Die Prophezeiung des Lichts - Teil 1 - Himmel und Hölle
Kapitel 7 - Das Hexerdreieck Im Dorf der westlichen Hexer und Hexen hatte sich die Aufregung um Certus gelegt. Princeps und Secundus waren noch einige Zeit bei ihm geblieben, hatten sichergestellt, dass es ihm wirklich gut ging, sowie sich über mögliche Feinde und dessen Motive unterhalten. „Die Liste ist lang“, stellte Secundus fest als sie zusammen über den Balkon Certus‘ Haus verließen. Für Hexer und Hexen war es von Vorteil lesen und schreiben zu können, während in vielen normalen Dörfern und Städten die Zahl der Analphabeten überwiegte. Jene, die bereits im Kindesalter mit der Hexerei in Berührung kamen, lernten relativ zügig auch das Lesen und Schreiben von gebildeten, ehemals höherrangingen Personen. Dennoch war es für die Älteren oft schwierig sich dessen anzueignen und es gab immer noch einige Analphabeten unter ihnen. Princeps nahm ihm die Liste ab und warf selbst noch einmal einen Blick darüber: „Das Motiv ist durchgängig, dass sie seinen Posten begehren. Die alle zu überprüfen, wird sicher einige Zeit dauern.“ „Sieh mal“, deutete Secundus nach unten, während er auf der Hängebrücke stehen blieb, die sie gerade überquerten, „Da ist er wieder.“ Verwundert folgte Princeps seinem Blick zwischen den Bäumen zum schneebedeckten Grund: „Wir sollten noch mal mit ihm sprechen.“ Die beiden hatten Saltus entdeckt, der scheinbar im Schnee auf jemanden wartete, dabei hatte er eine zusammengefaltete Decke in den Armen. Das Rufen eines Falken kündigte Avis Ankunft an, der zwischen den Bäumen elegant entlang flog, ehe er kurz vor Saltus sich zurück verwandelte und mit den Füßen im Schnee versank. Schnell warf Saltus ihm die Decke um und rubbelte ihn warm. Zwar verwandelte sich Avis samt Kleidung hin und her, jedoch half diese ihm nicht in der Falkengestalt. Es war, als hätte sie sich komplett aufgelöst. Die beiden schienen sich über etwas zu unterhalten, jedoch konnten die beiden von ihrer Position aus nichts hören. Saltus führte dann seinen Geschaffenen zurück zu ihrem Haus, in welchem sie verschwanden. „Die Liste ist wirklich lang“, begann Secundus und verkündete damit nur das, was sie beide schon wussten, „Wie wäre es mit etwas Unterstützung?“ „Und da dachtest du an den Lebensretter“, warf Princeps ein, ehe Secundus sich bemühen musste, ihn noch weiter in die Richtung zu drängen, „Er fällt hier echt aus dem Rahmen und jemanden mit seinen Fähigkeiten könnten wir gebrauchen. Falls es sich nicht nur um reines Glück handelte.“ Sofort lief Secundus eiligen Schrittes über die Hängebrücke, um sich auf dem Weg zu Saltus Haus zu machen: „Worauf warten wir dann noch?“ „Seit wann hast du es so eilig?“, hinterfragte Princeps und lies seinen Blick noch einmal über das Dorf schweifen, „Ungewöhnlich.“ Dabei dachte er an die Behausungen der westlichen Hexer und Hexen, denn bei ihnen im Norden lebten sie nicht in den Bäumen, sondern in Baumhäusern auf den Bäumen. Die Hängebrücken nutzen sie allerdings im gleichen Maße und einige Holzbauten waren auch am Boden errichtet worden. Auf die Idee in einem Baum zu hausen, wäre er nie gekommen. Schneeflocke saß mitten im Schnee und genoss die Kälte um sich herum, während sein Meister Proditor aufgebracht auf dem Schnee hin und her lief: „Diese verdammten Nordhexer! Können die ihren Aufpasserdrang nicht woanders ausleben? Ich könnte Herrscher sein! Ich könnte das westliche Volk stark machen! Wir wären die mächtigsten Hexer und Hexen weit und breit. Aber nein! Da kommen diese zwei Weltverbesserer daher.“ „Sie haben ihn am Leben erhalten, aber Saltus hat den Fluch gebrochen“, erinnerte Schneeflocke ihn, der die Information im Dorf erhalten hatte. Proditor wollte eigentlich in dieser Zeit bereits das nächste Ritual vorbereiten, um Zweifler und Ungehorsame auszurotten. Stattdessen kam Schneeflocke mit der Nachricht zurück, dass Certus überlebt hatte. Aufgebracht durchwühlte Proditor seinen Beutel mit den verschiedenen Zutaten: „So einfach gebe ich nicht auf.“ Die Ohren gesenkt, schaute Schneeflocke ihm zu, formte einen Schneeball mit seinen Händen und leckte daran, als wäre es eine leckere Eiskugel. Ein knackender Ast ließ Schneeflocke aufschrecken, ein Hexer oder eine Hexe wäre niemals so ungeschickt. Auch Proditor blickte auf und schaute sich um: „Ist da wer?“ Hinter ihm tauchte aus schwarzem Rauch ein Diener des Fürsten auf, er versuchte direkt Proditor mit einem Dolch zu erstechen. Dieser wich gerade so noch aus und fiel dabei in den Schnee. Ein weiterer Diener tauchte aus schwarzem Rauch auf, doch Schneeflocke war inzwischen aufgesprungen und löste sich in viele kleine Schneeflocken auf, dabei wirbelten diese wild herum. Aus diesem Wirbel aus Schneeflocken, wurde schnell ein gewaltiger Schneesturm, welcher die beiden Diener von Proditor wegschleuderte. Kurz darauf zog der Sturm sich zusammen, die Schneeflocken wirbelten enger und enger umher, ehe er wieder seine normale Gestalt annahm: „Meister, seid ihr verletzt?“ Verärgert stand Proditor auf und klopfte den Schnee von sich: „Sieh mich an, jetzt bin ich ganz nass.“ Sein Blick wanderte zu den beiden Dienern herüber, einem dunklen Wolf und einem bräunlichen Schakal, die beide ebenfalls nun voller Schnee und Nässe waren. Auch sie hatten sich wiederaufgerichtet und schienen noch etwas verwundert über den plötzlichen Schneesturm, der sie mit aller Gewalt getroffen hatte. Proditor ließ den beiden keine Verschnaufpause und streckte die Hände zu einem Baum nach dem anderen aus, wobei seine Hände grünlich leuchteten. Die Äste der Bäume begannen sich zu bewegen und nach den beiden Angreifern zu schlagen, während die Bäume, welche weiter weg standen von ihnen, sich entwurzelten und mit ihren Wurzeln wie Kraken sich auf sie zu bewegten. „Was ist das denn?“, schrie der Schakal erschrocken und wich weiter zurück. Statt sich zurück drängen zu lassen, ließ der Wolf ein Schwert erscheinen und schlug wie wild auf die Äste ein. Die Bäume waren jedoch um einiges Kräftiger, trafen ihn mit einem Ast und schleuderten ihn ein Stück durch die Luft, dass er erneut im Schnee landete. Verunsichert verschwand der Schakal in schwarzem Rauch. Immer noch verärgert blickte Proditor zu dem verbliebenen Wolf herüber: „Was wollt ihr von mir?“ Dieser rappelte sich erneut auf, taumelte etwas dabei und hielt sich schmerzend die Seite: „Du hast dich verpflichtet Satan zu dienen. Er duldet keinen Ungehorsam. Du wirst sterben. Wir kommen wieder.“ Dann ging er auch in Rauch auf und war verschwunden. Schneeflocke ging zwischen den sich noch immer bewegenden Bäumen hindurch und blickte sich um: „Sie scheinen wirklich weg zu sein, Meister. Was sollen wir jetzt tun?“ Mit einigen Handbewegungen brachte er einen Baum nach dem anderen wieder zum Stillstehen, ihre Wurzeln gruben sich wieder in den gefrorenen Boden bis sie verharrten, als wäre nie etwas geschehen. Dann holte Proditor einige Kräuter aus seinem Beutel: Feuerwurzel, Klatschmohn und Wacholder. Welche er im Kreis um sich herum verteilte: „Geist des Feuers, erinnere dich! Geist der Flammen, erinnere dich! Trockne mich, wärme mich! Erhebe dich! Verdunste das Wasser! Verdränge die Kälte! Erhebe dich! Geist des Feuers, du bist beschworen!“ Die Kräuter um ihn herum begannen in Flammen aufzugehen, flogen empor und umkreisten ihn, wie im wilden Tanz. Die Nässe aus seinen Kleidern und seinem Fell stieg empor und verdunstete in der Wärme, die das Feuer um ihn herum erzeugte. Als Proditor gänzlich getrocknet und ihm wieder wollig warm war, erloschen die Flammen und nur kleine Aschereste rieselten in den Schnee. „Meister?“, hackte Schneeflocke noch einmal nach, „Was…?“ „Ja, ja, was sollen wir tun?“, unterbrach Proditor ihn und hob seinen Beutel auf, der noch im Schnee lag, „Es war doch klar, dass der sogenannte Fürst der Finsternis nicht Däumchen drehen würde. Soll er doch seine unfähigen Dunkelmagier schicken. Ich bin ein Hexer und ihnen in jeglicher Hinsicht überlegen. Viel wichtiger ist jetzt Certus los zu werden.“ Überrascht über den Besuch hatte Saltus die beiden nördlichen Hexer in seinem Heim Willkommen geheißen und saß mit den beiden nun am Tisch bei einer Tasse Tee. Nach etwas belanglosem Smalltalk über Wind und Wetter, Lebensweise und Wohlbefinden, kam Secundus nun zur Sache: „Das war wirklich beeindruckend, wie Ihr den Fluch gebrochen habt. Hattet Ihr damit schon öfter Erfahrungen gemacht?“ Saltus nippte an seiner Tasse Tee: „Nein, bisher ist hier so etwas nie vorgekommen. Es gab ein paar Streitigkeiten wegen der Herrscherposition, aber ansonsten war alles friedlich.“ Während Secundus mit Saltus sprach, hatte Princeps seinen Geschaffenen Avis gemustert. Avis hatte sich bisher aus dem Gespräch rausgehalten und saß auf einem Stuhl etwas abseits vom Tisch. Er lauschte aber aufmerksam und fand das Saltus sich wirklich für den Posten im Hexerdreieck mehr interessieren sollte. Es wäre das Richtige, damit nicht jeder tun konnte, was er wollte. Princeps‘ Blick ging nun zu Saltus, wobei er doch einige Fragen hatte: „Certus sagte uns, dass Ihr so gar kein Interesse am Herrschertitel hättet und eher nur für euch lebt. Hat das Gründe? Woher habt Ihr eure Kenntnisse? Wie schätzt ihr eure Fähigkeiten selbst ein?“ „Wird das jetzt ein Verhör?“ scherzte Saltus und musste dabei ein wenig lachen, „Warum sollte man Herrscher werden wollen? Das bringt nur viel Arbeit und Verantwortung sowie Neid. Ich lebe lieber für mich, zusammen mit Avis. Ich kann jeden Tag selbst entscheiden, was ich tue und was nicht und ob ich bleibe oder gehe. Es gibt nichts, was mich am Herrscherdasein reizt. Was die anderen Fragen angeht… ich habe sehr früh meine Eltern verloren, bin alleine im Wald umhergeirrt und habe mit der Zeit gelernt mir die Magie der Natur zum Nutzen zu machen. Einige Zeit nachdem ich Avis erschaffen hatte, wagten wir den Weg aus dem Wald und trafen hier auf einen der westlichen Hexer. Ich wollte mehr lernen und es versprach mehr Schutz, also blieb ich hier. Meine Fähigkeiten sind ganz gut, denke ich. Ich messe mich nicht mit anderen, es ist viel spannender sich selbst weiterzuentwickeln.“ Secundus lächelte über seine Antworten: „Ich hingegen wollte anfangs schon Herrscher bei den nördlichen Hexern werden und wäre es vermutlich sogar geworden, bis Princeps auf mich zu kam und mir von seiner Idee des Hexerdreiecks erzählte. Sicherlich ist so eine Position viel Verantwortung und Arbeit, vielleicht sogar mit etwas Neid verbunden, aber wir könnten mit den richtigen Grundsätzen schlimmeres verhindern. Das heute mit Certus hätte ganz anders ausgehen können.“ „Ihr seid nicht wirklich hier, um mich zu fragen da mit zu machen oder? Wenn nämlich ja, dann muss ich euch leider enttäuschen. Kein Interesse“, entgegnete Saltus freundlich, aber deutlich. Princeps ließ den Blick über die Inneneinrichtung schweifen, er versuchte so viele Eindrücke wie möglich zu sammeln, um sich ein besseres Bild über ihn und seine Einstellung zu machen: „Sagen wir es so, Ihr seid in eine engere Auswahl dafür gekommen. Gerade ist aber viel wichtiger den Verursacher des Fluches zu finden und zu stoppen, bevor vielleicht noch mehr passiert. Ihr kennt euch hier gut aus, kennt die Bewohner und habt den Fluch gebrochen. Eure Unterstützung wäre daher eine Bereicherung.“ Avis meldete sich nun auch zu Wort: „Ich finde, wir sollten helfen, Saltus. Es wäre das Richtige.“ Seufzend gab Saltus nach, er wusste ja selbst, dass es das Richtige wäre: „In Ordnung, ich helfe euch, aber ich mache nicht bei eurem Hexerdreieck mit. Damit das klar ist.“ Secundus nickte lächelnd: „Wir danken euch und Ihr könnt es euch immer noch anders überlegen. Ihr steht immer noch in der engeren Auswahl. Vergesst das nicht.“ Kopfschüttelnd kam Saltus lieber wieder zu ihrem eigentlichen Vorhaben: „Wie wollen wir denn nun den Auslöser des Fluches finden?“ Erneut bebte die Hölle und das wütende Gebrüll von Satan war bis in den Turm zu hören. Spectio war eigentlich gerade dabei gewesen den Teppich weg zu bringen und sein Arbeitszimmer einzurichten, als er Satans Gebrüll wahrnahm: „Wie könnt Ihr es wagen!?“ Überrascht Satan schon wieder so wütend zu erleben, ließ er den Teppich einfach wieder zu Boden fallen und lief die Treppen des Turmes hinab: „Was ist denn nun schon wieder passiert?“ Man hörte, wie etwas im Thronsaal gegen die Wand knallte. Spectio atmete einmal tief durch, als Anwalt des Teufels musste er auch solchen Launen standhalten, dann ging er in den Thronsaal und verbeugte sich kurz: „Mein Fürst, was bringt euch so zum Toben? Soll ich mich der Angelegenheit annehmen?“ Ein wütendes Schnauben war aus der Dunkelheit zu vernehmen: „Sie verspotten mich, kümmere dich um sie.“ Der eine Diener lag bereits am Boden, vermutlich war er gegen die Wand geworfen worden, während der andere Diener zitternd immer noch niederkniete und sich nicht vom Fleck bewegte. Vermutlich war er starr vor Angst, denn auch kein weiteres Wort folgte von ihm. Spectio nickte zustimmend: „Natürlich mein Fürst.“ Er ging dann zu dem noch kniendem Diener: „Sprich, wie könnt Ihr es wagen euren Fürsten so zu verärgern?“ „Es… es war keine Absicht… der neue Diener, er… er ist anders. Die Bäume haben uns angegriffen“, führte der Diener mit zittriger Stimme aus. Man hörte ein Schaben auf Gestein aus der Finsternis, dennoch überließ der Fürst das ganz Spectio. Nachdenklich musterte Spectio den Diener: „Beschreibe genauer, damit ich einschätzen kann, ob du die Wahrheit sagst.“ Obwohl er sich nicht vorstellen konnte, dass man so etwas Absurdes sich ausdenken würde. Der Diener erzählte nervös, wie der Kampf gegen Perniger abgelaufen war. Spectio hörte seinen Schilderungen aufmerksam zu: „Sehr interessant, eine neue Spezies vermute ich mal. Such dir zwei neue Diener und finde mehr über Perniger heraus. Wenn möglich bringt ihn lebendig hier her. Wir müssen herausfinden mit was für Kräften wir es zu tun haben. Vielleicht können wir Sie uns zu nutzen machen und mächtigere neue Diener anwerben.“ Dann wand er sich an Satan: „Mein Fürst, bitte teilt ihm den aktuellen Standort von Proditor mit. Falls er erneut versagt, werde ich mich persönlich um seine Bestrafung kümmern.“ Schneeflocke lief zwischen den schneebedeckten Bäumen hin und her. Während sein Meister so gar keine Bedenken wegen der Diener des Fürsten der Finsternis hatte, machte er sich sehr wohl sorgen. „Hör endlich auf hin und her zu laufen. Das macht einen ja verrückt“, forderte ihn Proditor auf, der bereits eine Fläche vom Schnee befreit hatte, einen Schutzkreis gezogen und ein Feuer in der Mitte entzündet hatte, „Dieses Mal wird Certus sterben. Weder die nördlichen Hexer noch Saltus werden sich da wieder einmischen. Der Fluch wird viel stärker werden, so einfach lasse ich mir meinen Plan nicht kaputt machen.“ Er verbrannte wieder einiger Kräuter, darunter blauer Eisenhut, Herbstzeitlose und Fingerhut, während er den Zauber sprach: „Certus soll schreien auf seinem Throne, taumeln aus seinem Schlaf, in den Palast des Todes einkehren, zittern vor Furcht und Hass, die dunkle Magie spüren, ganze sechzig Mal, bewaffnet mit Flammen, sie den Tod bringen. So sei es! So sei es!“ Die Flammen wurden erneut schwarz, loderten höher und erloschen. „Es ist schon spät. Wir werden die Nacht bei Certus verbringen und morgen dann beginnen die einzelnen Hexer und Hexen genauer in Augenschein zu nehmen. Vielen Dank schon einmal für die Hilfe, Saltus“, beendete Secundus die Diskussion über die beste Vorgehensweise, um den Verantwortlichen für den Fluch zu finden und stand auf. Princeps tat es ihm gleich und nickte das zustimmend ab. Ehe Saltus die beiden verabschieden konnte, ertönte ein lauter Schmerzensschrei. Princeps und Secundus stürmten direkt nach draußen, während Saltus die Treppe nach oben nahm und von dort nach draußen auf den Balkon. Die Tür zu Certus’ Haus stand offen und die meisten Hexer und Hexen blicken auch in diese Richtung. Saltus rannte über die Hängebrücken dorthin: „Das kann doch nicht sein…“ Die beiden nördlichen Hexer verschwanden in einem kleinen Wirbelsturm aus Blättern und tauchten direkt bei Certus‘ Haus auf. Auch dieses Mal war der Hexer vom Nachbarhaus zuerst dort gewesen und versuchte Certus zu helfen: „Bitte Certus, sag doch was ich tun kann?“ Der Herrscher lag am Boden, krümmte sich vor Schmerzen und schrie ein weiteres Mal auf. Princeps eilte zu ihm und schob den anderen Hexer beiseite. Mit einigen Handbewegungen über Certus‘ Körper versuchte er festzustellen, was ihm fehlte: „Ein neuer Fluch, er schreitet langsamer voran, fühlt sich aber stärker als der letzte an.“ „Wie viel Zeit haben wir?“ hackte Secundus nach und blickte sich nach allen Zutaten und Utensilien um, die ihnen in diesem Haus zur Verfügung standen. „Vielleicht drei oder vier Stunden, eher weniger“, entgegnete Princeps, während er weiter den sich krümmenden Herrscher mit seinen Händen abtastete, sie leuchteten dabei grünlich. Saltus kam dazu gehastet: „Wieder ein Fluch?“ Secundus nickte: „Wir haben etwas mehr Zeit, als beim letzten Mal. Glaubt ihr mit euerem Zauber funktioniert das erneut?“ Unschlüssig zuckte Saltus mit den Schultern: „Ich versuche es, dann wissen wir mehr.“ Er holte ein paar Jute-Schnüre aus der Hosentasche und begann mit dem Bannzauber, wie beim letzten Mal vorzugehen. Die Schnüre brannten wieder ab, während Saltus seinen Zauber sprach, allerdings blieb der gewünschte Effekt aus. Stattdessen schrie Certus nochmals laut auf, als hätte es das ganze nur noch verstärkt. Princeps erhob sich und blickte zu Secundus: „Versuchen wir zu dritt einen Bannzauber dagegen zu wirken, damit erhöhen wir die Erfolgschance um einiges.“ „Was für einen Zauber wollt ihr anwenden?“ hackte Saltus nach, während sein Blick zu dem am bodenliegenden Herrscher ging. Wer konnte schon sagen, was er gerade alles durchmachte. Princeps nahm sich ein paar Kerzen und platzierte sie im Kreis, während Secundus die Kräutersammlung durch ging, was alles davon zu gebrauchen war: „Erst mal müssen wir sehen, was wir zur Verfügung haben. Hast du zufällig etwas Gundermann zur Hand?“ „Sicher“, erwiderte Saltus und machte sich gleich auf den Weg, „Ich hole es.“ Während Saltus zu seinem Haus zurück eilte, machte sich Secundus daran die einzelnen Kräuter bereit zu legen, die er außerdem brauchte. Erneut hatten sich viele Hexer und Hexen ums Haus versammelt, um einen Blick zu erhaschen. Man spürte aber auch die zunehmende Verunsicherung, denn zuvor war niemals so etwas passiert und nun schon zweimal so kurz nacheinander. Princeps zog um die Kerzen noch einen Kreis mit dem Fuß, abgesehen von dem Getuschel der anderen Hexer und Hexen war es ruhig. Saltus musste sich den Weg durch die anderen bahnen: „Entschuldigung, darf ich mal?“ Zurück im Haus, reichte er Secundus den Gundermann, der direkt damit begann die Kräuter zu zerkleinern. Interessiert blickte Saltus zu dem Schutzkreis mit den Kerzen, zählte sie durch und hatte bereits erwartet, dass man sie durch drei Teilen könnte es waren genau 12 Stück -. Kaum waren alle Kräuter zerkleinert, begann Secundus sie im Kreis zu verteilen, überall um Certus herum. „Stell dich dort hin“, wies Princeps Saltus an, welcher sich am Eingang positionierte, am Rand des Schutzkreises. Princeps nahm ihm schräg gegenüber Position ein und Secundus den letzten freien Platz, um das Dreieck zu vollenden. „Ich beginne immer, dann spricht Secundus mir nach und dann ihr, Saltus“, erklärte Princeps knapp, beide nickten ihm zu. „Wer auch immer Certus schaden möchte und mit diesem Fluch bedacht…“ begann Princeps den Zauber zu sprechen. Wie besprochen begann erst Secundus nachzusprechen und danach Saltus, ehe Princeps fortsetzte: „Soll wissen, dass er sich selber schadet…“ So fuhren sie mit dem Zauber fort, während sie sprachen, begannen die Kräuter sich aufzulösen und als grünlicher Nebel sich über Certus zu legen: „Mit der Kraft der Dreieinigkeit rufen wir die Naturmächte… Darum gib uns, Erde, die Kraft der inneren Stärke für Certus… Darum gib uns, Luft, die Kraft der Leichtigkeit für Certus… Darum gib uns, Wasser, Erneuerung und Reinigung für Certus… Darum gib uns, Feuer, Wärme für Certus… Die vier Elemente vereint, den Fluch gebannt auf Ewig… Dies ist unser Wille, also geschehe es!“ Nachdem Saltus die letzten Worte ebenso ausgeführt hatte, wie die anderen zuvor, waren sämtliche Kräuter aufgelöst, die Kerzen erloschen nacheinander. In dem grünlichen Nebel, direkt aus Certus Körper heraus, stieg eine schwarze Aura empor und wurde von dem Nebel verschluckt, die sich gegenseitig auflösten. Certus‘ Haltung wurde lockerer, aber er stand nicht auf. Das alles hatte ihn sehr mitgenommen und der Fluch hatte seine Spuren hinterlassen. Secundus kniete sich zu ihm herunter: „Wir geht es euch?“ Heiser antwortete der Herrscher, noch nicht in der Lage sich aufzurichten: „Besser, aber nicht gut. Bitte helft mir auf.“ Es war bereits dunkel geworden, die sternklare Nacht erhob sich über dem Kobos Wald, was zumindest in dieser Nacht keinen Neuschnee bedeutete. Secundus und Princeps hatten noch einige Zeit beim Herrscher verbracht bis dieser sich besser fühlte und sie der Meinung waren, dass sie ihn jetzt alleine lassen konnten. In den meisten Häusern brannte kein Licht mehr, als die beiden nach draußen traten und über den Schnee liefen. „Er ist noch wach“, bemerkte Secundus und deutete nickend auf Saltus‘ Haus, „Ich weiß nicht, ob wir bis morgen warten können. Dieser Fluch war schon viel stärker und es könnte noch Schlimmeres kommen. Wir müssen den Verursacher finden, so schnell wie möglich.“ Gähnend stimmte Princeps dem zu: „Am sinnvollsten wird es sein den Wald nach Spuren von Ritualen abzusuchen, allerdings glaube ich nicht, dass Saltus sehr erfreut sein wird, wenn wir ihn um seine Nachtruhe bringen. Er hat kein Interesse am Hexerdreieck und ich glaube auch nicht, dass er seine Meinung ändern wird.“ „Abwarten“, entgegnete Secundus und lief dennoch zu Saltus‘ Haus, um anzuklopfen. Kurze Zeit später öffnete Saltus ihnen die Tür: „Das habe ich mir schon fast gedacht. Kommt rein.“ Avis war nirgends zu sehen, als die beiden eintraten. Saltus deutete auf die freien Stühle am Tisch und setzte sich selbst, wobei er über einem offenen Buch saß und scheinbar mit der Feder einige Notizen niedergeschrieben hatte. Die beiden anderen Hexer nahmen Platz, nachdem Secundus die Tür wieder hinter ihnen geschlossen hatte. Sobald er saß, kam er auch ohne Umschweife zum Thema: „Wir befürchten, dass noch weitere Flüche gesprochen werden könnten, wenn wir den Auslöser nicht schnell finden. Am liebsten möchten wir direkt los und den Wald absuchen.“ „Im Dunkeln?“ hackte Saltus nach, „Nicht das ich mich nicht zurechtfinden würde, aber dennoch übersieht man so schon eher etwas oder jemanden.“ „Wir könnten so vielleicht schlimmeres verhindern“, versuchte Secundus ihn zu überzeugen, „Genau deswegen wollen wir das Hexerdreieck gründen, um die Hexer und Hexen voreinander zu schützen. Und in diesem Fall ist es einfach sehr dringend. Wer weiß, ob er noch einen Fluch überlebt.“ Ein Seufzen war von Saltus zu vernehmen: „In Ordnung. Ich sage nur eben Avis Bescheid.“ Zugleich standen auch Princeps und Secundus von ihren Stühlen auf, Saltus ging nach oben und rüttelte leicht an Avis, der bereits schlief. Müde öffnete dieser die Augen: „Saltus? Ist was passiert?“ Er schüttelte den Kopf und schenkte Avis ein Lächeln: „Nein, alles in Ordnung. Die beiden nördlichen Hexer möchten sicherheitshalber den Wald überprüfen. Ich werde sie führen, schlaf ruhig weiter. Ich bin bald zurück.“ Avis schloss die Augen wieder: „Wenn du mich brauchst, rufe nach mir. Ich werde sofort da sein.“ Proditor war selbst noch im Wald unterwegs, er war so aufgebracht über seinen erneuten Misserfolg, dass er nicht mal daran denken konnte zurück ins Dorf zu gehen und dort sich ein paar Stunden schlafen zu legen: „Wieso sind diese verdammten nördlichen Hexer hier? Sie nerven! Ich wäre bereits Herrscher.“ Schneeflocke hielt etwas Abstand und saß im kühlen Schnee: „Sie werden sicherlich nicht ewig hier bleiben. Vielleicht solltet ihr warten, Meister.“ „Ich werde sicherlich nicht…“, Proditor drehte sich um, „Da stapft jemand durch den Schnee.“ Da Hexer und Hexen auf dem Schnee liefen, könnte es sich höchstens um einen Geschaffenen handeln, aber das glaubte er weniger. Warum sollte ein Geschaffener alleine um diese Zeit im Wald umherlaufen. Viel wahrscheinlicher war, dass schon wieder diese Diener vom Fürsten der Finsternis ihr Glück versuchten ihn zu töten. Lächerlich. Schneeflocke erhob sich aus dem Schnee, die Überreste, die noch an ihm haften blieben, ließ er einfach wo sie waren. Es störte ihn nicht, im Gegenteil, es war sogar sehr angenehm für ihn. Die Schritte hatten gestoppt, nachdem Proditor auf sie aufmerksam geworden war. Nichts war mehr zu hören. Langsam bewegte sich Proditor über den Schnee in die Richtung aus der er die Schritte vernommen hatte. Sein Geschaffener machte sich bereit jederzeit ihn zu unterstützen, blieb aber an Ort und Stelle, da man seine Bewegungen eher hören würde. Die Dunkelheit machte es schwer etwas zu erkennen, überall fielen die Schatten der Bäume hin. Nur das Mondlicht, welches auf die dicke Schneeschicht viel und ein zauberhaftes Glitzern hervorbrachte, erhellte den Wald ein wenig. Schritt für Schritt lief Proditor weiter über den Schnee, bereit jederzeit zuzuschlagen. Er hatte sich schon einige Meter vom seinem Ritualplatz entfernt, als ein wohlbekannter Wolf hinter einem Baum hervorsprang und mit dunklen Magiekugeln auf ihn schoss. Da Proditor bereits auf einen Angriff eingestellt war, ließ er mit einer schwungvollen Handbewegung den Schnee vom Boden sich auftürmen und zur Eiswand erstarren. Die Magiekugeln beschädigten diese, drangen aber nicht hindurch: „Du schon wieder, wo ist dein Begleiter?“ Ein grau getigerter Kater und ein weiterer Wolf mit gräulichem Fell sprangen links und rechts hinter Bäumen hervor, der Schakal vom letzten Mal fehlte. „Du hast ihn auf dem Gewissen“, knurrte der schwarze Wolf, während die anderen beiden nun auch mit dunklen Magiekugeln angriffen. Proditor lief einige Schritte zurück, um mehr Abstand zu ihnen zu halten und begann mit einigen Handbewegungen erneut die Bäume in der Umgebung zum Bewegen zu bringen. Wie beim letzten Mal entwurzelten sie sich, bewegten sich auf die Angreifer zu und schlugen mit den Ästen nach ihnen. Der schwarze Wolf ließ ein Schwert aus dunkler Magie erscheinen und schlug damit auf die Äste ein: „Ich kümmere mich um die Bäume. Versucht an ihn heran zu kommen.“ Schneeflocke löste sich in viele kleine Schneeflocken auf und erhob sich als Schneesturm, der um Proditor herumwirbelte, ihn aber nicht mit einer Flocke berührte und direkt zu den drei Dienern herüberwirbelte. Mit einem starken und eisigen Windstoß warf es die drei zurück, sodass sie im Schnee landeten. Die Bäume ließen unbarmherzig ihre Äste auf sie herunterschlagen. Der graue Wolf hielt die Hände schützend vor sich und schrie schmerzhaft auf, als die Bäume ihn trafen. Währenddessen rollte sich der schwarze Wolf durch den Schnee, er spürte die Kälte am ganzen Leib, aber entkam so dem Angriff und der Kater schwang sich schnell wieder auf die Beine und sprang auf einen der Äste. Der Baum schüttelte ihn jedoch gleich wieder ab, sodass er schreiend erneut im Schnee landete. Proditor lachte amüsiert darüber: „Langsam solltet ihr merken, dass ihr keine Chance gegen mich habt.“ Schneeflocke nahm seine normale Gestalt wieder an und wartete ab, was weiter geschehen würde. „Hört Ihr das?“ hackte Saltus nach und hielt die Hand mit der Fackel in die Richtung, aus der er die Geräusche vernommen hatte. Licht war im dunklen Wald wichtig, sodass er sich eine Fackel mit seiner Hexerei entzündet hatte. Die drei waren schon recht weit vom Dorf entfernt, hatten bisher aber keine Überreste von Ritualen oder Ähnlichem gefunden. Secundus und Princeps folgten seinen Blick und lauschten. Dieses Mal war es deutlich zu hören und Secundus lief direkt schnellen Schrittes über den Schnee in die Richtung: „Ein Schrei.“ Auch Saltus lief los, folgte Secundus nur wenige Schritte hinter ihm, während Princeps als letzter folgte und dabei aufmerksam die Umgebung im Blick behielt. Er hatte mit Spuren gerechnet, aber nicht, dass sie tatsächlich jemanden im Wald antreffen würden. Das war sehr ungewöhnlich. Kaum kam das Geschehen in Sicht, warf Saltus seine Fackel in den Schnee, um die Hände frei zu haben. Diese erlosch sogleich und nur ein Zischen war zu hören. So richtig verstehen tat er allerdings nicht, was dort vor sich ging. Drei Fremde wurden von Bäumen angegriffen und schienen sichtlich Probleme mit der Verteidigung zu haben und der Hexer, der dort stand, das war Proditor. Secundus ließ mit einer schwungvollen Handbewegung, wobei diese grünlich leuchtete, die Bäume in ihrer Position erstarren: „Was geht hier vor?“ Saltus blickte zu Proditor herüber: „Was machst du hier so spät und wer sind die?“ Knurrend blickte Proditor zu Secundus herüber: „Das geht dich einen Mist an, ihr nördlichen Hexer habt hier nichts zu suchen. Verzieht euch!“ Die drei Diener nutzen die Chance um endlich mal wieder richtig auf die Beine zu kommen. Erschöpft atmeten sie auf, während der schwarze Wolf den anderen beiden mit einer Handbewegung deutete ein wenig zurück zu treten. „Hütet eure Zunge“, ermahnte in Princeps, „Ihr macht euch gerade sehr verdächtig. Kommt mit zurück zum Dorf, es gibt da einige Fragen zu klären.“ Proditor lachte darüber: „Als wenn ich mir von euch Möchtegern Überhexern was sagen lasse. Verschwindet oder ihr bereut es.“ „Aber Meister…“, begann Schneeflocke, ehe Proditor ihn mit einem zornigen Blick bedachte und er wieder verstummte. Da von Proditor scheinbar keine Antwort zu erwarten war, wandte sich Saltus an die drei Fremden: „Wer seid ihr?“ Der schwarze Wolf grinste: „Unwichtig, wir verschwinden.“ Fast zugleich verschwanden die drei in schwarzem Rauch, was die Frage im Prinzip beantwortete Dunkelmagier, vermutlich Diener des Fürsten der Finsternis -. „Lasst uns doch erst einmal beruhigen und in Ruhe darüber sprechen“, versuchte Secundus zu vermitteln und machte einen Schritt auf Proditor zu. Die Wut stand Proditor ins Gesicht geschrieben: „Ich hatte euch gewarnt.“ Mit einigen Handbewegungen setzte er Baum für Baum wieder in Bewegung. Ohne sich vom Fleck zu rühren, ließ Secundus die Bäume mit einer einzigen schwungvollen Handbewegung wieder erstarren: „Das hat keinen Sinn, seid doch vernünftig.“ Princeps machte nun einige Schritte auf Proditor zu: „Deine Feindseligkeit lässt vermuten, dass ihr der Hexer bist, der die Flüche ausgesprochen hat. Habe ich nicht recht?“ Knurrend streckte Proditor erneut die Hand aus, hinter ihm erschien schwarzer Rauch und der schwarze Wolf von zuvor tauchte auf. „Pass auf!“ versuchte Saltus ihn noch zu warnen, ehe sich das Schwert aus dunkler Magie durch Proditors Rücken bohrte und der Wolf zusammen mit ihm direkt wieder in schwarzem Rauch verschwand. Die drei liefen zu der Stelle, wo Proditor verschwunden war. Einige Meter weiter sahen sie die freie Fläche mit den Ritualrückständen. Secundus und Saltus gingen dort hin, schauten sich die Rückstände an, sammelten Asche und Kräuterüberreste auf. Princeps hingegen hatte Schneeflocke am Arm gepackt und zog ihn mit zu der Stelle: „Du wirst uns einige Fragen beantworten müssen.“ Die Ohren und den Kopf gesenkt nickte Schneeflocke: „Mein Meister… er ist tot.“ Nachdem Saltus sich mit Princeps, Secundus und Schneeflocke die restliche Nacht befasst hatte, war er müde zu Bett gegangen, gerade als die Sonne begann aufzugehen. Avis war seit einer Stunde wach und kümmerte sich um den eingeschüchterten Schneeflocke. „Noch eine Tasse Schnee?“ fragte Avis ihn und lächelte, „keine Sorge wir finden schon einen neuen Meister für dich, einen der dich gut behandelt.“ Schneeflocke saß mit ihm am Tisch und hatte den Schnee aus der Tasse geleckt. Er war sehr traurig über den Tod seines Meisters, auch wenn er immer sehr streng gewesen war. Außerdem wusste er nicht, wie es jetzt weiter gehen sollte. Während Princeps ihn die meiste Zeit verhört hatte, nahm Saltus ihn immer wieder in Schutz. Daher war er froh in Saltus‘ Heim geblieben zu sein. Princeps und Secundus hatten ihr Gastzimmer im Dorf aufgesucht, um auch etwas zu schlafen. Schneeflocke blickte leicht auf: „Ich glaube, ich würde gerne schlafen, wenn ich darf.“ Avis nickte: „Natürlich, wie schläfst du am liebsten?“ „Im Schnee“, antwortete Schneeflocke kleinlaut. Ihn alleine im Schnee schlafen lassen, konnte Avis nicht, auch nicht ihn dort die ganze Zeit beobachten und dennoch tat er ihm leid: „Gehen wir nach oben. Du kannst auf dem Balkon schlafen, da ist es kühl und ich bleibe am Fenster und passe auf dich auf.“ Schneeflocke nickte: „Danke.“ Einige Tage später hatte sich einer der Hexer im Dorf Schneeflocke angenommen und hatte jetzt auch mehr mit anderen Geschaffenen zu tun. Es schien ihm soweit gut zu gehen. Secundus und Princeps waren gerade wieder bei Saltus zu Besuch, sie saßen bei einer Tasse Tee zusammen. „Saltus, ich weiß Ihr wollt diese Verantwortung nicht, aber denkt doch daran, wie viele Hexer und Hexen ihr schützen könntet. Princeps ist gut, was Regeln und ihre Durchsetzung angeht, ich bin gut in Streitschlichtung und kenne mich mit den Herrscherpflichten aus und ihr könntet für den Schutz zuständig sein. So hättet ihr gar nicht großartig was mit der Durchsetzung von Regeln zu tun oder dem Verhandeln zwischen Herrschern und allem was dazu gehört. Höchstens Vertretungsweise“, versuchte es Secundus erneut, während Saltus an seinem Tee nippte. Avis blickte zu seinem Meister: „Ich halte das für eine gute Idee.“ Ein Seufzen war von Saltus zu hören: „Na gut, Probeweise. Ich schaue mir das mal an, aber wenn es mir nicht zusagt, steige ich direkt wieder aus.“ Princeps nickte: „Dann sollten wir uns aber auf eine Probezeit einigen, nicht das ihr nach 3 Jahren euch einfach aus dem Staub macht.“ „Ein halbes Jahr“, schlug Saltus dann vor und lächelte, „Wenn ich es ein halbes Jahr aushalte, dann bin ich dabei. Aber ich fände es gut, wenn wir uns ab jetzt Duzen, um es zu vereinfachen.“ Secundus lächelte: „Das finde ich eine wunderbare Idee. Da wäre noch eine Sache, du müsstest deinen Namen ablegen. Ab sofort bist du Tertius* , der Dritte.“ „Tertius?“ fragte Saltus verwundert, „Also sind das nicht eure echten Namen?“ Die beiden lachten und Secundus nickte: „Es wäre doch ein sehr seltsamer Zufall gewesen. Princeps ist der Erste, ich bin der Zweite und du der Dritte. Es ist einfach nur ins Lateinische übersetzt. Lasst uns unser Volk in eine gute Zukunft führen.“
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Die Prophezeiung des Lichts - Teil 1 - Himmel und Hölle
Kapitel 7 - Das Hexerdreieck Im Dorf der westlichen Hexer und Hexen hatte sich die Aufregung um Certus gelegt. Princeps und Secundus waren noch einige Zeit bei ihm geblieben, hatten sichergestellt, dass es ihm wirklich gut ging, sowie sich über mögliche Feinde und dessen Motive unterhalten. „Die Liste ist lang“, stellte Secundus fest als sie zusammen über den Balkon Certus‘ Haus verließen. Für Hexer und Hexen war es von Vorteil lesen und schreiben zu können, während in vielen normalen Dörfern und Städten die Zahl der Analphabeten überwiegte. Jene, die bereits im Kindesalter mit der Hexerei in Berührung kamen, lernten relativ zügig auch das Lesen und Schreiben von gebildeten, ehemals höherrangingen Personen. Dennoch war es für die Älteren oft schwierig sich dessen anzueignen und es gab immer noch einige Analphabeten unter ihnen. Princeps nahm ihm die Liste ab und warf selbst noch einmal einen Blick darüber: „Das Motiv ist durchgängig, dass sie seinen Posten begehren. Die alle zu überprüfen, wird sicher einige Zeit dauern.“ „Sieh mal“, deutete Secundus nach unten, während er auf der Hängebrücke stehen blieb, die sie gerade überquerten, „Da ist er wieder.“ Verwundert folgte Princeps seinem Blick zwischen den Bäumen zum schneebedeckten Grund: „Wir sollten noch mal mit ihm sprechen.“ Die beiden hatten Saltus entdeckt, der scheinbar im Schnee auf jemanden wartete, dabei hatte er eine zusammengefaltete Decke in den Armen. Das Rufen eines Falken kündigte Avis Ankunft an, der zwischen den Bäumen elegant entlang flog, ehe er kurz vor Saltus sich zurück verwandelte und mit den Füßen im Schnee versank. Schnell warf Saltus ihm die Decke um und rubbelte ihn warm. Zwar verwandelte sich Avis samt Kleidung hin und her, jedoch half diese ihm nicht in der Falkengestalt. Es war, als hätte sie sich komplett aufgelöst. Die beiden schienen sich über etwas zu unterhalten, jedoch konnten die beiden von ihrer Position aus nichts hören. Saltus führte dann seinen Geschaffenen zurück zu ihrem Haus, in welchem sie verschwanden. „Die Liste ist wirklich lang“, begann Secundus und verkündete damit nur das, was sie beide schon wussten, „Wie wäre es mit etwas Unterstützung?“ „Und da dachtest du an den Lebensretter“, warf Princeps ein, ehe Secundus sich bemühen musste, ihn noch weiter in die Richtung zu drängen, „Er fällt hier echt aus dem Rahmen und jemanden mit seinen Fähigkeiten könnten wir gebrauchen. Falls es sich nicht nur um reines Glück handelte.“ Sofort lief Secundus eiligen Schrittes über die Hängebrücke, um sich auf dem Weg zu Saltus Haus zu machen: „Worauf warten wir dann noch?“ „Seit wann hast du es so eilig?“, hinterfragte Princeps und lies seinen Blick noch einmal über das Dorf schweifen, „Ungewöhnlich.“ Dabei dachte er an die Behausungen der westlichen Hexer und Hexen, denn bei ihnen im Norden lebten sie nicht in den Bäumen, sondern in Baumhäusern auf den Bäumen. Die Hängebrücken nutzen sie allerdings im gleichen Maße und einige Holzbauten waren auch am Boden errichtet worden. Auf die Idee in einem Baum zu hausen, wäre er nie gekommen. Schneeflocke saß mitten im Schnee und genoss die Kälte um sich herum, während sein Meister Proditor aufgebracht auf dem Schnee hin und her lief: „Diese verdammten Nordhexer! Können die ihren Aufpasserdrang nicht woanders ausleben? Ich könnte Herrscher sein! Ich könnte das westliche Volk stark machen! Wir wären die mächtigsten Hexer und Hexen weit und breit. Aber nein! Da kommen diese zwei Weltverbesserer daher.“ „Sie haben ihn am Leben erhalten, aber Saltus hat den Fluch gebrochen“, erinnerte Schneeflocke ihn, der die Information im Dorf erhalten hatte. Proditor wollte eigentlich in dieser Zeit bereits das nächste Ritual vorbereiten, um Zweifler und Ungehorsame auszurotten. Stattdessen kam Schneeflocke mit der Nachricht zurück, dass Certus überlebt hatte. Aufgebracht durchwühlte Proditor seinen Beutel mit den verschiedenen Zutaten: „So einfach gebe ich nicht auf.“ Die Ohren gesenkt, schaute Schneeflocke ihm zu, formte einen Schneeball mit seinen Händen und leckte daran, als wäre es eine leckere Eiskugel. Ein knackender Ast ließ Schneeflocke aufschrecken, ein Hexer oder eine Hexe wäre niemals so ungeschickt. Auch Proditor blickte auf und schaute sich um: „Ist da wer?“ Hinter ihm tauchte aus schwarzem Rauch ein Diener des Fürsten auf, er versuchte direkt Proditor mit einem Dolch zu erstechen. Dieser wich gerade so noch aus und fiel dabei in den Schnee. Ein weiterer Diener tauchte aus schwarzem Rauch auf, doch Schneeflocke war inzwischen aufgesprungen und löste sich in viele kleine Schneeflocken auf, dabei wirbelten diese wild herum. Aus diesem Wirbel aus Schneeflocken, wurde schnell ein gewaltiger Schneesturm, welcher die beiden Diener von Proditor wegschleuderte. Kurz darauf zog der Sturm sich zusammen, die Schneeflocken wirbelten enger und enger umher, ehe er wieder seine normale Gestalt annahm: „Meister, seid ihr verletzt?“ Verärgert stand Proditor auf und klopfte den Schnee von sich: „Sieh mich an, jetzt bin ich ganz nass.“ Sein Blick wanderte zu den beiden Dienern herüber, einem dunklen Wolf und einem bräunlichen Schakal, die beide ebenfalls nun voller Schnee und Nässe waren. Auch sie hatten sich wiederaufgerichtet und schienen noch etwas verwundert über den plötzlichen Schneesturm, der sie mit aller Gewalt getroffen hatte. Proditor ließ den beiden keine Verschnaufpause und streckte die Hände zu einem Baum nach dem anderen aus, wobei seine Hände grünlich leuchteten. Die Äste der Bäume begannen sich zu bewegen und nach den beiden Angreifern zu schlagen, während die Bäume, welche weiter weg standen von ihnen, sich entwurzelten und mit ihren Wurzeln wie Kraken sich auf sie zu bewegten. „Was ist das denn?“, schrie der Schakal erschrocken und wich weiter zurück. Statt sich zurück drängen zu lassen, ließ der Wolf ein Schwert erscheinen und schlug wie wild auf die Äste ein. Die Bäume waren jedoch um einiges Kräftiger, trafen ihn mit einem Ast und schleuderten ihn ein Stück durch die Luft, dass er erneut im Schnee landete. Verunsichert verschwand der Schakal in schwarzem Rauch. Immer noch verärgert blickte Proditor zu dem verbliebenen Wolf herüber: „Was wollt ihr von mir?“ Dieser rappelte sich erneut auf, taumelte etwas dabei und hielt sich schmerzend die Seite: „Du hast dich verpflichtet Satan zu dienen. Er duldet keinen Ungehorsam. Du wirst sterben. Wir kommen wieder.“ Dann ging er auch in Rauch auf und war verschwunden. Schneeflocke ging zwischen den sich noch immer bewegenden Bäumen hindurch und blickte sich um: „Sie scheinen wirklich weg zu sein, Meister. Was sollen wir jetzt tun?“ Mit einigen Handbewegungen brachte er einen Baum nach dem anderen wieder zum Stillstehen, ihre Wurzeln gruben sich wieder in den gefrorenen Boden bis sie verharrten, als wäre nie etwas geschehen. Dann holte Proditor einige Kräuter aus seinem Beutel: Feuerwurzel, Klatschmohn und Wacholder. Welche er im Kreis um sich herum verteilte: „Geist des Feuers, erinnere dich! Geist der Flammen, erinnere dich! Trockne mich, wärme mich! Erhebe dich! Verdunste das Wasser! Verdränge die Kälte! Erhebe dich! Geist des Feuers, du bist beschworen!“ Die Kräuter um ihn herum begannen in Flammen aufzugehen, flogen empor und umkreisten ihn, wie im wilden Tanz. Die Nässe aus seinen Kleidern und seinem Fell stieg empor und verdunstete in der Wärme, die das Feuer um ihn herum erzeugte. Als Proditor gänzlich getrocknet und ihm wieder wollig warm war, erloschen die Flammen und nur kleine Aschereste rieselten in den Schnee. „Meister?“, hackte Schneeflocke noch einmal nach, „Was…?“ „Ja, ja, was sollen wir tun?“, unterbrach Proditor ihn und hob seinen Beutel auf, der noch im Schnee lag, „Es war doch klar, dass der sogenannte Fürst der Finsternis nicht Däumchen drehen würde. Soll er doch seine unfähigen Dunkelmagier schicken. Ich bin ein Hexer und ihnen in jeglicher Hinsicht überlegen. Viel wichtiger ist jetzt Certus los zu werden.“ Überrascht über den Besuch hatte Saltus die beiden nördlichen Hexer in seinem Heim Willkommen geheißen und saß mit den beiden nun am Tisch bei einer Tasse Tee. Nach etwas belanglosem Smalltalk über Wind und Wetter, Lebensweise und Wohlbefinden, kam Secundus nun zur Sache: „Das war wirklich beeindruckend, wie Ihr den Fluch gebrochen habt. Hattet Ihr damit schon öfter Erfahrungen gemacht?“ Saltus nippte an seiner Tasse Tee: „Nein, bisher ist hier so etwas nie vorgekommen. Es gab ein paar Streitigkeiten wegen der Herrscherposition, aber ansonsten war alles friedlich.“ Während Secundus mit Saltus sprach, hatte Princeps seinen Geschaffenen Avis gemustert. Avis hatte sich bisher aus dem Gespräch rausgehalten und saß auf einem Stuhl etwas abseits vom Tisch. Er lauschte aber aufmerksam und fand das Saltus sich wirklich für den Posten im Hexerdreieck mehr interessieren sollte. Es wäre das Richtige, damit nicht jeder tun konnte, was er wollte. Princeps‘ Blick ging nun zu Saltus, wobei er doch einige Fragen hatte: „Certus sagte uns, dass Ihr so gar kein Interesse am Herrschertitel hättet und eher nur für euch lebt. Hat das Gründe? Woher habt Ihr eure Kenntnisse? Wie schätzt ihr eure Fähigkeiten selbst ein?“ „Wird das jetzt ein Verhör?“ scherzte Saltus und musste dabei ein wenig lachen, „Warum sollte man Herrscher werden wollen? Das bringt nur viel Arbeit und Verantwortung sowie Neid. Ich lebe lieber für mich, zusammen mit Avis. Ich kann jeden Tag selbst entscheiden, was ich tue und was nicht und ob ich bleibe oder gehe. Es gibt nichts, was mich am Herrscherdasein reizt. Was die anderen Fragen angeht… ich habe sehr früh meine Eltern verloren, bin alleine im Wald umhergeirrt und habe mit der Zeit gelernt mir die Magie der Natur zum Nutzen zu machen. Einige Zeit nachdem ich Avis erschaffen hatte, wagten wir den Weg aus dem Wald und trafen hier auf einen der westlichen Hexer. Ich wollte mehr lernen und es versprach mehr Schutz, also blieb ich hier. Meine Fähigkeiten sind ganz gut, denke ich. Ich messe mich nicht mit anderen, es ist viel spannender sich selbst weiterzuentwickeln.“ Secundus lächelte über seine Antworten: „Ich hingegen wollte anfangs schon Herrscher bei den nördlichen Hexern werden und wäre es vermutlich sogar geworden, bis Princeps auf mich zu kam und mir von seiner Idee des Hexerdreiecks erzählte. Sicherlich ist so eine Position viel Verantwortung und Arbeit, vielleicht sogar mit etwas Neid verbunden, aber wir könnten mit den richtigen Grundsätzen schlimmeres verhindern. Das heute mit Certus hätte ganz anders ausgehen können.“ „Ihr seid nicht wirklich hier, um mich zu fragen da mit zu machen oder? Wenn nämlich ja, dann muss ich euch leider enttäuschen. Kein Interesse“, entgegnete Saltus freundlich, aber deutlich. Princeps ließ den Blick über die Inneneinrichtung schweifen, er versuchte so viele Eindrücke wie möglich zu sammeln, um sich ein besseres Bild über ihn und seine Einstellung zu machen: „Sagen wir es so, Ihr seid in eine engere Auswahl dafür gekommen. Gerade ist aber viel wichtiger den Verursacher des Fluches zu finden und zu stoppen, bevor vielleicht noch mehr passiert. Ihr kennt euch hier gut aus, kennt die Bewohner und habt den Fluch gebrochen. Eure Unterstützung wäre daher eine Bereicherung.“ Avis meldete sich nun auch zu Wort: „Ich finde, wir sollten helfen, Saltus. Es wäre das Richtige.“ Seufzend gab Saltus nach, er wusste ja selbst, dass es das Richtige wäre: „In Ordnung, ich helfe euch, aber ich mache nicht bei eurem Hexerdreieck mit. Damit das klar ist.“ Secundus nickte lächelnd: „Wir danken euch und Ihr könnt es euch immer noch anders überlegen. Ihr steht immer noch in der engeren Auswahl. Vergesst das nicht.“ Kopfschüttelnd kam Saltus lieber wieder zu ihrem eigentlichen Vorhaben: „Wie wollen wir denn nun den Auslöser des Fluches finden?“ Erneut bebte die Hölle und das wütende Gebrüll von Satan war bis in den Turm zu hören. Spectio war eigentlich gerade dabei gewesen den Teppich weg zu bringen und sein Arbeitszimmer einzurichten, als er Satans Gebrüll wahrnahm: „Wie könnt Ihr es wagen!?“ Überrascht Satan schon wieder so wütend zu erleben, ließ er den Teppich einfach wieder zu Boden fallen und lief die Treppen des Turmes hinab: „Was ist denn nun schon wieder passiert?“ Man hörte, wie etwas im Thronsaal gegen die Wand knallte. Spectio atmete einmal tief durch, als Anwalt des Teufels musste er auch solchen Launen standhalten, dann ging er in den Thronsaal und verbeugte sich kurz: „Mein Fürst, was bringt euch so zum Toben? Soll ich mich der Angelegenheit annehmen?“ Ein wütendes Schnauben war aus der Dunkelheit zu vernehmen: „Sie verspotten mich, kümmere dich um sie.“ Der eine Diener lag bereits am Boden, vermutlich war er gegen die Wand geworfen worden, während der andere Diener zitternd immer noch niederkniete und sich nicht vom Fleck bewegte. Vermutlich war er starr vor Angst, denn auch kein weiteres Wort folgte von ihm. Spectio nickte zustimmend: „Natürlich mein Fürst.“ Er ging dann zu dem noch kniendem Diener: „Sprich, wie könnt Ihr es wagen euren Fürsten so zu verärgern?“ „Es… es war keine Absicht… der neue Diener, er… er ist anders. Die Bäume haben uns angegriffen“, führte der Diener mit zittriger Stimme aus. Man hörte ein Schaben auf Gestein aus der Finsternis, dennoch überließ der Fürst das ganz Spectio. Nachdenklich musterte Spectio den Diener: „Beschreibe genauer, damit ich einschätzen kann, ob du die Wahrheit sagst.“ Obwohl er sich nicht vorstellen konnte, dass man so etwas Absurdes sich ausdenken würde. Der Diener erzählte nervös, wie der Kampf gegen Perniger abgelaufen war. Spectio hörte seinen Schilderungen aufmerksam zu: „Sehr interessant, eine neue Spezies vermute ich mal. Such dir zwei neue Diener und finde mehr über Perniger heraus. Wenn möglich bringt ihn lebendig hier her. Wir müssen herausfinden mit was für Kräften wir es zu tun haben. Vielleicht können wir Sie uns zu nutzen machen und mächtigere neue Diener anwerben.“ Dann wand er sich an Satan: „Mein Fürst, bitte teilt ihm den aktuellen Standort von Proditor mit. Falls er erneut versagt, werde ich mich persönlich um seine Bestrafung kümmern.“ Schneeflocke lief zwischen den schneebedeckten Bäumen hin und her. Während sein Meister so gar keine Bedenken wegen der Diener des Fürsten der Finsternis hatte, machte er sich sehr wohl sorgen. „Hör endlich auf hin und her zu laufen. Das macht einen ja verrückt“, forderte ihn Proditor auf, der bereits eine Fläche vom Schnee befreit hatte, einen Schutzkreis gezogen und ein Feuer in der Mitte entzündet hatte, „Dieses Mal wird Certus sterben. Weder die nördlichen Hexer noch Saltus werden sich da wieder einmischen. Der Fluch wird viel stärker werden, so einfach lasse ich mir meinen Plan nicht kaputt machen.“ Er verbrannte wieder einiger Kräuter, darunter blauer Eisenhut, Herbstzeitlose und Fingerhut, während er den Zauber sprach: „Certus soll schreien auf seinem Throne, taumeln aus seinem Schlaf, in den Palast des Todes einkehren, zittern vor Furcht und Hass, die dunkle Magie spüren, ganze sechzig Mal, bewaffnet mit Flammen, sie den Tod bringen. So sei es! So sei es!“ Die Flammen wurden erneut schwarz, loderten höher und erloschen. „Es ist schon spät. Wir werden die Nacht bei Certus verbringen und morgen dann beginnen die einzelnen Hexer und Hexen genauer in Augenschein zu nehmen. Vielen Dank schon einmal für die Hilfe, Saltus“, beendete Secundus die Diskussion über die beste Vorgehensweise, um den Verantwortlichen für den Fluch zu finden und stand auf. Princeps tat es ihm gleich und nickte das zustimmend ab. Ehe Saltus die beiden verabschieden konnte, ertönte ein lauter Schmerzensschrei. Princeps und Secundus stürmten direkt nach draußen, während Saltus die Treppe nach oben nahm und von dort nach draußen auf den Balkon. Die Tür zu Certus’ Haus stand offen und die meisten Hexer und Hexen blicken auch in diese Richtung. Saltus rannte über die Hängebrücken dorthin: „Das kann doch nicht sein…“ Die beiden nördlichen Hexer verschwanden in einem kleinen Wirbelsturm aus Blättern und tauchten direkt bei Certus‘ Haus auf. Auch dieses Mal war der Hexer vom Nachbarhaus zuerst dort gewesen und versuchte Certus zu helfen: „Bitte Certus, sag doch was ich tun kann?“ Der Herrscher lag am Boden, krümmte sich vor Schmerzen und schrie ein weiteres Mal auf. Princeps eilte zu ihm und schob den anderen Hexer beiseite. Mit einigen Handbewegungen über Certus‘ Körper versuchte er festzustellen, was ihm fehlte: „Ein neuer Fluch, er schreitet langsamer voran, fühlt sich aber stärker als der letzte an.“ „Wie viel Zeit haben wir?“ hackte Secundus nach und blickte sich nach allen Zutaten und Utensilien um, die ihnen in diesem Haus zur Verfügung standen. „Vielleicht drei oder vier Stunden, eher weniger“, entgegnete Princeps, während er weiter den sich krümmenden Herrscher mit seinen Händen abtastete, sie leuchteten dabei grünlich. Saltus kam dazu gehastet: „Wieder ein Fluch?“ Secundus nickte: „Wir haben etwas mehr Zeit, als beim letzten Mal. Glaubt ihr mit euerem Zauber funktioniert das erneut?“ Unschlüssig zuckte Saltus mit den Schultern: „Ich versuche es, dann wissen wir mehr.“ Er holte ein paar Jute-Schnüre aus der Hosentasche und begann mit dem Bannzauber, wie beim letzten Mal vorzugehen. Die Schnüre brannten wieder ab, während Saltus seinen Zauber sprach, allerdings blieb der gewünschte Effekt aus. Stattdessen schrie Certus nochmals laut auf, als hätte es das ganze nur noch verstärkt. Princeps erhob sich und blickte zu Secundus: „Versuchen wir zu dritt einen Bannzauber dagegen zu wirken, damit erhöhen wir die Erfolgschance um einiges.“ „Was für einen Zauber wollt ihr anwenden?“ hackte Saltus nach, während sein Blick zu dem am bodenliegenden Herrscher ging. Wer konnte schon sagen, was er gerade alles durchmachte. Princeps nahm sich ein paar Kerzen und platzierte sie im Kreis, während Secundus die Kräutersammlung durch ging, was alles davon zu gebrauchen war: „Erst mal müssen wir sehen, was wir zur Verfügung haben. Hast du zufällig etwas Gundermann zur Hand?“ „Sicher“, erwiderte Saltus und machte sich gleich auf den Weg, „Ich hole es.“ Während Saltus zu seinem Haus zurück eilte, machte sich Secundus daran die einzelnen Kräuter bereit zu legen, die er außerdem brauchte. Erneut hatten sich viele Hexer und Hexen ums Haus versammelt, um einen Blick zu erhaschen. Man spürte aber auch die zunehmende Verunsicherung, denn zuvor war niemals so etwas passiert und nun schon zweimal so kurz nacheinander. Princeps zog um die Kerzen noch einen Kreis mit dem Fuß, abgesehen von dem Getuschel der anderen Hexer und Hexen war es ruhig. Saltus musste sich den Weg durch die anderen bahnen: „Entschuldigung, darf ich mal?“ Zurück im Haus, reichte er Secundus den Gundermann, der direkt damit begann die Kräuter zu zerkleinern. Interessiert blickte Saltus zu dem Schutzkreis mit den Kerzen, zählte sie durch und hatte bereits erwartet, dass man sie durch drei Teilen könnte es waren genau 12 Stück -. Kaum waren alle Kräuter zerkleinert, begann Secundus sie im Kreis zu verteilen, überall um Certus herum. „Stell dich dort hin“, wies Princeps Saltus an, welcher sich am Eingang positionierte, am Rand des Schutzkreises. Princeps nahm ihm schräg gegenüber Position ein und Secundus den letzten freien Platz, um das Dreieck zu vollenden. „Ich beginne immer, dann spricht Secundus mir nach und dann ihr, Saltus“, erklärte Princeps knapp, beide nickten ihm zu. „Wer auch immer Certus schaden möchte und mit diesem Fluch bedacht…“ begann Princeps den Zauber zu sprechen. Wie besprochen begann erst Secundus nachzusprechen und danach Saltus, ehe Princeps fortsetzte: „Soll wissen, dass er sich selber schadet…“ So fuhren sie mit dem Zauber fort, während sie sprachen, begannen die Kräuter sich aufzulösen und als grünlicher Nebel sich über Certus zu legen: „Mit der Kraft der Dreieinigkeit rufen wir die Naturmächte… Darum gib uns, Erde, die Kraft der inneren Stärke für Certus… Darum gib uns, Luft, die Kraft der Leichtigkeit für Certus… Darum gib uns, Wasser, Erneuerung und Reinigung für Certus… Darum gib uns, Feuer, Wärme für Certus… Die vier Elemente vereint, den Fluch gebannt auf Ewig… Dies ist unser Wille, also geschehe es!“ Nachdem Saltus die letzten Worte ebenso ausgeführt hatte, wie die anderen zuvor, waren sämtliche Kräuter aufgelöst, die Kerzen erloschen nacheinander. In dem grünlichen Nebel, direkt aus Certus Körper heraus, stieg eine schwarze Aura empor und wurde von dem Nebel verschluckt, die sich gegenseitig auflösten. Certus‘ Haltung wurde lockerer, aber er stand nicht auf. Das alles hatte ihn sehr mitgenommen und der Fluch hatte seine Spuren hinterlassen. Secundus kniete sich zu ihm herunter: „Wir geht es euch?“ Heiser antwortete der Herrscher, noch nicht in der Lage sich aufzurichten: „Besser, aber nicht gut. Bitte helft mir auf.“ Es war bereits dunkel geworden, die sternklare Nacht erhob sich über dem Kobos Wald, was zumindest in dieser Nacht keinen Neuschnee bedeutete. Secundus und Princeps hatten noch einige Zeit beim Herrscher verbracht bis dieser sich besser fühlte und sie der Meinung waren, dass sie ihn jetzt alleine lassen konnten. In den meisten Häusern brannte kein Licht mehr, als die beiden nach draußen traten und über den Schnee liefen. „Er ist noch wach“, bemerkte Secundus und deutete nickend auf Saltus‘ Haus, „Ich weiß nicht, ob wir bis morgen warten können. Dieser Fluch war schon viel stärker und es könnte noch Schlimmeres kommen. Wir müssen den Verursacher finden, so schnell wie möglich.“ Gähnend stimmte Princeps dem zu: „Am sinnvollsten wird es sein den Wald nach Spuren von Ritualen abzusuchen, allerdings glaube ich nicht, dass Saltus sehr erfreut sein wird, wenn wir ihn um seine Nachtruhe bringen. Er hat kein Interesse am Hexerdreieck und ich glaube auch nicht, dass er seine Meinung ändern wird.“ „Abwarten“, entgegnete Secundus und lief dennoch zu Saltus‘ Haus, um anzuklopfen. Kurze Zeit später öffnete Saltus ihnen die Tür: „Das habe ich mir schon fast gedacht. Kommt rein.“ Avis war nirgends zu sehen, als die beiden eintraten. Saltus deutete auf die freien Stühle am Tisch und setzte sich selbst, wobei er über einem offenen Buch saß und scheinbar mit der Feder einige Notizen niedergeschrieben hatte. Die beiden anderen Hexer nahmen Platz, nachdem Secundus die Tür wieder hinter ihnen geschlossen hatte. Sobald er saß, kam er auch ohne Umschweife zum Thema: „Wir befürchten, dass noch weitere Flüche gesprochen werden könnten, wenn wir den Auslöser nicht schnell finden. Am liebsten möchten wir direkt los und den Wald absuchen.“ „Im Dunkeln?“ hackte Saltus nach, „Nicht das ich mich nicht zurechtfinden würde, aber dennoch übersieht man so schon eher etwas oder jemanden.“ „Wir könnten so vielleicht schlimmeres verhindern“, versuchte Secundus ihn zu überzeugen, „Genau deswegen wollen wir das Hexerdreieck gründen, um die Hexer und Hexen voreinander zu schützen. Und in diesem Fall ist es einfach sehr dringend. Wer weiß, ob er noch einen Fluch überlebt.“ Ein Seufzen war von Saltus zu vernehmen: „In Ordnung. Ich sage nur eben Avis Bescheid.“ Zugleich standen auch Princeps und Secundus von ihren Stühlen auf, Saltus ging nach oben und rüttelte leicht an Avis, der bereits schlief. Müde öffnete dieser die Augen: „Saltus? Ist was passiert?“ Er schüttelte den Kopf und schenkte Avis ein Lächeln: „Nein, alles in Ordnung. Die beiden nördlichen Hexer möchten sicherheitshalber den Wald überprüfen. Ich werde sie führen, schlaf ruhig weiter. Ich bin bald zurück.“ Avis schloss die Augen wieder: „Wenn du mich brauchst, rufe nach mir. Ich werde sofort da sein.“ Proditor war selbst noch im Wald unterwegs, er war so aufgebracht über seinen erneuten Misserfolg, dass er nicht mal daran denken konnte zurück ins Dorf zu gehen und dort sich ein paar Stunden schlafen zu legen: „Wieso sind diese verdammten nördlichen Hexer hier? Sie nerven! Ich wäre bereits Herrscher.“ Schneeflocke hielt etwas Abstand und saß im kühlen Schnee: „Sie werden sicherlich nicht ewig hier bleiben. Vielleicht solltet ihr warten, Meister.“ „Ich werde sicherlich nicht…“, Proditor drehte sich um, „Da stapft jemand durch den Schnee.“ Da Hexer und Hexen auf dem Schnee liefen, könnte es sich höchstens um einen Geschaffenen handeln, aber das glaubte er weniger. Warum sollte ein Geschaffener alleine um diese Zeit im Wald umherlaufen. Viel wahrscheinlicher war, dass schon wieder diese Diener vom Fürsten der Finsternis ihr Glück versuchten ihn zu töten. Lächerlich. Schneeflocke erhob sich aus dem Schnee, die Überreste, die noch an ihm haften blieben, ließ er einfach wo sie waren. Es störte ihn nicht, im Gegenteil, es war sogar sehr angenehm für ihn. Die Schritte hatten gestoppt, nachdem Proditor auf sie aufmerksam geworden war. Nichts war mehr zu hören. Langsam bewegte sich Proditor über den Schnee in die Richtung aus der er die Schritte vernommen hatte. Sein Geschaffener machte sich bereit jederzeit ihn zu unterstützen, blieb aber an Ort und Stelle, da man seine Bewegungen eher hören würde. Die Dunkelheit machte es schwer etwas zu erkennen, überall fielen die Schatten der Bäume hin. Nur das Mondlicht, welches auf die dicke Schneeschicht viel und ein zauberhaftes Glitzern hervorbrachte, erhellte den Wald ein wenig. Schritt für Schritt lief Proditor weiter über den Schnee, bereit jederzeit zuzuschlagen. Er hatte sich schon einige Meter vom seinem Ritualplatz entfernt, als ein wohlbekannter Wolf hinter einem Baum hervorsprang und mit dunklen Magiekugeln auf ihn schoss. Da Proditor bereits auf einen Angriff eingestellt war, ließ er mit einer schwungvollen Handbewegung den Schnee vom Boden sich auftürmen und zur Eiswand erstarren. Die Magiekugeln beschädigten diese, drangen aber nicht hindurch: „Du schon wieder, wo ist dein Begleiter?“ Ein grau getigerter Kater und ein weiterer Wolf mit gräulichem Fell sprangen links und rechts hinter Bäumen hervor, der Schakal vom letzten Mal fehlte. „Du hast ihn auf dem Gewissen“, knurrte der schwarze Wolf, während die anderen beiden nun auch mit dunklen Magiekugeln angriffen. Proditor lief einige Schritte zurück, um mehr Abstand zu ihnen zu halten und begann mit einigen Handbewegungen erneut die Bäume in der Umgebung zum Bewegen zu bringen. Wie beim letzten Mal entwurzelten sie sich, bewegten sich auf die Angreifer zu und schlugen mit den Ästen nach ihnen. Der schwarze Wolf ließ ein Schwert aus dunkler Magie erscheinen und schlug damit auf die Äste ein: „Ich kümmere mich um die Bäume. Versucht an ihn heran zu kommen.“ Schneeflocke löste sich in viele kleine Schneeflocken auf und erhob sich als Schneesturm, der um Proditor herumwirbelte, ihn aber nicht mit einer Flocke berührte und direkt zu den drei Dienern herüberwirbelte. Mit einem starken und eisigen Windstoß warf es die drei zurück, sodass sie im Schnee landeten. Die Bäume ließen unbarmherzig ihre Äste auf sie herunterschlagen. Der graue Wolf hielt die Hände schützend vor sich und schrie schmerzhaft auf, als die Bäume ihn trafen. Währenddessen rollte sich der schwarze Wolf durch den Schnee, er spürte die Kälte am ganzen Leib, aber entkam so dem Angriff und der Kater schwang sich schnell wieder auf die Beine und sprang auf einen der Äste. Der Baum schüttelte ihn jedoch gleich wieder ab, sodass er schreiend erneut im Schnee landete. Proditor lachte amüsiert darüber: „Langsam solltet ihr merken, dass ihr keine Chance gegen mich habt.“ Schneeflocke nahm seine normale Gestalt wieder an und wartete ab, was weiter geschehen würde. „Hört Ihr das?“ hackte Saltus nach und hielt die Hand mit der Fackel in die Richtung, aus der er die Geräusche vernommen hatte. Licht war im dunklen Wald wichtig, sodass er sich eine Fackel mit seiner Hexerei entzündet hatte. Die drei waren schon recht weit vom Dorf entfernt, hatten bisher aber keine Überreste von Ritualen oder Ähnlichem gefunden. Secundus und Princeps folgten seinen Blick und lauschten. Dieses Mal war es deutlich zu hören und Secundus lief direkt schnellen Schrittes über den Schnee in die Richtung: „Ein Schrei.“ Auch Saltus lief los, folgte Secundus nur wenige Schritte hinter ihm, während Princeps als letzter folgte und dabei aufmerksam die Umgebung im Blick behielt. Er hatte mit Spuren gerechnet, aber nicht, dass sie tatsächlich jemanden im Wald antreffen würden. Das war sehr ungewöhnlich. Kaum kam das Geschehen in Sicht, warf Saltus seine Fackel in den Schnee, um die Hände frei zu haben. Diese erlosch sogleich und nur ein Zischen war zu hören. So richtig verstehen tat er allerdings nicht, was dort vor sich ging. Drei Fremde wurden von Bäumen angegriffen und schienen sichtlich Probleme mit der Verteidigung zu haben und der Hexer, der dort stand, das war Proditor. Secundus ließ mit einer schwungvollen Handbewegung, wobei diese grünlich leuchtete, die Bäume in ihrer Position erstarren: „Was geht hier vor?“ Saltus blickte zu Proditor herüber: „Was machst du hier so spät und wer sind die?“ Knurrend blickte Proditor zu Secundus herüber: „Das geht dich einen Mist an, ihr nördlichen Hexer habt hier nichts zu suchen. Verzieht euch!“ Die drei Diener nutzen die Chance um endlich mal wieder richtig auf die Beine zu kommen. Erschöpft atmeten sie auf, während der schwarze Wolf den anderen beiden mit einer Handbewegung deutete ein wenig zurück zu treten. „Hütet eure Zunge“, ermahnte in Princeps, „Ihr macht euch gerade sehr verdächtig. Kommt mit zurück zum Dorf, es gibt da einige Fragen zu klären.“ Proditor lachte darüber: „Als wenn ich mir von euch Möchtegern Überhexern was sagen lasse. Verschwindet oder ihr bereut es.“ „Aber Meister…“, begann Schneeflocke, ehe Proditor ihn mit einem zornigen Blick bedachte und er wieder verstummte. Da von Proditor scheinbar keine Antwort zu erwarten war, wandte sich Saltus an die drei Fremden: „Wer seid ihr?“ Der schwarze Wolf grinste: „Unwichtig, wir verschwinden.“ Fast zugleich verschwanden die drei in schwarzem Rauch, was die Frage im Prinzip beantwortete Dunkelmagier, vermutlich Diener des Fürsten der Finsternis -. „Lasst uns doch erst einmal beruhigen und in Ruhe darüber sprechen“, versuchte Secundus zu vermitteln und machte einen Schritt auf Proditor zu. Die Wut stand Proditor ins Gesicht geschrieben: „Ich hatte euch gewarnt.“ Mit einigen Handbewegungen setzte er Baum für Baum wieder in Bewegung. Ohne sich vom Fleck zu rühren, ließ Secundus die Bäume mit einer einzigen schwungvollen Handbewegung wieder erstarren: „Das hat keinen Sinn, seid doch vernünftig.“ Princeps machte nun einige Schritte auf Proditor zu: „Deine Feindseligkeit lässt vermuten, dass ihr der Hexer bist, der die Flüche ausgesprochen hat. Habe ich nicht recht?“ Knurrend streckte Proditor erneut die Hand aus, hinter ihm erschien schwarzer Rauch und der schwarze Wolf von zuvor tauchte auf. „Pass auf!“ versuchte Saltus ihn noch zu warnen, ehe sich das Schwert aus dunkler Magie durch Proditors Rücken bohrte und der Wolf zusammen mit ihm direkt wieder in schwarzem Rauch verschwand. Die drei liefen zu der Stelle, wo Proditor verschwunden war. Einige Meter weiter sahen sie die freie Fläche mit den Ritualrückständen. Secundus und Saltus gingen dort hin, schauten sich die Rückstände an, sammelten Asche und Kräuterüberreste auf. Princeps hingegen hatte Schneeflocke am Arm gepackt und zog ihn mit zu der Stelle: „Du wirst uns einige Fragen beantworten müssen.“ Die Ohren und den Kopf gesenkt nickte Schneeflocke: „Mein Meister… er ist tot.“ Nachdem Saltus sich mit Princeps, Secundus und Schneeflocke die restliche Nacht befasst hatte, war er müde zu Bett gegangen, gerade als die Sonne begann aufzugehen. Avis war seit einer Stunde wach und kümmerte sich um den eingeschüchterten Schneeflocke. „Noch eine Tasse Schnee?“ fragte Avis ihn und lächelte, „keine Sorge wir finden schon einen neuen Meister für dich, einen der dich gut behandelt.“ Schneeflocke saß mit ihm am Tisch und hatte den Schnee aus der Tasse geleckt. Er war sehr traurig über den Tod seines Meisters, auch wenn er immer sehr streng gewesen war. Außerdem wusste er nicht, wie es jetzt weiter gehen sollte. Während Princeps ihn die meiste Zeit verhört hatte, nahm Saltus ihn immer wieder in Schutz. Daher war er froh in Saltus‘ Heim geblieben zu sein. Princeps und Secundus hatten ihr Gastzimmer im Dorf aufgesucht, um auch etwas zu schlafen. Schneeflocke blickte leicht auf: „Ich glaube, ich würde gerne schlafen, wenn ich darf.“ Avis nickte: „Natürlich, wie schläfst du am liebsten?“ „Im Schnee“, antwortete Schneeflocke kleinlaut. Ihn alleine im Schnee schlafen lassen, konnte Avis nicht, auch nicht ihn dort die ganze Zeit beobachten und dennoch tat er ihm leid: „Gehen wir nach oben. Du kannst auf dem Balkon schlafen, da ist es kühl und ich bleibe am Fenster und passe auf dich auf.“ Schneeflocke nickte: „Danke.“ Einige Tage später hatte sich einer der Hexer im Dorf Schneeflocke angenommen und hatte jetzt auch mehr mit anderen Geschaffenen zu tun. Es schien ihm soweit gut zu gehen. Secundus und Princeps waren gerade wieder bei Saltus zu Besuch, sie saßen bei einer Tasse Tee zusammen. „Saltus, ich weiß Ihr wollt diese Verantwortung nicht, aber denkt doch daran, wie viele Hexer und Hexen ihr schützen könntet. Princeps ist gut, was Regeln und ihre Durchsetzung angeht, ich bin gut in Streitschlichtung und kenne mich mit den Herrscherpflichten aus und ihr könntet für den Schutz zuständig sein. So hättet ihr gar nicht großartig was mit der Durchsetzung von Regeln zu tun oder dem Verhandeln zwischen Herrschern und allem was dazu gehört. Höchstens Vertretungsweise“, versuchte es Secundus erneut, während Saltus an seinem Tee nippte. Avis blickte zu seinem Meister: „Ich halte das für eine gute Idee.“ Ein Seufzen war von Saltus zu hören: „Na gut, Probeweise. Ich schaue mir das mal an, aber wenn es mir nicht zusagt, steige ich direkt wieder aus.“ Princeps nickte: „Dann sollten wir uns aber auf eine Probezeit einigen, nicht das ihr nach 3 Jahren euch einfach aus dem Staub macht.“ „Ein halbes Jahr“, schlug Saltus dann vor und lächelte, „Wenn ich es ein halbes Jahr aushalte, dann bin ich dabei. Aber ich fände es gut, wenn wir uns ab jetzt Duzen, um es zu vereinfachen.“ Secundus lächelte: „Das finde ich eine wunderbare Idee. Da wäre noch eine Sache, du müsstest deinen Namen ablegen. Ab sofort bist du Tertius* , der Dritte.“ „Tertius?“ fragte Saltus verwundert, „Also sind das nicht eure echten Namen?“ Die beiden lachten und Secundus nickte: „Es wäre doch ein sehr seltsamer Zufall gewesen. Princeps ist der Erste, ich bin der Zweite und du der Dritte. Es ist einfach nur ins Lateinische übersetzt. Lasst uns unser Volk in eine gute Zukunft führen.“

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