘ Hexerei war inzwischen ausschließlich bronze-farbend, die von Secundus hatte einen weichen Blauton und bei Tertius war sie lila. Spectio hatte auch an diesem Tag wieder alle Diener mit Aufträgen losgeschickt und blickte zu Satan, um vielleicht einschätzen zu können, ob er zufrieden war. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, allerdings spürte man schnell, wenn er unzufrieden war. So deutete Spectio alles andere als in Ordnung. Dennoch beschäftigte ihn auch noch eine weitere Sache und es war an der Zeit Satan endlich danach zu fragen: „Mein Fürst, erlaubt mir eine strategische Frage.“ „Sprich“, entgegnete der Fürst der Finsternis knapp. Da Spectio ihn nicht verärgern wollte, wählte er seine Worte mit Bedacht: „Mein Fürst, Ihr habt wirklich viele Diener, darunter vor allem dunkle Magier und Dämonen, die Hexer und Hexen sind eine perfekte Ergänzung und dennoch… würde die Eroberung der Welt nicht ein wenig beschleunigt werden, wenn Ihr mit Eurer grenzenlosen Macht, Euch selbst an diesem Kampf beteiligt?“ Wütend schabte Satan mit den Krallen über die Thronlehnen, Spectio hielt regelrecht die Luft an für einen Moment. „Ich kann nicht“, begann Satan und Spectio entspannte sich wieder etwas. Er hatte den Schritt gewagt, jetzt würde er nicht zurückschrecken: „Bitte erklärt es mir, mein Fürst. Als Euer Anwalt sollte ich über solche Dinge bescheid wissen. Nur so kann ich Euch im vollen Umfang beraten.“ Ein Schnauben war von Satan zu vernehmen: „Diese ungehorsamen Dämonen sind schuld. Ich musste sie Zwangsverpflichten und habe diesen Teil meiner Kraft eingebüßt. Selbst den Ausgang in der Hölle kann ich nicht nehmen und mich hinaus teleportieren erst recht nicht.“ Es gab also einen Ausgang aus der Hölle, mit dieser Information hatte Spectio nicht gerechnet. Damit würde er sich später noch beschäftigen, man konnte ja nie wissen wozu das noch gut sein könnte: „Mein Fürst, ihr könnt nicht aus eigener Kraft hinaus, aber vielleicht gibt es mit Hexerei einen Weg. Niemand kennt die Grenzen, ich werde mich sogleich mit Euren Hexen und Hexern an die Arbeit machen eine Lösung zu finden.“ Alle zwei bis drei Tage versuchte Spectio eine neue Version der Beschwörung, aber ohne Erfolg. Die vier Elemente reichten nicht aus, waren aber für die Hexerei unumgänglich. Satan war der Herr der Hölle, also nahmen sie die Seelen symbolisch als Element auf und wieder ein Fehlschlag. Dunkle Magie in Form eines Dolches packte Spectio in die Mitte, dabei verbanden sie die fünf Elemente, wie einen Stern. Es wurde immer vom ersten Element zum dritten, dann zum fünften, zum zweiten und zum Schluss zum vierten Element am Rand des Schutzkreises verbunden. „Wo ist der letzte?“, fragte Spectio ungeduldig die beiden Hexer, die bereits mit ihm dabei waren die Beschwörung vorzubereiten. Sie waren auf einer freien Grasfläche in Portunus, gar nicht so weit von der Stadt Rudis entfernt. Spectio hatte diesen Ort absichtlich gewählt, da es dort sehr mächtige weiße Magier geben sollte. Es war am besten den stärksten Feind zuerst auszulöschen. Vier Gewöhnliche saßen gefesselt und geknebelt ein paar Meter entfernt vom Schutzkreis. Ängstlich blickten sie zu dem Geschehen. Ein Hexer und eine Hexe tauchten mit einem weiteren Gewöhnlichen auf, auch er war gefesselt und geknebelt. Spectio blickte zu ihnen: „Na endlich.“ Das ersparte den anderen beiden Hexern die Antwort. Der Schutzkreis und der Stern waren gezogen, alles war soweit vorbereitet. Ohne weitere Verzögerung packte Spectio den neuen Gefesselten und zerrte ihn am Arm zu einer Spitze des Sternes: „Eine Seele für den Fürsten der Finsternis…“ Er ließ den Gefangenen in Flammen aufgehen, bis nichts als Asche von ihm blieb. Dabei hielt er ihn an Ort und Stelle und ließ ihn lediglich zu Boden sinken. Direkt ging er zu den übrigen Gewöhnlichen, zerrte einen hoch, der sich nun stärker wehrte. Ein weiterer Hexer half Spectio ihn zu seinem Platz, dem dritten Element dem Feuer zu führen. An dieser Spitze brannte eine kleine Kerze. Auch diesen armen Mann entzündete Spectio: „Eine Seele für das Feuer…“ Als nächstes folgte die Luft, dann das Wasser und zum Schluss die Erde. Es war immer der gleiche Ablauf, bei der Luft lag eine Feder, beim Wasser gab es eine Tonschüssel entsprechend gefüllt und für die Erde hatte man einen Stein platziert. „Satan, Fürst der Finsternis, Herr der Hölle, wir rufen dich. Tor zur Hölle öffne dich, lass deinen Herren passieren…“, setzte Spectio fort, während er zurück zur Spitze mit dem Element der Seele lief: „Lass die Finsternis sich erheben!“ Während der ganzen Zeit hatten Spectios Hände grünlich geleuchtet, als er jedoch den letzten Satz zu Ende brachte, wechselten sie in ein dunkles Rot und der Stern begann genauso rot zu leuchten. Vom Dolch ausgehend, breitete sich die Finsternis in dem Kreis aus, ein regelrechtes schwarzes Loch bildete sich, aus diesem Satan kurz darauf empor geflogen kam. Daraufhin erlosch der Kreis und alles wirkte normal. Freudig lachte Spectio auf: „Da ist er, unser Fürst der Finsternis. Ich bin ein Genie.“ Der Fürst der Finsternis landete vor Spectio und fand tatsächlich lobende Worte für ihn: „Gut gemacht.“ Grinsend zeigte Spectio in die Richtung, in der die Stadt lag: „Dort müssen wir hin, aber Ihr braucht noch mehr Schrecken. Es fehlt etwas. Könnt Ihr eure Macht demonstrieren und vielleicht die Welt in Finsternis hüllen, Lavaflüsse, Erdbeben, zeigt Ihnen das es keinen Sinn macht sich Euch zu widersetzen.“ Die Hände seitlich ausgestreckt, konzentrierte sich Satan. Die Erde begann zu beben, Flüsse färbten sich blutrot, der Himmel verdunkelte sich und Asche regnete hinab. „Perfekt, mein Fürst, Eure Macht ist grenzenlos“, befeuerte Spectio ihn noch mehr, „Verschwinden wir in die Stadt und vernichten Eure Feinde.“ „Bring mich hin“, befahl Satan ihm und Spectio verschwand mit den anderen Hexern, der Hexe und dem Fürsten in die Stadt. Die Bewohner dort waren bereits ziemlich panisch, verunsichert und hofften regelrecht auf die Unterstützung der Lichtmagier, auch wenn diese immer mehr sich aus Städten und Dörfern zurückziehen mussten. Sie lockten die Dunkelmagier an. Satan erhob sich erneut in die Lüfte, flog weit über den Häuserdächern: „Ich bin euer neuer Herrscher, mir gehört ab sofort diese Welt, dem Fürsten der Finsternis.“ Spectio lachte, das war einfach zu gut. Jetzt mussten nur noch die Lichtmagier aus ihrem Versteck kriechen. Statt der Lichtmagier erschien Gabriel aus grellem Licht einige Meter vor Satan in der Luft: „Hör auf diese armen Leute zu quälen, Satan. Du hast dein eigenes Reich, kehre dorthin zurück.“ „Ich lasse mir von dir gar nichts sagen, Gabriel“, schnaubte Satan ihn wütend an und schoss sogleich mit einer riesigen schwarzen Magiekugel auf Gabriel. Sie war etwa halb so groß, wie er selbst. Gabriel setzte ihm eine weiße Magiekugel in gleicher Größe entgegen, die Kugeln trafen aufeinander und es gab eine Explosion. Die Druckwelle drängte beide in der Luft zurück, was sie nicht davon abhielt erneut anzugreifen. Schwarze Flammen schossen wie Speere auf Gabriel, denen er gerade so auswich, während Gabriel mit Blitzen zurückschoss, die durch den Himmel zuckten. Auch Satan entkam ihnen nur knapp. Es war nicht schwierig zu erkennen, dass die beiden gleichstark waren und keiner sich so einfach einen Vorteil erkämpfen könnte. Entfernt von Spectio und den anderen Hexern, war ein Lichtmagier auf ein Häuserdach geklettert, ein hellgrauer Krähenkopf zierte sein linke Gesichtshälfte auf weißem Fell, fast wie eine Tätowierung. Als Satan erneut einem Angriff von Gabriel auswich, schickte der Magier eine große Lichtmagiekrähe zu ihm. Zu spät bemerkte er den Angriff und wurde getroffen. Das Licht durchdrang Satans Körper, fraß sich durch ihn wie Feuer. Er schrie auf, wütend und voller Schmerz. Gabriel schickte noch eine große weiße Magiekugel hinterher, ein Knall folgte und wie in einer Explosion mischten sich Finsternis und Licht, ehe von Satan keine Spur mehr am Himmel zu vernehmen war. Lächelnd blickte Gabriel zu dem Krähenmagier: „Habt dank für die Unterstützung.“ Dann verschwand er in grellem Licht. Der Himmel wurde wieder heller und alles normalisierte sich. Fluchend verschwand auch Spectio in schwarzem Rauch. War, dass das Ende vom Fürsten der Finsternis? Währenddessen blickte das Hexerdreieck verwundert in den Himmel. „Es hat aufgehört“, sprach Secundus nur das aus, was sie alle sahen. Der Ascheregen war fort, der Himmel klar. Als wäre das alles gerade überhaupt nicht passiert, kitzelte kichernd eine weiße Wölfin Natus ab: „Gibst du auf?“ Neidisch blickte Lepus zu ihm: „Ich will auch, das ist meine kleine Schwester.“
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Regeln für alle Diener

I. Gib keine Stellungnahme oder Ratschläge, wenn du nicht gefragt wirst. II. Erzähle deine Sorgen nicht anderen, wenn diese sie nicht hören wollen. III. Dem Fürsten der Finsternis ist Respekt zu zollen. Sprich ihn immer mit “mein Fürst” an und erhebe das Wort nicht unaufgefordert. Zudem hast du den Blick zu senken und nieder zu knien. IV. Wenn dich jemand in deiner eigenen Unterkunft belästigt, behandle ihn grausam und ohne Gnade. V. Beschwere dich nicht über etwas, wodurch du selbst keinen Schaden hast. VI. Belästigt dich jemand, bringe ihn dazu aufzuhören. Hört er nicht auf, vernichte ihn. VII. Diener dürfen nicht ohne die Erlaubnis des Fürsten der Finsternis getötet werden. VIII. Innerhalb von 24 Stunden ist ein Diener verpflichtet sich mindestens 2 Stunden in der Hölle aufzuhalten. Einzige Ausnahme ist ein Auftrag, der eine entsprechende Abwesenheit erfordert.

Maga Codex

Der Maga Codex wurde vom Hexerdreieck beschlossen und wird von diesem gehütet. I. Grundregeln I.I. Beherrsche die Regeln der Hexenkunst. I.II. Sei immer ehrlich zu dir selbst. I.III. Lerne dein Leben lang. Sei immer neugierig auf Neues. I.IV. Finde dein inneres Gleichgewicht und lebe danach. I.V. Unterschätze nie die Kraft des Wortes. I.VI. Wende dein Wissen weise an. I.VII. Lerne dich zu konzentrieren. I.VIII. Lebe im Einklang mit der Natur. I.IX. Respektiere deine Umwelt. I.X. Achte auf deine Umwelt. I.XI. Ehre die Kräfte der Natur. I.XII. Nutze die Hexerei zur Verteidigung und zum Vergnügen, aber niemals um dich zu bereichern. I.XIII. Hexerei muss durch selbstständiges Lernen und Selbsterkenntnis erlernt werden. Lediglich die Grundsätze der Beschwörung dürfen gelehrt werden: Tierbeschwörungen, Pflanzenbeschwörungen und die Beschwörung von Gegenständen. I.XIV. Der Hexer/die Hexe ist für ihren Geschaffenen, egal welcher Art, verantwortlich und muss für dessen handeln geradestehen. II. Beschränkungen II.I. Umweltbeeinflussung und Landschaftsgestaltung ist nur im eigenen Reich oder Heim gestattet, sofern es keine Auswirkungen auf den Bereich außerhalb hat. II.II. Gewöhnliche, Hexer oder gar Magier zu erschaffen durch Hexerei ist nur mit Erlaubnis des Hexerdreiecks gestattet. III. Verbote III.I. Experimentieren mit größeren Zaubern ist verboten. III.II. Ein Zauber darf von höchstens fünf Hexern/Hexen gemeinsam ausgeführt werden. III.III. Umwelt- und Landschaftsbeeinflussung außerhalb der eigenen Grenzen ist untersagt. III.IV. Umweltkatastrophen dürfen nicht ausgelöst werden. III.V. Fabelwesen aus Legenden oder Geschichten dürfen nicht erschaffen oder beschworen werden. III.VI. Geschaffene dürfen nicht missbraucht, gedemütigt oder wie Sklaven behandelt werden. Egal ob Tier, Pflanze, Gewöhnlicher, Hexer oder gar Magier. III.VII. Flüche sind grundsätzlich verboten. IV. Bestrafung und Ausnahmen IV.I. Grundsätzlich entscheidet das Hexerdreieck jeden Fall auf Grund seiner Einzigartigkeit separat und verhängt die Strafe nach eigenen Ermessen. IV.II. In Ausnahmefällen kann ein Hexer oder eine Hexe eine Genehmigung für einzelne Verbote oder Einschränkungen bekommen. IV.III. Das Hexerdreieck kann je nach Härte des Verstoßes die Hexerei als Fähigkeit komplett oder teilweise blockieren.
Die Prophezeiung des Lichts - Teil 1 - Himmel und Hölle
Kapitel 8 - Die Beschwörung „Unfähige Idioten“, fluchte Spectio während er sich auf sein Bett im Turm setzte und seinen neuen Arbeitsbereich begutachtete. Einen Schreibtisch mit Stuhl, einige Regale, leere Notizbücher und sein Bett standen im Turmzimmer. Durch die Turmfenster konnte er sogar die Dämonen beobachten oder was allgemein vor dem Schloss vor sich ging. In der letzten Nacht hatten die drei Diener, die Spectio nach dem flüchtigen Diener ausgesendet hatte, diesen zurückgebracht. Allerdings machte er nur noch seine letzten Atemzüge in der Hölle und es war mit ihm vorbei. Keine Informationen zu der neuen Spezies, die Bäume bewegen konnte. Satan war damit zufrieden gewesen, aber Spectio war es nicht. Es könnte entscheidend sein mehr darüber heraus zu finden. Er würde die drei noch einmal aussenden zum Informationen sammeln. Ihm egal, wie sie das anstellten, aber er musste herausbekommen, was es damit auf sich hatte. Wie würde er dastehen als Anwalt des Teufels, wenn er nicht mit einer neuen Spezies umzugehen wusste. Noch dazu könnten starke und mächtigere Diener für Satan dabei herauskommen. Das würde den Fürsten sicherlich von seinem Können überzeugen. Spectio blieb noch einen Moment sitzen, um seine Gedanken zu sammeln, ehe er dann den Turm hinabstieg, die Eingangshalle durchquerte und in den Thronsaal ging. Dort verneigte er sich respektvoll: „Mein Fürst, bitte ruft die drei Diener, die den flüchtigen Diener zur Strecke gebracht haben. Ich habe einen Auftrag für sie.“ Ohne weiter nachzuhaken, tat er dieses auf telepathischem Wege: „Sie werden jeden Moment hier sein.“ Satan saß wie immer auf seinem Thron, eigentlich war Spectio sogar aufgefallen, dass Satan diesen verhältnismäßig selten verließ. Auch einen Schlafplatz oder ähnliches hatte Spectio bisher dort nicht gesehen und auch nirgends im Schloss. Musste Satan überhaupt schlafen? Das würde er sicherlich noch herausbekommen. Gerade war es wichtiger sich auf diese geheimnisvolle neue Spezies zu konzentrieren. Während sie auf die drei Diener warteten, stellte sich Spectio in die Dunkelheit neben den Thron. Es war ein sehr befriedigendes Gefühl dem mächtigen Fürsten der Finsternis so nahe zu sein und auf die anderen Diener herab blicken zu können. Die drei Diener kamen wie von Satan angekündigt in den Thronsaal und knieten sich mit gesenktem Blick nieder: „Ihr habt gerufen, mein Fürst.“ Verwundert hörten die Diener Schritte näherkommen, wodurch ihre Anspannung stieg. Jedoch war es nicht Satan, der aus der Finsternis trat in den etwas helleren Bereich des Thronsaales, sondern Spectio. Mit einem Blick musterte er die drei: „Leider habt ihr den Flüchtigen gestern nur noch tot gebracht. Wir brauchen mehr Informationen mit wem oder was wir es zu tun haben. Ihr werdet an den Ort zurückkehren, wo er ihn aufgespürt habt und andere wie ihn suchen. Findet mehr über diese Spezies heraus und wagt es nicht ohne Informationen zurückkommen. Solltet ihr mich jedoch anlügen, werdet ihr es bereuen. Der Fürst und ich dulden keine Lügen.“ Satan hatte die Diener zwar wissen lassen, welche Rolle Spectio in der Hölle einnehmen würde, dass er über ihnen stand, dennoch war der Umstand von ihm Befehle zu erhalten, seltsam. „Wie ihr wünscht“, entgegnete der schwarze Wolf, „Wir machen uns auf den Weg.“ Er erhob sich dann, gefolgt von den anderen beiden Diener, die gemeinsam den Thronsaal verließen. Kaum waren sie aus dem Tor hinaus gegangen, verschwanden sie in schwarzem Rauch. „Wir sollten über einige Regeln hier in der Hölle sprechen, die jeder Diener einzuhalten hat“, begann Spectio direkt, kaum das die drei weg waren, „Das ist schließlich euer Reich und nicht jeder sollte tun können, was er will.“ „Ich höre“, entgegnete Satan knapp und wand seinen Blick zu Spectio. „Die Diener werde ich selbst in ihre Aufgabengebiete unterteilen, das wird sicherlich einige Zeit dauern bis jeder genau das tut, was er am besten kann. Aber darum müsst ihr euch nicht kümmern, ich werde ab sofort jeden Morgen mit euch die Diener gemeinsam losschicken, um mir einen Überblick zu verschaffen. Eine der Regeln habt Ihr ja schon selbst festgelegt“, begann Spectio und versuchte dabei immer einzuschätzen, was Satan gerade davon hielt, „Ich meine damit das Niederknien und den Kopf senken. Das werden wir natürlich beibehalten, ansonsten würde ich noch dazu nehmen, dass die Diener alle 24 Stunden sich mindestens 2 Stunden in der Hölle aufzuhalten haben. So haben wir direkt einen Überblick, welcher Diener nicht zurückgekehrt ist und können sofort reagieren. Verräter können Ihr nicht gebrauchen. Der Rest ist eher allgemeiner Natur…“ Während Spectio ihm seine Vorschläge zu den Regeln machte, hörte Satan die ganze Zeit schweigend zu und erst als er zum Ende gekommen war, äußerte er sich nach einer längeren Pause: „Einverstanden. Kümmere dich darum.“ Mit einer Verbeugung verabschiedete sich Spectio aus dem Thronsaal und kehrte in seinem Turm zurück, wo er all diese Regeln auf Papier festhielt, welches er später in die Eingangshalle hängen würde. I. Gib keine Stellungnahme oder Ratschläge, wenn du nicht gefragt wirst. II. Erzähle deine Sorgen nicht anderen, wenn diese sie nicht hören wollen. III. Dem Fürsten der Finsternis ist Respekt zu zollen. Sprich ihn immer mit “mein Fürst” an und erhebe das Wort nicht unaufgefordert. Zudem hast du den Blick zu senken und nieder zu knien. IV. Wenn dich jemand in deiner eigenen Unterkunft belästigt, behandle ihn grausam und ohne Gnade. V. Beschwere dich nicht über etwas, wodurch du selbst keinen Schaden hast. VI. Belästigt dich jemand, bringe ihn dazu aufzuhören. Hört er nicht auf, vernichte ihn. VII. Diener dürfen nicht ohne die Erlaubnis des Fürsten der Finsternis getötet werden. VIII. Innerhalb von 24 Stunden ist ein Diener verpflichtet sich mindestens 2 Stunden in der Hölle aufzuhalten. Einzige Ausnahme ist ein Auftrag, der eine entsprechende Abwesenheit erfordert. „Psst, seit doch still“, flüsterte der schwarze Wolf den beiden anderen Dienern zu, die sich hinter einem Baum und einigen kahlen Büschen im Schnee versteckt hatten. Einige Meter entfernt liefen drei Kinder über den Schnee, sie sackten nicht hinein und schienen fast darüber zu schweben, jedenfalls wirkte es für die drei Diener so. Von weiter weg hörte man eine Stimme rufen: „Lauft nicht so weit voraus.“ Scheinbar ein Erwachsener, der sie begleitete, aber sehen konnten die drei ihn noch nicht. Die Kinder knieten sich immer wieder herunter, glitten mit den Fingern über den Schnee, ihre Hände leuchteten dabei grünlich, wie eine Art Aura, die sie umgab und der Schnee sammelte sich in ihrer Hand und wurde zum Schneeball. Die drei bewarfen sich dabei, zwei Jungen und ein Mädchen, die laut dabei lachten und es den Anschein hatte, als hätten sie es noch nie anders gekannt. Der Kater verließ seine Deckung und lief langsam durch den Schnee auf die Kinder zu: „Hallo Kinder, es scheint ich habe mich verlaufen und bin auch etwas verwundert über das, was ihr da könnt. Wie macht ihr das?“ Die beiden Jungen blickten den Fremden neugierig an, es war das erste Mal für sie, dass sie einen Nicht- Geschaffenen im Schnee versinken sahen. Das Mädchen machte einige Schritte auf ihn zu und zeigte dann in eine Richtung: „Dort lang geht es hinaus aus dem Wald. Geht lieber, die Erwachsenen mögen keine Fremden im Wald.“ „Was seid ihr?“, hackte der Getigerte erneut nach und ließ sich nicht so leicht abwimmeln, schließlich wusste er sehr wohl, wie er den Wald verlassen könnte. „Hexer“, antwortete der eine Junge, „und sie ist eine Hexe. So wie alle aus unserem Dorf.“ „Fast alle“, ergänzte der andere Junge, „Die anderen sind Geschaffene.“ Das Mädchen drehte sich zu den beiden Jungs um: „Er muss gehen. Wir sollten kein Gespräch mit ihm anfangen.“ Lächelnd hob der Kater unschuldig die Hände: „Alles gut, ich will nicht, dass ihr Ärger wegen mir bekommt. Vielen Dank für die Antwort. Dort entlang nicht wahr?“ Mit dem Finger zeigte er in die Richtung, welche das Mädchen ihm gewiesen hatte. „Ja, die Richtung“, antworteten die drei Kinder fast zugleich. Ohne weiteres Zögern ging der Kater in die Richtung und würde sich darauf verlassen, dass die anderen beiden vielleicht durch ihre Beobachtung noch mehr herausfinden könnten. Immerhin hatten sie nun bereits eine Bezeichnung, wussten das sie Bäume kontrollieren konnten, Schnee beeinflussen sowie das sie zusammen lebten mit Geschaffenen, was auch immer das schon wieder sein sollte. Zum Abend waren die drei Diener zurückgekehrt, durchgefroren und regelrecht froh wieder in der heißen Hölle sich aufwärmen zu können. Nachdem sie Satan und Spectio über ihre Beobachtungen in Kenntnis gesetzt hatten, war Spectio zurück in seinen Turm, machte sich Notizen mit der Feder in seinem ersten Buch mit dem Titel „Hexen und Hexer“. Gleichzeitig überlegte er, wie sie an dieses verborgene Volk rankommen könnten. Es wäre eine Bereicherung solche Untertanen für Satan zu gewinnen. Wer wusste schon, was sie noch alles kontrollieren konnten. Am liebsten würde er selbst losziehen, aber der Schnee würde ihm zum Verhängnis werden. Außerdem würde er weitere Wälder absuchen lassen, vielleicht gab es noch mehr davon. Es war nun schon einige Tage her, dass Tertius sich bereit erklärt hatte dem Hexerdreieck beizutreten. Zusammen mit Avis hatte er alles wichtige in Beuteln und Holzkisten zusammengepackt und würde es nun zu seinem neuen Zuhause bringen. Der Abschied vom Dorf fiel ihm nicht sonderlich schwer, er war ein Außenseiter und dennoch war er in dieser Gegend aufgewachsen, sein Heimatdorf lag nicht allzu fern und es war das erste Mal, dass er den Westen von Kontinent Portunus verlassen würde. Secundus hatte ihm erklärt, dass im Süden, wo sie drei zusammenleben würden, kein Schnee fiel und die Temperaturen recht mild im Winter waren. Noch nie zuvor hatte Tertius vom Lafil Wald gehört oder den Senneleche Bergen und nun würde das seine neue Heimat werden. Er ließ seinen Blick noch einmal durch den Raum schweifen: „Haben wir nichts vergessen?“ „Nein, Saltus… Tertius, wir haben alles“, versicherte Avis, der sich erst noch an den neuen Namen seines Meisters gewöhnen musste. Die letzten Tage waren ein paar Hexer und eine Hexe aus dem Dorf verschwunden, sie waren im Wald entfernt vom Dorf unterwegs gewesen und nicht zurückgekehrt. Es bereitete Tertius schon Bauchschmerzen das Dorf gerade in dieser Zeit zu verlassen, aber er würde wieder kommen und dem auf den Grund gehen. Gerade als Tertius die ersten Sachen wegbringen wollte, hörte man von draußen Schreie und das Knacken von Holz. Tertius stürmte aus der Tür, dicht gefolgt von Avis und konnte seinen Augen nicht trauen. Sie waren wieder da, die verschwundenen Hexer und die Hexe mit anderen und Dämonen. Die Schreie kamen von einem der Häuser am Waldrand, der Baum hatte seine Äste bewegt und den Balkon regelrecht zerdrückt. Die Bewohner flüchteten unten aus dem Baum, die Frau mit einem Kind im Arm, der Mann stoppte die bewegenden Äste über ihnen mit seinen Händen, während er weinige Worte murmelte. Erst dann folgte er seiner Familie. Die anderen Hexer und Hexen kamen aus ihren Häusern, genauso wie Tertius es getan hatte. „Ergebt euch und dient Satan“, forderte einer der Dämonen sie auf, der sich dabei so gelangweilt anhörte, dass man meinen könnte, er würde das nur aus Langeweile tun. Certus lief auf die Fremden und die vermissten Dorfbewohner zu: „Ihr seit hier nicht erwünscht Dämonen und Dunkelmagier. Der Wald gehört uns und Ihr…“ Sein Blick ging zu den vertrauten Gesichtern unter den Angreifern: „Seit ausgestoßen aus unserer Gemeinschaft, wie konntet Ihr sie nur hierherführen und uns angreifen?“ Statt einer Antwort setzten die Hexer und die Hexe die Bäume in Bewegung, ihre Hände leuchteten grünlich und sie sprachen zusammen einen Zauber, so war ihre Reichweite auch viel größer. Die Dämonen zündeten die Bäume im Dorf an und ließen auch einige Dorfbewohner in Flammen aufgehen, die wiederum von anderen Hexern und Hexen mit regelrechten Schneewellen beworfen wurden, um die Flammen zu ersticken. Es war ein reines hin und her Gemurmel von Zaubersprüchen. Auch die vermuteten dunklen Magier rannten ins Dorf hinein, ließen Schwerter, Dolche und Kurzschwerter erscheinen. Tertius richtete seine Hände gegen die Erde, welche unter den Füßen der meisten Dunkelmagiern sich auftat, wie eine Schlucht und diese hinabstürzten. Seine Hände hatten dabei grünlich geleuchtet, wie bei den anderen, aber er hatte nicht ein einziges Wort gesagt. Zwei Geschaffene, die verschiedene Arten von Wasserkräften hatten, kümmerten sich um die brennenden bewohnten Bäume. Während der eine mit regelrechten Wasserwellen, die er aus der feuchten Luft herauszuziehen schien, löschte, beschwor der andere kleine Regenwolken, die über den einzelnen Bäumen schwebten und mit einem Starkregen den Brand löschten. Avis hatte eine Falkenfeder in der Hand erscheinen lassen und schwang diese wie einen Degen. Ohne zu nah an die Dämonen heran zu müssen, schnitt er in ihr Fleisch oder stach sogar zu. Kaum war der erste Dämon aufgespießt, wichen die anderen ihm geschickter aus. Die Schlucht, welche Tertius erzeugt hatte, störte sie wenig. Sie sprangen einfach hinüber, schossen mit Feuerbällen und entzündeten weiter Häuser und Personen. Die übrigen Geschaffenen, die nicht mit den Löscharbeiten beschäftigt waren, griffen übrige dunkle Magier und Dämonen an. Sie wurden von Ranken gefesselt, von Fäusten wie aus Stein getroffen, von Stürmen verschiedener Arten zurückgeworfen, mit Sand geblendet und gepeitscht. Die Hexer und Hexen des Dorfes löschten Ihre Kameraden weiter mit Schnee, ließen die beweglichen Bäume erstarren und attackierten die anderen Hexer und Hexen mit Wind und Gestein. Ihre eigenen Dorfbäume waren bereits stark beschädigt, somit konnten diese den Zweck zum Kampf nicht mehr erfüllen. Die anderen Bäume, welche von den ehemaligen Dorfbewohnern erweckt wurden, erstarrten, wechselten die Seiten, erstarrten, es war das reinste Chaos. Wurzeln schossen aus dem Boden und fesselten einige Dämonen an den Beinen, Tertius hatte sie emporschießen lassen und hinderte sie so am weiteren vordringen, zugleich präsentierte er Avis eine passende Zielscheibe, zumindest für einen kurzen Moment, ehe die Dämonen sich von den Wurzeln losrissen oder diese abbrannten. Einige Hexen hatten sich mit den Kindern in den hinteren Teil des Dorfes zurückgezogen, wo die Angreifer bisher nicht hatten vordringen können. In den Wald zu fliehen wäre eine schlechte Idee, es könnten weitere Dämonen oder Magier dort auf sie warten. So blieb ihnen nicht als die Hoffnung, dass sie das Dorf verteidigen, oder notfalls in einen anderen Wald flüchten könnten. Dennoch waren noch nicht alle Kinder so geübt im Teleportieren und die Jüngsten konnten es noch gar nicht. Währenddessen streckte ein Dämon die Hand aus, um erneut einen Hexer in Flammen aufgehen zu lassen. Der Schneesturm sammelte sich plötzlich vor diesem Hexer, die Flocken wurden dichter und Schneeflocke verfestigte sich gerade noch so vor seinem neuen Meister, als der Dämon diesen in Flammen aufgehen lassen wollte. Da Schneeflocke sich schützend vor ihn stellte, erfasste das schwarze Feuer ihn und nicht den Hexer. In Sekunden war er verbrannt und nur noch ein wenig Asche rieselte zu Boden. Seine Schwäche war das Feuer und Schneeflocke hatte das gewusst, dennoch hatte er seinen Meister beschützt. „Schneeflocke“, der Hexer war selbst geschockt, auch wenn er erst seit Kurzem diesen Geschaffenen hatte. Der Dämon lachte: „Was für ein Name? Da ist er wohl dahin geschmolzen, die Schneeflocke.“ Tertius drehte sich zu der Stimme des Dämons, als er den Spott vernahm und sah die Asche, welche mit schockiertem Blick vom Hexer angestarrt wurde. Jedoch besann sich dieser schnell und griff mit murmelnden Worten den Dämon an, welcher von einem starken Windstoß zurückgeworfen wurde: „Er wird sich nicht umsonst geopfert haben.“ Der Stich den Tertius im Herzen spürte, wurde nicht alleine durch den Verlust von Schneeflocke ausgelöst, war aber der Anfang dessen. All der Schmerz, der Kampf, der Tod, versetzten ihn zurück an diesen schrecklichen Tag, als er seine Eltern verlor. Trauer überkam ihn, er wollte keine weiteren Opfer. Wie aus Reflex griff er nach dem Ast, welcher um seine Hüften gelegt war und ließ ihn sich winden, wie eine Schlange. Der Ast formte sich zu seinem fast geraden Stab, den er mit der Spitze zu den Ascheüberresten schwang. Leise und unhörbar für die Nicht-Dämonischen sprach Tertius einige Worte, wie in Trance. Der Staub leuchtete erst grünlich auf, genauso wie seine Hand, wechselte dann aber ins Lila. Der Kampf um ihn herum tobte weiter, Avis ließ weitere Federn in seiner Hand erscheinen, schwang diese und erzeugte damit einen Windsturm, um die Angreifer von Tertius fern zu halten. Die Totenasche von Schneeflocke erhob sich, sowie Aschebestandteile von weiteren ehemaligen Bewohnern des Dorfes, flogen durch die Luft und schienen sich dort tanzend im Wind zu sammeln. Es war Brauch die verstorbenen Hexen, Hexer und Geschaffenen zu verbrennen und ihre Überreste vom Wind davon tragen zu lassen. In dem Moment als das Ansammeln stoppte, verdichtete es sich, so wie einst Schneeflocke sich aus den Flocken zusammengesetzt hatte. Ein aschgrauer Wolf erschien dort, seine Augen so grau, wie der Rauch des Feuers und sein Fell schien geradezu voll Asche zu Stauben. Er stand einfach nur da, von seinen Füßen hinauf bis zu seinen Ohrenspitzen entstand ein Aschesturm, welcher immer größer wurde, sich ausbreitete, die Feuer löschte, während er das ganze Dorf einhüllte und niemand mehr so recht etwas erkennen konnte. Man hörte Leute husten und Dämonen fluchen: „Was ist das?“ „Die Neuen sollen das abstellen.“ „Ich versuche es“, antwortete einer der Hexer, welcher inzwischen Satan diente. Es war schwer Totenasche oder Asche allgemein für Hexerei zu verwenden, sie hatte kein Leben mehr in sich und kaum brauchbare Naturmagie. Avis versuchte mit zwei Federn und leichten Windstößen, die er damit erzeugte, die Asche von Tertius fern zu halten. Das Leuchten hatte aufgehört, seitdem der aschgraue Wolf erschienen war. Mit seinem Blick und einer schützenden Hand knapp über den Augen, versuchte Tertius zu erkennen wo die Angreifer waren. „Rückzug“ rief jemand, die Stimme gehörte zu niemanden, den er kannte. Die Dämonen schafften es gerade so sich zu teleportieren, wobei die dunkle Magie dem Feuer überwiegte und sie fast schon mehr in schwarzem Rauch verschwanden, wie die Dunkelmagier. Der Sturm legte sich, die Asche rieselte zu Boden und färbte die Landschaft in ein bedrückendes Grau. Der Wolf lief auf Tertius zu, zog dabei alle Blicke der Anwesenden auf sich und hielt vor ihm an. Ohne zu zögern verneigte er sich vor Tertius: „Ich hoffe, Ihr seid zufrieden, Meister.“ „Gibst du mir ein bisschen von deinem Eisenkraut ab, Princeps?“, hackte Secundus nach, während er seine eigenen Vorräte prüfte. Princeps und Tertius saßen zusammen am Tisch bei ihm Zuhause. Es war schon mehr als eine Woche her, seit sich der Vorfall im Dorf der westlichen Hexer zugetragen hatte. Tertius hatte den beiden alles erzählt und sie hatten viel diskutiert, wie sie die Hexer und Hexen besser voreinander schützen könnten. „Sicher“, entgegnete Princeps und nahm noch einen Schluck aus seiner Tasse mit Kräutertee. Das Hexerdreieck wohnte gemeinsam im Wald Lafil, jeder hatte seinen eigenen Baum. Während Princeps und Secundus ganz wie die nördlichen Hexer in Baumhäusern wohnten, so hatte Tertius wie zuvor den Baum selbst bezogen und nur oberhalb es um einen Balkon erweitert. Allerdings hatte er inzwischen drei Stockwerke, statt nur zwei. Die drei Häuser waren jedoch wie in den Dörfern über Hängebrücken verbunden. Avis überflog den Wald, wobei er Ausschau nach Fremden hielt. Seit sie umgezogen waren, machte er öfter mal einen Rundflug, auch um die Umgebung besser kennen zu lernen. Der Geschaffene, der im Kampf von Tertius zum Leben erweckt wurde, saß draußen vor dem Baumhaus. Sein Name war nun Cinis* , ein sehr ruhiger Geselle. Avis hatte ihn noch nicht ein einziges Mal lächeln sehen. Vor Princeps Baum legte ein brauner Schakal Beete an. Sein Rücken war schwarz und einige weiße Flecken mischten sich dort hinein, zumindest soweit man das unter dem weißen Baumwollhemd erkennen konnte. Außerdem trug er eine braune Hose sowie braune Bänder, wie eine Art Schuh um die Füße gewickelt. „Hey Regulus* , soll ich dir zur Hand gehen?“, kam ein roter Fuchs durch die Luft geschlittert, als würde er auf Eis laufen. Dabei war er nicht mal einen Meter vom Boden entfernt. Sein rotes Fell wurde von der typischen Fuchszeichnung mit weißen Spitzen an Ohren und Schweif sowie weißer Brust und Händen unterbrochen. Auch er trug eine braune Hose, aber ein grünes Hemd, aus dem das weiße Brustfell oben herausragte. Der Schakal blickte auf und lächelte: „Schon gut, Natus* . Ich mach das.“ Im ersten Schritt hatte das Hexerdreieck für weitere Unterstützung gesorgt in Form von Geschaffenen. Regulus war Princeps’ Geschaffener, Natus war der von Secundus und Tertius hatte sich sogar noch einen Dritten dazu geholt, Lepus* . Schnell kam der schneeweiße Wolf hinter dem Baum hervor gerannt und sprang Natus regelrecht um. Sie landeten zusammen im Dreck und er kuschelte und schmiegte sich an Natus, als wäre er ein Stofftier: „Jetzt hab‘ ich dich.“ Lachend nickte er: „Ja, jetzt hast du mich erwischt. Du bist viel zu schnell für mich, Lepus.“ Natus konnte auch ganz schön schnell durch den Wind surfen, fast wie auf Wellen, aber Lepus konnte mindestens genauso schnell laufen, wie ein Dämon. Da war es schwierig ihm zu entwischen. Sein Fell war kuschelig weich, er trug eine hellbraune Hose, eine helle graue Weste und schwarze Schuhe. Kaum war Regulus mit den Beeten fertig, ließ er verschiedene Kräuter dort wachsen. Sie sprossen aus dem Boden heraus und wuchsen zu anständiger Größe heran. Zufrieden lächelte er: „Jetzt bin ich fertig.“ Er blickte zu den beiden am Boden und dann zu Cinis herüber, ehe er zu ihm ging und sich setzte. Auch Regulus war eher ruhig und zurückhaltend, aber lange nicht so, wie es Cinis war. Im Laufe des Tages wurde noch viel diskutiert in Secundus‘ Heim, ehe sie zu einer übereinstimmenden Lösung gekommen waren: Ein Regelwerk, dass sie den Maga Codex nannten. In diesem sollte alles definiert sein, was erlaubt war und was nicht. Zum Schutz ihres Volkes und der Geschaffenen, die draus resultierten. Maga Codex Der Maga Codex wurde vom Hexerdreieck beschlossen und wird von diesem gehütet. I. Grundregeln I.I. Beherrsche die Regeln der Hexenkunst. I.II. Sei immer ehrlich zu dir selbst. I.III. Lerne dein Leben lang. Sei immer neugierig auf Neues. I.IV. Finde dein inneres Gleichgewicht und lebe danach. I.V. Unterschätze nie die Kraft des Wortes. I.VI. Wende dein Wissen weise an. I.VII. Lerne dich zu konzentrieren. I.VIII. Lebe im Einklang mit der Natur. I.IX. Respektiere deine Umwelt. I.X. Achte auf deine Umwelt. I.XI. Ehre die Kräfte der Natur. I.XII. Nutze die Hexerei zur Verteidigung und zum Vergnügen, aber niemals um dich zu bereichern. I.XIII. Hexerei muss durch selbstständiges Lernen und Selbsterkenntnis erlernt werden. Lediglich die Grundsätze der Beschwörung dürfen gelehrt werden: Tierbeschwörungen, Pflanzenbeschwörungen und die Beschwörung von Gegenständen. I.XIV. Der Hexer/die Hexe ist für ihren Geschaffenen, egal welcher Art, verantwortlich und muss für dessen handeln geradestehen. II. Beschränkungen II.I. Umweltbeeinflussung und Landschaftsgestaltung ist nur im eigenen Reich oder Heim gestattet, sofern es keine Auswirkungen auf den Bereich außerhalb hat. II.II. Gewöhnliche, Hexer oder gar Magier zu erschaffen durch Hexerei ist nur mit Erlaubnis des Hexerdreiecks gestattet. III. Verbote III.I. Experimentieren mit größeren Zaubern ist verboten. III.II. Ein Zauber darf von höchstens fünf Hexern/Hexen gemeinsam ausgeführt werden. III.III. Umwelt- und Landschaftsbeeinflussung außerhalb der eigenen Grenzen ist untersagt. III.IV. Umweltkatastrophen dürfen nicht ausgelöst werden. III.V. Fabelwesen aus Legenden oder Geschichten dürfen nicht erschaffen oder beschworen werden. III.VI. Geschaffene dürfen nicht missbraucht, gedemütigt oder wie Sklaven behandelt werden. Egal ob Tier, Pflanze, Gewöhnlicher, Hexer oder gar Magier. III.VII. Flüche sind grundsätzlich verboten. IV. Bestrafung und Ausnahmen IV.I. Grundsätzlich entscheidet das Hexerdreieck jeden Fall auf Grund seiner Einzigartigkeit separat und verhängt die Strafe nach eigenen Ermessen. IV.II. In Ausnahmefällen kann ein Hexer oder eine Hexe eine Genehmigung für einzelne Verbote oder Einschränkungen bekommen. IV.III. Das Hexerdreieck kann je nach Härte des Verstoßes die Hexerei als Fähigkeit komplett oder teilweise blockieren. Vergnügt lag Spectio auf seinem Bett, blickte zur Decke und grinste in sich hinein: „Was für ein Glückstreffer.“ Während er sich um die Diener und ihre Aufträge gekümmert hatte, fragte er in seiner Freizeit die Hexer und Hexen aus, die nun dem Teufel dienten. Jeder konnte Hexerei lernen, niemand kannte bisher die wahren Grenzen der Hexerei. Er war völlig aus dem Häuschen, wie viel potenzial das hatte und sein verrückter Vater wollte unter Gewöhnlichen leben. Was für ein Idiot das doch war. Noch nie hatte er bereut sich Satan angeschlossen zu haben und nun war er geradezu überglücklich. So viel Macht, die damit in Verbindung stehen könnte. Nur die Anleitung von den neuen Dienern war etwas dürftig: Einklang mit der Natur, das Spüren was überall ist, Hexerei ist Naturmagie, sich drauf einlassen… Und dennoch konnte er nicht aufhören zu grinsen, wie sollte er so nur einschlafen. Wie er es befürchtete, bekam er kein Auge zu. Ständig drehte er sich im Bett und konnte nicht aufhören daran zu denken. Nach einigen Stunden umherwälzen stand er auf und verschwand in schwarzem Rauch in den tropischen Wald Contumax auf dem Kontinent Fidius. Dort war es angenehm warm, genau der richtige Ort für einen Viertelsalamander um Hexerei zu lernen. Er setzte sich auf den Boden zwischen Palmen, Mahagoni und Akazien, schloss die Augen und versuchte sich auf die Natur um sich herum zu konzentrieren. Sechs Monate vergingen, ehe Spectio die erste Hexerei hervorbrachte. Dann lernte er jedoch ungewöhnlich schnell, jeden Tag mehr und mehr, wobei er alles aufschrieb. Morgens kümmerte er sich darum die Diener los zu schicken, nach Bedarf neue Aufgabengebiete zu vergeben, wie wenn jemand doch nicht so gut daran war weiße Magier zu töten. Und mittags begann er zu üben und sich mit den anderen Hexen und Hexern auszutauschen. Großes Thema war der Maga Codex bei ihnen und das Hexerdreieck. Spectio lachte nur darüber, als wenn er sich von ein paar Möchtegern-Herrschern etwas vorschreiben lassen würde. Soweit käme es noch. Wenn er erst einmal mächtig genug war, würde er sie einfach aus dem Weg räumen. Es waren in der Zwischenzeit auch weitere Diener dazu gekommen, unter anderem Hexer und Hexen, aber nicht ausschließlich. Dennoch gab es auch viele Verluste, denn es wurde nun nicht nur gegen die weißen Magier und Gabriels Lichtwesen gekämpft, sondern auch noch gegen vier Hexervölker, jedes in einer anderen Windrichtung. Tertius hatte inzwischen die nördlichen, östlichen und südlichen Hexer und Hexen kennen gelernt. Das Hexerdreieck versuchte mit verschiedenen Schutzzaubern den Schutz zu gewährleisten, aber nicht überall wurden sie freundlich empfangen. Hier und da gab es Hexen und Hexer, die so gar nicht mit dem Maga Codex einverstanden waren, während es von der Allgemeinheit für richtig eingestuft wurde. Tertius‘ Familie, wie er sie bezeichnete, hatte weiteren Zuwachs bekommen Gemmeus* , ein Geschaffener aus Edelsteinen. - Sein Fell war dunkelgrün, er trug eine beige-farbene Baumwollhose und schwarze Schuhe. Avis achtete gut auf seine drei jüngeren Brüder und hatte in Tertius‘ Abwesenheit die Verantwortung. Während Secundus seinen Geschaffenen ungern alleine ließ. Er sah Natus als seinen Sohn und dieser ihn als Vater an. Für Princeps war Regulus so etwas wie ein Freund, der ihn mit guten Kräutern und Pflanzen aller Art versorgen konnte. Zudem hatte das Hexerdreieck festgestellt, dass sich die Farbe der Hexerei individuell veränderte, wenn man einen bestimmten Grad überschritt. Princeps‘ Hexerei war inzwischen ausschließlich bronze-farbend, die von Secundus hatte einen weichen Blauton und bei Tertius war sie lila. Spectio hatte auch an diesem Tag wieder alle Diener mit Aufträgen losgeschickt und blickte zu Satan, um vielleicht einschätzen zu können, ob er zufrieden war. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, allerdings spürte man schnell, wenn er unzufrieden war. So deutete Spectio alles andere als in Ordnung. Dennoch beschäftigte ihn auch noch eine weitere Sache und es war an der Zeit Satan endlich danach zu fragen: „Mein Fürst, erlaubt mir eine strategische Frage.“ „Sprich“, entgegnete der Fürst der Finsternis knapp. Da Spectio ihn nicht verärgern wollte, wählte er seine Worte mit Bedacht: „Mein Fürst, Ihr habt wirklich viele Diener, darunter vor allem dunkle Magier und Dämonen, die Hexer und Hexen sind eine perfekte Ergänzung und dennoch… würde die Eroberung der Welt nicht ein wenig beschleunigt werden, wenn Ihr mit Eurer grenzenlosen Macht, Euch selbst an diesem Kampf beteiligt?“ Wütend schabte Satan mit den Krallen über die Thronlehnen, Spectio hielt regelrecht die Luft an für einen Moment. „Ich kann nicht“, begann Satan und Spectio entspannte sich wieder etwas. Er hatte den Schritt gewagt, jetzt würde er nicht zurückschrecken: „Bitte erklärt es mir, mein Fürst. Als Euer Anwalt sollte ich über solche Dinge bescheid wissen. Nur so kann ich Euch im vollen Umfang beraten.“ Ein Schnauben war von Satan zu vernehmen: „Diese ungehorsamen Dämonen sind schuld. Ich musste sie Zwangsverpflichten und habe diesen Teil meiner Kraft eingebüßt. Selbst den Ausgang in der Hölle kann ich nicht nehmen und mich hinaus teleportieren erst recht nicht.“ Es gab also einen Ausgang aus der Hölle, mit dieser Information hatte Spectio nicht gerechnet. Damit würde er sich später noch beschäftigen, man konnte ja nie wissen wozu das noch gut sein könnte: „Mein Fürst, ihr könnt nicht aus eigener Kraft hinaus, aber vielleicht gibt es mit Hexerei einen Weg. Niemand kennt die Grenzen, ich werde mich sogleich mit Euren Hexen und Hexern an die Arbeit machen eine Lösung zu finden.“ Alle zwei bis drei Tage versuchte Spectio eine neue Version der Beschwörung, aber ohne Erfolg. Die vier Elemente reichten nicht aus, waren aber für die Hexerei unumgänglich. Satan war der Herr der Hölle, also nahmen sie die Seelen symbolisch als Element auf und wieder ein Fehlschlag. Dunkle Magie in Form eines Dolches packte Spectio in die Mitte, dabei verbanden sie die fünf Elemente, wie einen Stern. Es wurde immer vom ersten Element zum dritten, dann zum fünften, zum zweiten und zum Schluss zum vierten Element am Rand des Schutzkreises verbunden. „Wo ist der letzte?“, fragte Spectio ungeduldig die beiden Hexer, die bereits mit ihm dabei waren die Beschwörung vorzubereiten. Sie waren auf einer freien Grasfläche in Portunus, gar nicht so weit von der Stadt Rudis entfernt. Spectio hatte diesen Ort absichtlich gewählt, da es dort sehr mächtige weiße Magier geben sollte. Es war am besten den stärksten Feind zuerst auszulöschen. Vier Gewöhnliche saßen gefesselt und geknebelt ein paar Meter entfernt vom Schutzkreis. Ängstlich blickten sie zu dem Geschehen. Ein Hexer und eine Hexe tauchten mit einem weiteren Gewöhnlichen auf, auch er war gefesselt und geknebelt. Spectio blickte zu ihnen: „Na endlich.“ Das ersparte den anderen beiden Hexern die Antwort. Der Schutzkreis und der Stern waren gezogen, alles war soweit vorbereitet. Ohne weitere Verzögerung packte Spectio den neuen Gefesselten und zerrte ihn am Arm zu einer Spitze des Sternes: „Eine Seele für den Fürsten der Finsternis…“ Er ließ den Gefangenen in Flammen aufgehen, bis nichts als Asche von ihm blieb. Dabei hielt er ihn an Ort und Stelle und ließ ihn lediglich zu Boden sinken. Direkt ging er zu den übrigen Gewöhnlichen, zerrte einen hoch, der sich nun stärker wehrte. Ein weiterer Hexer half Spectio ihn zu seinem Platz, dem dritten Element dem Feuer zu führen. An dieser Spitze brannte eine kleine Kerze. Auch diesen armen Mann entzündete Spectio: „Eine Seele für das Feuer…“ Als nächstes folgte die Luft, dann das Wasser und zum Schluss die Erde. Es war immer der gleiche Ablauf, bei der Luft lag eine Feder, beim Wasser gab es eine Tonschüssel entsprechend gefüllt und für die Erde hatte man einen Stein platziert. „Satan, Fürst der Finsternis, Herr der Hölle, wir rufen dich. Tor zur Hölle öffne dich, lass deinen Herren passieren…“, setzte Spectio fort, während er zurück zur Spitze mit dem Element der Seele lief: „Lass die Finsternis sich erheben!“ Während der ganzen Zeit hatten Spectios Hände grünlich geleuchtet, als er jedoch den letzten Satz zu Ende brachte, wechselten sie in ein dunkles Rot und der Stern begann genauso rot zu leuchten. Vom Dolch ausgehend, breitete sich die Finsternis in dem Kreis aus, ein regelrechtes schwarzes Loch bildete sich, aus diesem Satan kurz darauf empor geflogen kam. Daraufhin erlosch der Kreis und alles wirkte normal. Freudig lachte Spectio auf: „Da ist er, unser Fürst der Finsternis. Ich bin ein Genie.“ Der Fürst der Finsternis landete vor Spectio und fand tatsächlich lobende Worte für ihn: „Gut gemacht.“ Grinsend zeigte Spectio in die Richtung, in der die Stadt lag: „Dort müssen wir hin, aber Ihr braucht noch mehr Schrecken. Es fehlt etwas. Könnt Ihr eure Macht demonstrieren und vielleicht die Welt in Finsternis hüllen, Lavaflüsse, Erdbeben, zeigt Ihnen das es keinen Sinn macht sich Euch zu widersetzen.“ Die Hände seitlich ausgestreckt, konzentrierte sich Satan. Die Erde begann zu beben, Flüsse färbten sich blutrot, der Himmel verdunkelte sich und Asche regnete hinab. „Perfekt, mein Fürst, Eure Macht ist grenzenlos“, befeuerte Spectio ihn noch mehr, „Verschwinden wir in die Stadt und vernichten Eure Feinde.“ „Bring mich hin“, befahl Satan ihm und Spectio verschwand mit den anderen Hexern, der Hexe und dem Fürsten in die Stadt. Die Bewohner dort waren bereits ziemlich panisch, verunsichert und hofften regelrecht auf die Unterstützung der Lichtmagier, auch wenn diese immer mehr sich aus Städten und Dörfern zurückziehen mussten. Sie lockten die Dunkelmagier an. Satan erhob sich erneut in die Lüfte, flog weit über den Häuserdächern: „Ich bin euer neuer Herrscher, mir gehört ab sofort diese Welt, dem Fürsten der Finsternis.“ Spectio lachte, das war einfach zu gut. Jetzt mussten nur noch die Lichtmagier aus ihrem Versteck kriechen. Statt der Lichtmagier erschien Gabriel aus grellem Licht einige Meter vor Satan in der Luft: „Hör auf diese armen Leute zu quälen, Satan. Du hast dein eigenes Reich, kehre dorthin zurück.“ „Ich lasse mir von dir gar nichts sagen, Gabriel“, schnaubte Satan ihn wütend an und schoss sogleich mit einer riesigen schwarzen Magiekugel auf Gabriel. Sie war etwa halb so groß, wie er selbst. Gabriel setzte ihm eine weiße Magiekugel in gleicher Größe entgegen, die Kugeln trafen aufeinander und es gab eine Explosion. Die Druckwelle drängte beide in der Luft zurück, was sie nicht davon abhielt erneut anzugreifen. Schwarze Flammen schossen wie Speere auf Gabriel, denen er gerade so auswich, während Gabriel mit Blitzen zurückschoss, die durch den Himmel zuckten. Auch Satan entkam ihnen nur knapp. Es war nicht schwierig zu erkennen, dass die beiden gleichstark waren und keiner sich so einfach einen Vorteil erkämpfen könnte. Entfernt von Spectio und den anderen Hexern, war ein Lichtmagier auf ein Häuserdach geklettert, ein hellgrauer Krähenkopf zierte sein linke Gesichtshälfte auf weißem Fell, fast wie eine Tätowierung. Als Satan erneut einem Angriff von Gabriel auswich, schickte der Magier eine große Lichtmagiekrähe zu ihm. Zu spät bemerkte er den Angriff und wurde getroffen. Das Licht durchdrang Satans Körper, fraß sich durch ihn wie Feuer. Er schrie auf, wütend und voller Schmerz. Gabriel schickte noch eine große weiße Magiekugel hinterher, ein Knall folgte und wie in einer Explosion mischten sich Finsternis und Licht, ehe von Satan keine Spur mehr am Himmel zu vernehmen war. Lächelnd blickte Gabriel zu dem Krähenmagier: „Habt dank für die Unterstützung.“ Dann verschwand er in grellem Licht. Der Himmel wurde wieder heller und alles normalisierte sich. Fluchend verschwand auch Spectio in schwarzem Rauch. War, dass das Ende vom Fürsten der Finsternis? Währenddessen blickte das Hexerdreieck verwundert in den Himmel. „Es hat aufgehört“, sprach Secundus nur das aus, was sie alle sahen. Der Ascheregen war fort, der Himmel klar. Als wäre das alles gerade überhaupt nicht passiert, kitzelte kichernd eine weiße Wölfin Natus ab: „Gibst du auf?“ Neidisch blickte Lepus zu ihm: „Ich will auch, das ist meine kleine Schwester.“

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