Die Prophezeiung des Lichts - Teil 1 - Himmel und Hölle by Luna42 Prolog „Damon!“* Die Stille der bisherigen Nacht wurde von einem einzigen Rufen durchbrochen. Er saß im Sand der Wüste, die inzwischen sehr kalt geworden war. Der milchweiße Sandstaub zeichnete sich auf seinen schwarzen Lederstiefeln ab und bildete trotz der nächtlichen Dunkelheit einen starken Kontrast zu seiner Erscheinung. Immer wieder kehrte er hier her zurück, in die Suburra Wüste, seine Heimat. Mit einem tiefen Atemzug erhob er sich mit der ihm angeborenen raubtierhaften Eleganz, wobei sein schwarzes Fell geradezu mit der Dunkelheit zu verschmelzen schien. Seine roten Augen durchbrachen die Nacht, genauso wie die Augen des Dämons, der gerade auf ihn zukam. „Es ist so weit“, verkündete der Heraneilende, „Die Dämonen haben sich versammelt.“ Unkommentiert ließ Damon ihn stehen und lief in ruhigen, gleichmäßigen Bewegungen davon. Die letzten Sandkörner prasselten von seiner schwarzen Stoffhose herab, um sich in dem Meer aus Sand zu verlieren. Auf diesen Moment hatte er gewartet. Endlich hatte er genug Dämonen zusammen, die mit ihm den Ursprung des Lichts suchen würden. Wie sehr sehnte er sich doch nach der ewigen Nacht. "Praeter speciem stultus est"* , sprach der abseits sitzende Schakal zu sich selbst. Mit seinem dunkelbraunen Fell und dem weißen Bauchfell hob er sich von den meisten Dämonen ab. In Laufe der Evolution hatte sich das Fell immer mehr der Nacht angepasst, sodass die meisten Dämonen das typische schwarze Fell hatten, welches man aus dieser Zeit kannte. Seine schwarze Kleidung bestand lediglich aus einer kurzen Stoffhose, Handschuhen und Lederschuhen, welche ihn nur geringfügig in der Dunkelheit verbargen. "Hoffentlich reicht meine Kraft aus, um das Licht aufrecht zu erhalten. Ohne dieses wird die Welt dem Grauen verfallen", versank er erneut in Gedanken. Wie viele andere Dämonen war er von weit her angereist, um sich Damon anzuschließen. Dieser versprach die ewige Dunkelheit, die Vernichtung des Lichts. Er hatte keine Ahnung, was er damit anrichten könnte. Es gab so viel Schlimmeres, als ein paar Kämpfe zwischen Dämonen oder die Gewöhnlichen mit ihrem Aberglauben. Nun kam ihnen allerdings das alte verlassene Dorf der Sterblichen gelegen und Damon nutzte es in der großen Wüste Suburra als seinen Treffpunkt. Die Umrisse der einstigen Häuser verschwanden langsam im Sand und zerfielen mit der Zeit. Mehr als hohle Überreste der hölzernen Bauten waren nicht geblieben. Die Nacht war noch jung. Dennoch hatte er das Gefühl bereits zu spät zu sein. Vielleicht hätte er schon lange zuvor etwas unternehmen sollen. Letzte Geschehnisse vor der Suche nach dem Ursprung des Lichts. „Fata viam invenient“ – Das Schicksal findet seinen Weg. Und es wird nicht aufzuhalten sein. Kapitel 1 - Die Entstehung Seit Monaten waren sie bereits unterwegs und hatten die verschiedenen Wüstengebiete abgesucht. Nichts hatten sie gefunden. Wenn der Ursprung des Lichts nicht in der Wüste zu finden war, wo sollte es dann zu finden sein? An keinem Ort der Welt gab es sonst so viel Licht. „Damon!“, rief einer der Dämonen ihm zu. „Was ist?“, knurrte er. „Was ist nun? Wie vernichten wir das Licht? Glaubst du wir sind dir alle monatelang durch die Wüste gefolgt, um hier jetzt rum zu hocken und nichts zu tun?“, beschwerte sich der Dämon. Damon lachte amüsiert: „Ihr seid doch alle nichts ohne mich.“ Der Dämon wand sich ab und ließ Damon allein. Damon grinste überlegen. Er hatte gewusst, dass er es nicht wagen würde ihn anzugreifen. Sie waren ohne ihn tatsächlich nichts. Was würden sie schon tun, wenn er nicht wäre? Kämpfen würden sie, kämpfen. Ein Kampf der schon seit Jahrtausenden tobte und kein Dämon je als Sieger hervorging. Ihr hitziges Temperament und die kämpferische Ader entsprangen dem kochenden Blut in ihrem Körper. Nahrung wurde zu Asche, sobald sie die Kehle hinab floss. Ihre Unsterblichkeit sowie die natürliche Überlegenheit in Kraft, Schnelligkeit und allen Sinnen gegenüber der Gewöhnlichen machten sie zu einem furchteinflößenden Gegner. So gut wie alle Dämonen bezogen ihre Kraft aus der Dunkelheit. Sie nannten es die dunkle Magie. Nur sehr wenige Dämonen verfügten über Lichtmagie oder gar Naturmagie. Einer der Hauptgründe, warum Damon so sehr nach der Vernichtung des Lichts strebte. Er wollte Macht. Eine Macht die ihm nur die Dunkelheit gab, die ihn und all die anderen Dämonen stärken würde. Der Tag würde ihre Kräfte nicht länger abschwächen. Zudem war Damon der einzige Dämon ohne besondere Fähigkeit. Jeder Dämon besaß diese, obwohl die Vielzahl zu den Blutdämonen gehörte, gefolgt von Werwölfen, den Golem, den Gestaltwandlern und einigen mehr. Erst hatte Damon geglaubt, dass er einfach eine einzigartige Fähigkeit hätte, aber nun war er bereits 2.501 Jahre alt und glaube nicht mehr daran. Ihm war keine Fähigkeit gegeben und niemals dürfte das jemand erfahren. Damon erhob sich von dem Stein, auf dem er gesessen hatte und sah in die Runde. Es war nicht die Hitze, die den Dämonen zu schaffen machte, sondern die Erfolglosigkeit. Sie waren in mitten von Sand und Gestein, wo höchstens die Klapperschlangen sich hier und dort zeigten. Damons tiefschwarzes Fell wurde nur an den dunkelgrauen Ohrenspitzen sowie dem ebenfalls dunklem, grauem Schweifende in der typischen Fuchsfellzeichnung unterbrochen. Über 50 Dämonen hatten sich ihm angeschlossen, davon waren einige sehr bekannt und gefürchtet. Die Nennenswertesten waren Metos* - das Narbengesicht, Verentia* die Ehrfürchtige, Falx* der Herzlose und Dimicatio* der Schattentorwächter. Narbengesicht nannte man Metos vor allem, weil sein Gesicht, sowie das meiste seines Körpers von Narben übersät war. Im Gegensatz zu den meisten Dämonen war sein Fell nicht schwarz, sondern hatte lediglich einen sehr dunklen Grauton. Trotz seiner Narben war er ein sehr gut durchtrainierter und ansehnlicher Kojote. Verentia hingegen war eine der wenigen Dämoninnen, die sich an den Kämpfen beteiligte. Eine Dämonin war zu kostbar, als das sie sich in Gefahr begeben sollte, dennoch konnte man ihr das nicht verbieten. Den Titel „die Ehrfürchtige“ verdankte sie zu einem dem Respekt der anderen Dämoninnen, aber auch ihrer rücksichtslosen Art sich gegen die anderen Dämonen durchzusetzen. Hätte sie einen Gefährten haben wollen, würden sich unzählige Dämonen um sie reißen. Mit ihrem schwarzem Fell, ihrer Eleganz und ihrer Kraft war sie eine begehrenswerte Wölfin. Ein ebenfalls schwarzer Wolf, war der Herzlose. Falx fand diesen Titel eher amüsant. Lediglich ein Vorfall hatte ihm diesen beschert, bei dem er in seiner verwandelten Form einen anderen Dämon gefressen hatte, der ihn zutiefst beleidigt hatte. Er hatte sich von seiner Wut mitreißen lassen. Der dunkelbraune Schakal Dimicatio war der Schattentorwächter. Niemand genau wusste eigentlich was er da bewachte, jedoch interessierte das auch niemanden wirklich. Dimicatio selbst nannte es das Schattentor. Damon traute Dimicatio jedoch nicht, denn dieser mischte sich immer und überall ein und sprach vom Gleichgewicht der Welt. Was für ein Unsinn das doch war. Er würde das Gleichgewicht der Welt selbst bestimmen. Wer brauchte schon das Licht? Dimicatio war daher einer der Kandidaten vor denen Damon ständig auf der Hut war. Damon räusperte sich, um die Aufmerksamkeit der Anwesenden zu erhalten. Alle blickten ihn an. Grinsend verkündete er: „Wir werden den Ort aufsuchen, an dem das Licht schon immer schwer zu kämpfen hatte.“ Die Dämonen sahen sich fragend an. Damon hatte geahnt, dass sie das nicht verstehen würden. Sie waren doch so dumm, also begann er es zu erklären: „Seit Ewigkeiten gedeihen Pflanzen und Tiere im Dunkel. Dort wo kaum ein Lichtstrahl hindurch dringt. Doch die gewöhnlichen Sterblichen lieben das Licht und sie haben Tempel gebaut, um dieses zu ehren. Viele dieser Tempel stehen dort und in einem von ihnen könnte das Geheimnis des Lichts verborgen sein. Ihr versteht es noch immer nicht?“ Er lachte laut: „Ich spreche vom Dschungel, ihr Idioten!“ Ein kleiner Tumult kam auf. Die Dämonen waren sich nicht sicher, ob sie Damon Glauben schenken sollten. Würden sie wirklich dort etwas finden oder wäre es nur reine Zeitverschwendung. Ob man das Licht wirklich vernichten konnte? Ganze drei Minuten sah sich Damon das Geschwafel an, dann ergriff er erneut das Wort: „Entscheidet euch jetzt. Geht oder folgt mir! Ich will keine Sekunde warten! Wer sich nicht sicher ist, bleibt zurück!“ Mit diesen Worten wand er ihnen den Rücken zu und Schritt voran durch die Wüste. Er drehte sich nicht um, ob und wie viele ihm folgten. Es war ihm egal. Nichts in der Welt würde ihn von seinem Vorhaben abhalten, nicht einmal die mangelnde Treue seiner Begleiter. Die ersten, die Damon folgten waren Falx und Dimicatio, kurz darauf auch Metos und einige andere Dämonen. Verentia zögerte. Ihr Blick fiel auf die Gruppe Dämonen, welche den entgegengesetzten Weg eingeschlagen hatten. „Damon“, rief sie. Damon lief weiter, antwortete jedoch: „Was ist?“ Sie erhob drohend die Stimme: „Wenn wir dort nichts finden, bringe ich dich um!“ Er begann amüsiert zu lachen. Nun folgte auch Verentia der Truppe. Damon mitgezählt waren sie nur noch 15 Dämonen, die den Weg fortsetzten. Die anderen waren unschlüssig stehen geblieben oder gegangen. Mehrere Wochen waren sie unterwegs, ehe sie den Dschungel erreichten. Die uralten Bäume waren im Laufe der Jahrhunderte zu voller Größe heran gewachsen. Jüngere Pflanzen kämpften um jeden Lichtstrahl, der durch das dichte Blätterdach einfiel und standen dabei so nah beisammen, dass ein durchdringen fast unmöglich war. Zudem versperrten unzählige Rankpflanzen die möglichen Pfade durch den Dschungel. Schon seit Ewigkeiten musste hier kein Sterblicher mehr gewesen sein. Damon ging voraus und nahm keine Rücksicht auf das, was ihm den Weg versperrte. Er trampelte Büsche nieder, stieß mit seiner Kraft ganze Bäume um, jeder Ast der es wagte seinen Weg zu kreuzen wurde kurzer Hand ausgerissen. Der erste Tempel, denn sie erreichten, war total zu gewuchert. Nur hier und da verrieten Steinplatten und dessen Verzierungen, dass irgendwo darunter ein größeres Gebäude zu finden war. „Verdammtes Grünzeug!“, fluchte Damon und riss es Stück für Stück in zwei. Falx stöhnte genervt auf: „Warum brennen wir es nicht einfach nieder?“ „Willst du einen Waldbrand riskieren, du Narr?“ fauchte Verentia ihn an. Die anderen Dämonen begannen nun mitzuhelfen den Tempel zu befreien. „Hier! Hier ist der Eingang!“ rief Metos, der soeben das Tor freigelegt hatte. Sofort brachen alle ihre Arbeit ab und eilten zu Metos. Damon musterte das Tor und versuchte die Inschriften zu entziffern. „Ave! Introite, nam et hic dii sunt“ , lass er laut vor und fing an zu lachen. Da Metos kein Latein gelernt hatte, erkundigte er sich nach der Bedeutung: „Was steht dort?“ Dimicatio erhob nun zum ersten Mal das Wort: „Seit gegrüßt! Tretet ein, den auch hier sind Götter.“ Nun verstand Metos das Lachen von Damon. Auch die anderen grinsten. Die Sterblichen hatten es schon immer vorgezogen allem und jedem einen Gott zu geben. Die Sonne hatte einen Gott, der Mond, selbst das Meer und einige Tiere. Dämonen war das unerklärlich wie dumm man sein musste, um sich so einen Unsinn auszudenken. Damon schlug mit der Faust gegen die steinerne Tür. Zu seinem Erstaunen rührte sie sich nicht. Er knurrte verärgert, als er Falx unterdrücktes Lachen vernahm. „Sicherlich gibt es einen Mechanismus, um sie zu öffnen“, bemerkte Metos, „Sterbliche verfügen nicht über so viel Kraft.“ Damon drehte sich zu den anderen um, lehnte sich an die verschlossene Tür und verschränkte die Arme: „So, du Klugscheißer, dann sag mir doch mal, wie dieser Mechanismus funktioniert.“ Er zuckte mit den Schultern: „Ich habe keine Ahnung. Das ist eine reine Vermutung.“ Verentia ging zu der steinernen Tür und stieß Damon unsanft beiseite. Damon knurrte erneut und machte ihr Platz. Sie begann die Tür abzutasten, jede Ecke und auch die Inschrift. Es tat sich nichts. „Ultra posse nemo obligatur“ , sagte Dimicatio beiläufig. Damon ging nun an die Decke: „Du verdammter Heuchler! Ich weiß genau, warum du hier bist! Du willst uns von unserem Vorhaben abhalten! Allein deswegen folgst du mir, aber da hast du dich geschnitten! Ich habe dich längst durchschaut!“ Metos sah total verwirrt drein: „Was hat er gesagt?“ Falx war genauso verwirrt, obwohl er den Satz verstanden hatte. Zur Erklärung sagte er ihn leise vor sich her, sodass Metos ihn noch hören konnte: „Niemand ist verpflichtet unmögliches zu leisten.“ Dimicatio hob unschuldig die Hände und schüttelte dabei den Kopf: „Tut mir leid, mein Freund.“ „Nenn mich nicht Freund“, fauchte Damon, „ich habe keine Freunde und du zählst erst recht nicht dazu!“ Verentia unterbrach die beiden mit einem freudigen Aufschrei: „Ich hab’s!“ Im gleichen Moment öffnete sich die Tür, indem sie beiseitegeschoben wurde. Damon wand sich von Dimicatio ab und ging leicht knurrend hinein. Gleich nach ihm schritt Verentia hindurch: „Es war ein ganz kleiner Schalter.“ Metos klopfte ihr auf die Schulter, während er den beiden folgte: „Gut gemacht!“ Dimicatio und Falx folgten ebenfalls und hinter ihnen die restlichen zehn Dämonen. Es war düster und wurde immer dunkler, umso tiefer sie hinein gingen. Ihnen machte das jedoch nichts aus. Sie konnten alle im Dunkeln sehen. Eine Fähigkeit, die jedem Dämon gegeben war. An den Wänden waren unzählige Verzierungen, Zeichnungen und auch Inschriften, jedoch warfen sie alle nur beiläufig einen Blick darauf. Der Gang war schmal und so mussten sie einzeln hintereinander laufen. Damon blieb nach einer Weile abprubt stehen. „Was ist los?“, wollte Metos wissen. Von seiner Position aus konnte er nichts sehen, sowie die Dämonen hinter ihm auch nicht. Verentia sah jedoch noch genug: „Eine Schlucht. Die Brücke ist gerissen.“ Ein Knurren ging von Damon aus: „Wir klettern hinunter und laufen hinüber, dann geht’s wieder hinauf.“ „Was, wenn wir dort gar nichts finden?“ wollte Falx wissen, „der Aufwand könnte sich überhaupt nicht lohnen.“ Ein erneutes Knurren kam von Damon: „Dort drüben steht Lux aeterna. Bevor Metos fragen konnte übersetzte Dimicatio bereits: „Ewiges Licht.“ „Ah!“ kam von Metos, als Ausdruck der Erkenntnis. Damon begann nach unten zu klettern. Verentia blickte nun erst einmal über die Schlucht und auch in die Tiefe: „Wer weiß, wo das Ende ist. Wir könnten ewig klettern.“ Sie deutete an die Decke: „Dort oben sind Harken an denen die Brücke befestigt wurde.“ Damon versuchte an der Wand der Schlucht geheftet einen Blick zu den Harken zu erhaschen: „Na und? Die sind viel zu weit oben, als das sie uns etwas nutzen würden.“ Verentia verdrehte die Augen: „Asinus!“ Falx lachte laut und Metos fühlte sich schon wieder übergangen: „Also wenn wir das alles hinter uns gebracht haben, lerne ich Latein.“ Dimicatio lachte nun auch: „Sie nannte ihn einen Dummkopf.“ Metos grinste nun breit, verkniff sich aber ein Lachen. Damon knurrte in sich hinein und sagte dazu jedoch nichts. Stattdessen wartete er ab, was Verentia nun vorhatte. Sie ließ eine Peitsche aus dunkler Magie erscheinen, sprang hinauf zu den Harken und schwang sie so, dass sie sich um den ersten Harken wickelte. Dann schwang sie hinüber und ließ dabei bereits die zweite dunkle Magiepeitsche erscheinen. Auch diese wickelte sich um den nächsten Harken, die alte Peitsche ließ sie los und sogleich verschwand diese auch. So fuhr sie fort, bis sie auf der anderen Seite angelangt war. Mit einem großen Satz landete sie gerade so auf sicherem Boden sowie auf ihren Füßen. Ein Lachen war von ihr zu hören, als sie sich umdrehte und die Hände in die Hüfte stemmte: „So ihr Angsthasen. Wer kommt rüber oder soll ich alleine weiter gehen?“ Metos wollte bereits loslegen, doch Damon kam in dem Moment wieder hoch und stieß ihn zurück: „Ich zuerst!“ Genau wie Verentia sprang er nach oben und schwang sich dann mithilfe seiner schwarzen Magiepeitschen hinüber. Auch er landete auf seinen Füßen. „Ha!“ wand er sich überheblich an Verentia und schritt an ihr vorbei, als wäre sie das letzte Stück Dreck. Verentia hielt sich kurz den Bauch und beugte sich leicht nach vorne, als würde ihr schlecht von seinem Anblick werden. Metos lachte leise und legte dann ebenfalls los. Stück für Stück kamen sie dann einer nach dem anderen hinüber. Der elfte an der Reihe sprang jedoch nicht hoch genug und stürzte kreischend in die Tiefe. Nach diesem Unglück trauten sich die anderen vier nicht hinüber. „Ihr Feiglinge!“ schrie Falx hinüber, „dann bleibt doch hier!“ Sie gingen weiter und ließen die vier zurück. Der Gang auf dieser Seite war um einiges breiter, sodass locker vier Leute nebeneinander hätten laufen können. Damon lief voraus, wie nicht anders zu erwarten war. Als der Gang sich in zwei spaltete, wählte Damon ohne groß darüber nachzudenken einen Weg. Dimicatio rief ihm hinterher: „Quo vadis?“ Von Damon kam irgendwas Geknurrtes zurück, was jedoch keiner verstand, da er es zu leise sagte. Verentia begann die Inschriften zu lesen. Metos sah Damon noch hinterher: „Wo geht er hin? Er weiß doch gar nicht, ob der Weg richtig ist.“ Dimicatio zuckte mit den Schultern: „Ich weiß nicht, das habe ich ihn auch gefragt.“ Falx sah sich die vielen Inschriften nun ebenfalls an: „Steht da irgendwas Brauchbares?“ Verentia deutete auf eine Inschrift Per crucem ad lucem: „Durch das Kreuz ans Licht.“ „Was für ein Kreuz?“ war Metos zuerst ausgesprochener Gedanke. Sie begannen die Wände nach einem Kreuz abzusuchen, aber nirgends war eins zu finden. Nachdenklich schritt Verentia hin und her. Die anderen Dämonen hatten sich bereits auf den Boden sinken lassen und warteten ab, was geschehen würde. Nur die vier gaben nicht auf. Während Verentia weiter nachdachte, tasteten Dimicatio, Falx und Metos die Wände ab. Bevor sie jedoch zu einem Entschluss kamen, hörten sie Schritte. Damon kam zurück: „Da ist eine Tür mit einem dämlichen Kreuz drauf. Da kommen wir nicht weiter.“ Er knurrte verärgert und wollte schon den anderen Weg wählen, doch da rief Verentia bereits: „Das muss es sein!“ In ihrer Begeisterung packte sie Damons Kopf und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Dann eilte sie in den Gang. Die anderen drei folgten ihr und auch die Dämonen, die das Faulenzen vorgezogen hatten, rappelten sich nun auf und gingen den Vieren nach. Damon sah ihnen angewidert hinterher und entschied sich dann doch zu folgen. Sie kamen an einer Holztür mit einem silbernen Kreuz an. Falx lachte: „Und da bist du nicht weiter gekommen. Die ist doch nur aus Holz.“ Er holte mit der Faust aus und donnerte sie gegen die Tür, ein grelles Licht erfasste ihn und schleuderte ihn zurück, sodass er gegen Metos knallte und beide zu Boden gingen. Metos stieß Falx von sich und stand auf: „Ist dir das auch passiert Damon?“ Damon grinste breit: „Nein, bei mir hat sich nichts getan. Die Tür ließ sich nur nicht zerstören.“ Falx stand auch wieder auf und rieb sich die Arme: „Es ist als hätte mich gerade ein Blitz getroffen.“ Kopfschüttelnd umfasste Verentia den Türgriff: „Wenn dich ein Blitz getroffen hätte, wärst du tot.“ Sie drückte die Türklinke herunter und drücke hingegen. Als sich nichts tat, versuchte sie es noch einmal mit ziehen. „Hm“, machte sie. „Was hm?“ fauchte Damon, „es geht nicht. Wir müssen uns einen anderen Weg suchen.“ „Nolens volens - wohl oder übel“, stimmte Dimicatio zu. Metos war erfreut, dass Dimicatio dieses Mal gleich übersetzt hatte, was er von sich gegeben hatte. Damon knurrte jedoch und änderte sofort seine Meinung: „Es muss einen Weg durch diese Tür geben.“ Dimicatio konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Damon und Verentia begannen die Inschriften auf den Wänden zu lesen. Während Falx die Tür vorsichtig betastete: „Wie kann eine Tür einen so zurück feuern?“ Metos stand hinter ihm und zuckte mit den Schultern: „Sag lieber nichts schlechtes über sie. Ich möchte dich nicht noch einmal abbekommen.“ Dimicatio setzte sich zu der faulen Bande Dämonen, die keinen Finger rührten: „Non possumus.“ „Vero?“ antwortete einer der Dämonen. „Certum“ , erwiderte Dimicatio. Die Dämonen sahen sich verwundert an. „Bist du dir wirklich sicher?“ wollte einer von ihnen erneut wissen. Dimicatio grinste: „Das sagte ich doch bereits. Es ist unmöglich und ich bin mir sicher.“ Einer der Dämonen stand auf: „Dann gehe ich. Es ist reine Zeitverschwendung.“ Die anderen Dämonen nickten und folgten seinem Beispiel. Dimicatio stand ebenfalls auf, kehrte aber zu den vier anderen zurück: „Die fünf sind jetzt auch abgehauen. Wir sind also nur noch unter uns.“ Falx lachte darüber: „Die waren eh keine Hilfe, eher eine Belastung.“ Damon jedoch knurrte: „Wir hätten sie noch gebrauchen können. Wir wissen nicht, wie stark der Ursprung des Lichts tatsächlich ist. Ihre Kräfte hätten uns unterstützen können.“ „Nun ist es eh nicht zu ändern“, bemerkte Verentia, während sie weiter die Inschriften lass. „Fiat lux“ , lass Falx vor, der gerade diese Worte unter der Türklinke entdeckt hatte. Kaum hatte er es ausgesprochen, ging die Tür wie durch Zauberhand auf. Damon verdrehte die Augen: „Es werde Licht? Darauf hätten wir auch kommen können.“ Als sie den Raum dahinter betraten, wurde dieser hell von Fackeln erleuchtet. Der Raum war außen rund und am Rand standen überall verzierte Säulen. In der Mitte stand ein Springbrunnen, indem das Wasser plätscherte. Der ganze Raum schien aus weißem Marmor gebaut zu sein. Damon ging auf den Springbrunnen zu. Die anderen vier sahen sich noch im Raum um. Sein Blick viel auf die Inschrift des Brunnens Lux aeterna. Mit einer Hand strich er über die Schrift: „Ewiges Licht…“ Er kletterte auf den Springbrunnen, sodass er mit den Füßen im Wasser stand. Seine Hand streckte er der Fontäne entgegen, als er sie berührte, leuchtete all das Wasser auf, flog hinauf und bildete eine leuchtende Kugel. Dimicatio war mit einem Satz bei Damon und warf ihn um: „Rühr sie nicht an! Du weißt nicht, was du tust!“ Damon lachte: „Ich hab’s doch gewusst, du Verräter!“ Die beiden rollten im Springbrunnen hin und her, dabei hagelte die Fäuste der beiden aufeinander ein. Falx und Metos kamen angerannt. Sie packten Dimicatio und zogen ihn von Damon weg. Damon grinste breit: „Ha! Jetzt darfst du zusehen, wie ich das Licht vernichten werde!“ Dimicatio schloss einmal schmerzvoll die Augen ehe er sie wieder öffnete: „Dum spiro spero.“* Damon begann seine ganze Macht zu sammeln, die tiefste Dunkelheit beschwor er herauf und schickte diese dämonische Macht auf die Lichtkugel. Die Dunkelheit umkreiste die Kugel erst nur, dann drang sie ins Licht ein. Es gab einen gewaltigen Knall. Alle fünf Dämonen wurden von der Explosion gegen die Wand gedonnert. Als der Rauch sich lichtete, standen dort wo einst der Brunnen stand und nur noch steinerne Überreste daran erinnerten, zwei Fledermäuse. Eine schwarz wie die Nacht mit ein paar blutroten Stellen an Ohren und Kopf. Die andere weiß wie Schnee mit goldenen Stellen, ganz wie bei der anderen Fledermaus. Die schwarze Fledermaus zierte ein Widdergeweih, während die weiße Fledermaus an gleicher Stelle zwei winzige weiße Flügel hatte. Die fünf starrten fassungslos auf die beiden Fledermäuse. Damon erhob sich nun und knurrte: „Wer seid ihr?“ „Ich bin Gabriel“, antwortete die weiße Fledermaus. Kurz darauf setzte die schwarze fort: „Und ich der Fürst der Finsternis, Satan.“ Metos zeigte leicht zitternd auf Satan: „Wenn du der Fürst der Finsternis bist, dann ist das…“ Gabriel nickte: „Der Fürst des Lichts.“ Damon ging sogleich auf Gabriel los, dieser wich ihm aus. „Warum so feindselig, Damon?“, fragte Gabriel, „du hast uns schließlich erschaffen. Vorher waren wir nur ein Teil des Lichts und der Finsternis. Zwei Brüder, die das Gleichgewicht der Welt hervor brachte.“ Entsetzen machte sich auf Damons Gesicht breit: „Ich? Ich habe euch erschaffen?“ Satan lachte finster: „So ist es. Dadurch sind wir leider an dich gebunden, aber wie es aussieht, kannst du gar nicht sterben.“ Jetzt war Damon noch verwirrter: „Ich kann nicht sterben?“ Die anderen Dämonen wiederholten es fast gleichzeitig und ebenso fassungslos: „Er kann nicht sterben?“ Satan wand sich ab. Er hatte kein Interesse an einem solchen Gespräch: „Ich verschwinde!“ Mit diesen Worten löste er sich in schwarze Federn auf und nichts außer einem rauchigen Geruch erinnerte mehr daran, dass er einmal dort gewesen war. Gabriel zeigte sich jedoch geduldiger: „Du hast eine besondere Fähigkeit, Damon. Wenn du einst sterben solltest, wirst du nicht ins Jenseits einkehren, wie andere Seelen es tun. Deine Seele wird umher wandern und schließlich wiedergeboren werden. Damit deine Wiedergeburt uns nicht doch noch mit in den Tod reißt, werde ich bereits jetzt bestimmen, was für eine Fähigkeit du dann erhalten wirst.“ Damon knurrte: „Was? Dazu hast du überhaupt nicht das Recht!“ Doch ehe er weitere Wiederworte von sich geben konnte, streckte Gabriel bereits die Hand aus und um Damon erschien einen kurzen Augenblick ein Licht. Damon sah verwirrt an sicher herunter: „Was für …?“ Aber als er wieder zu Gabriel sah, war dieser verschwunden und nur noch eine letzte weiße Feder löste sich im Nichts auf, während es im Raum frisch wie an einem Frühlingsmorgen roch. Satan und Gabriel hatten sich beide aufgemacht ihre Reiche zu erschaffen. Dazu spalteten sie das Jenseits auf. Satan gründete die Hölle, in die alle verdorbenen Seelen nach ihrem Tode einkehren würden. Es war eine unendlich weite Höhle, mit Lavaflüssen, die man durch kleine Rundbrücken überqueren konnte. Es gab viel Asche und Staub, der entweder sich auf dem Boden sammelte oder die Luft verpestete. Umringt von einem Lavagraben, denn man nur über zwei Brücken überqueren konnte, lag ein finsteres Schloss. Über ihm kreisten die Fledermäuse und steinerne Kreaturen verzierten es. Dort würde Satan leben, in seinem Thronsaal, der zur Hälfte so dunkel war, dass selbst Dämonen nicht genug Sehkraft hatten, um dort etwas zu erkennen. Gabriel erschuf den Himmel. Der ganze Boden war bedeckt mit den wunderschönsten Blumen, die alle ständig blühten. Mitten drin, stand ein weißes Schloss, welches mit weißen Krähenstatuen geschmückt war. Auch Gabriel schuf sich einen Thronsaal, doch dieser war hell erleuchtet, so sehr, dass es jeden anderen in den Augen schmerzte dort hinein zu blicken. Doch beide waren sie einsam und so schufen sie sich ihre eigenen Wesen. Satan nannte sie die Höllendämonen. Sie waren gewöhnlichen Tieren nachempfunden, jedoch viel größer. Außerdem hatten sie weder Fell, noch einen intakten Körper. An vielen Stellen konnte man Muskeln oder Sehnen sehen oder gar das Skelett des Höllendämons. Es schien fast, als würden sie verfaulen. Gabriel hingegen erschuf Wesen aus reinem Licht. Er taufte sie Engel und sich selbst ernannte er zum Erzengel Gabriel. Man konnte durch die Engel hindurch sehen, sie hatten Körper aus Licht und Flügel, ihre Arme konnte man erahnen sowie ihre Hände, doch Beine schienen sie nicht zu haben. Sie sangen wunderbare Lieder und bildeten Chöre. Schon bald waren die bereits vorhandenen Seelen aus dem Jenseits aufgeteilt. Satan sperrte sie fort in die abgelegenste Ecke der Hölle. Doch Gabriel ließ seine Seelen frei umher wandern im Himmel. Viele sangen auch gemeinsam mit den Engeln. Gabriel und Satan verbrachten jedoch trotz allem die meiste Zeit in ihren Thronsälen.
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Die Prophezeiung des Lichts - Teil 1 - Himmel und Hölle by Luna42 Prolog „Damon!“* Die Stille der bisherigen Nacht wurde von einem einzigen Rufen durchbrochen. Er saß im Sand der Wüste, die inzwischen sehr kalt geworden war. Der milchweiße Sandstaub zeichnete sich auf seinen schwarzen Lederstiefeln ab und bildete trotz der nächtlichen Dunkelheit einen starken Kontrast zu seiner Erscheinung. Immer wieder kehrte er hier her zurück, in die Suburra Wüste, seine Heimat. Mit einem tiefen Atemzug erhob er sich mit der ihm angeborenen raubtierhaften Eleganz, wobei sein schwarzes Fell geradezu mit der Dunkelheit zu verschmelzen schien. Seine roten Augen durchbrachen die Nacht, genauso wie die Augen des Dämons, der gerade auf ihn zukam. „Es ist so weit“, verkündete der Heraneilende, „Die Dämonen haben sich versammelt.“ Unkommentiert ließ Damon ihn stehen und lief in ruhigen, gleichmäßigen Bewegungen davon. Die letzten Sandkörner prasselten von seiner schwarzen Stoffhose herab, um sich in dem Meer aus Sand zu verlieren. Auf diesen Moment hatte er gewartet. Endlich hatte er genug Dämonen zusammen, die mit ihm den Ursprung des Lichts suchen würden. Wie sehr sehnte er sich doch nach der ewigen Nacht. "Praeter speciem stultus est"* , sprach der abseits sitzende Schakal zu sich selbst. Mit seinem dunkelbraunen Fell und dem weißen Bauchfell hob er sich von den meisten Dämonen ab. In Laufe der Evolution hatte sich das Fell immer mehr der Nacht angepasst, sodass die meisten Dämonen das typische schwarze Fell hatten, welches man aus dieser Zeit kannte. Seine schwarze Kleidung bestand lediglich aus einer kurzen Stoffhose, Handschuhen und Lederschuhen, welche ihn nur geringfügig in der Dunkelheit verbargen. "Hoffentlich reicht meine Kraft aus, um das Licht aufrecht zu erhalten. Ohne dieses wird die Welt dem Grauen verfallen", versank er erneut in Gedanken. Wie viele andere Dämonen war er von weit her angereist, um sich Damon anzuschließen. Dieser versprach die ewige Dunkelheit, die Vernichtung des Lichts. Er hatte keine Ahnung, was er damit anrichten könnte. Es gab so viel Schlimmeres, als ein paar Kämpfe zwischen Dämonen oder die Gewöhnlichen mit ihrem Aberglauben. Nun kam ihnen allerdings das alte verlassene Dorf der Sterblichen gelegen und Damon nutzte es in der großen Wüste Suburra als seinen Treffpunkt. Die Umrisse der einstigen Häuser verschwanden langsam im Sand und zerfielen mit der Zeit. Mehr als hohle Überreste der hölzernen Bauten waren nicht geblieben. Die Nacht war noch jung. Dennoch hatte er das Gefühl bereits zu spät zu sein. Vielleicht hätte er schon lange zuvor etwas unternehmen sollen. Letzte Geschehnisse vor der Suche nach dem Ursprung des Lichts. „Fata viam invenient“ – Das Schicksal findet seinen Weg. Und es wird nicht aufzuhalten sein. Kapitel 1 - Die Entstehung Seit Monaten waren sie bereits unterwegs und hatten die verschiedenen Wüstengebiete abgesucht. Nichts hatten sie gefunden. Wenn der Ursprung des Lichts nicht in der Wüste zu finden war, wo sollte es dann zu finden sein? An keinem Ort der Welt gab es sonst so viel Licht. „Damon!“, rief einer der Dämonen ihm zu. „Was ist?“, knurrte er. „Was ist nun? Wie vernichten wir das Licht? Glaubst du wir sind dir alle monatelang durch die Wüste gefolgt, um hier jetzt rum zu hocken und nichts zu tun?“, beschwerte sich der Dämon. Damon lachte amüsiert: „Ihr seid doch alle nichts ohne mich.“ Der Dämon wand sich ab und ließ Damon allein. Damon grinste überlegen. Er hatte gewusst, dass er es nicht wagen würde ihn anzugreifen. Sie waren ohne ihn tatsächlich nichts. Was würden sie schon tun, wenn er nicht wäre? Kämpfen würden sie, kämpfen. Ein Kampf der schon seit Jahrtausenden tobte und kein Dämon je als Sieger hervorging. Ihr hitziges Temperament und die kämpferische Ader entsprangen dem kochenden Blut in ihrem Körper. Nahrung wurde zu Asche, sobald sie die Kehle hinab floss. Ihre Unsterblichkeit sowie die natürliche Überlegenheit in Kraft, Schnelligkeit und allen Sinnen gegenüber der Gewöhnlichen machten sie zu einem furchteinflößenden Gegner. So gut wie alle Dämonen bezogen ihre Kraft aus der Dunkelheit. Sie nannten es die dunkle Magie. Nur sehr wenige Dämonen verfügten über Lichtmagie oder gar Naturmagie. Einer der Hauptgründe, warum Damon so sehr nach der Vernichtung des Lichts strebte. Er wollte Macht. Eine Macht die ihm nur die Dunkelheit gab, die ihn und all die anderen Dämonen stärken würde. Der Tag würde ihre Kräfte nicht länger abschwächen. Zudem war Damon der einzige Dämon ohne besondere Fähigkeit. Jeder Dämon besaß diese, obwohl die Vielzahl zu den Blutdämonen gehörte, gefolgt von Werwölfen, den Golem, den Gestaltwandlern und einigen mehr. Erst hatte Damon geglaubt, dass er einfach eine einzigartige Fähigkeit hätte, aber nun war er bereits 2.501 Jahre alt und glaube nicht mehr daran. Ihm war keine Fähigkeit gegeben und niemals dürfte das jemand erfahren. Damon erhob sich von dem Stein, auf dem er gesessen hatte und sah in die Runde. Es war nicht die Hitze, die den Dämonen zu schaffen machte, sondern die Erfolglosigkeit. Sie waren in mitten von Sand und Gestein, wo höchstens die Klapperschlangen sich hier und dort zeigten. Damons tiefschwarzes Fell wurde nur an den dunkelgrauen Ohrenspitzen sowie dem ebenfalls dunklem, grauem Schweifende in der typischen Fuchsfellzeichnung unterbrochen. Über 50 Dämonen hatten sich ihm angeschlossen, davon waren einige sehr bekannt und gefürchtet. Die Nennenswertesten waren Metos* - das Narbengesicht, Verentia* die Ehrfürchtige, Falx* der Herzlose und Dimicatio* der Schattentorwächter. Narbengesicht nannte man Metos vor allem, weil sein Gesicht, sowie das meiste seines Körpers von Narben übersät war. Im Gegensatz zu den meisten Dämonen war sein Fell nicht schwarz, sondern hatte lediglich einen sehr dunklen Grauton. Trotz seiner Narben war er ein sehr gut durchtrainierter und ansehnlicher Kojote. Verentia hingegen war eine der wenigen Dämoninnen, die sich an den Kämpfen beteiligte. Eine Dämonin war zu kostbar, als das sie sich in Gefahr begeben sollte, dennoch konnte man ihr das nicht verbieten. Den Titel „die Ehrfürchtige“ verdankte sie zu einem dem Respekt der anderen Dämoninnen, aber auch ihrer rücksichtslosen Art sich gegen die anderen Dämonen durchzusetzen. Hätte sie einen Gefährten haben wollen, würden sich unzählige Dämonen um sie reißen. Mit ihrem schwarzem Fell, ihrer Eleganz und ihrer Kraft war sie eine begehrenswerte Wölfin. Ein ebenfalls schwarzer Wolf, war der Herzlose. Falx fand diesen Titel eher amüsant. Lediglich ein Vorfall hatte ihm diesen beschert, bei dem er in seiner verwandelten Form einen anderen Dämon gefressen hatte, der ihn zutiefst beleidigt hatte. Er hatte sich von seiner Wut mitreißen lassen. Der dunkelbraune Schakal Dimicatio war der Schattentorwächter. Niemand genau wusste eigentlich was er da bewachte, jedoch interessierte das auch niemanden wirklich. Dimicatio selbst nannte es das Schattentor. Damon traute Dimicatio jedoch nicht, denn dieser mischte sich immer und überall ein und sprach vom Gleichgewicht der Welt. Was für ein Unsinn das doch war. Er würde das Gleichgewicht der Welt selbst bestimmen. Wer brauchte schon das Licht? Dimicatio war daher einer der Kandidaten vor denen Damon ständig auf der Hut war. Damon räusperte sich, um die Aufmerksamkeit der Anwesenden zu erhalten. Alle blickten ihn an. Grinsend verkündete er: „Wir werden den Ort aufsuchen, an dem das Licht schon immer schwer zu kämpfen hatte.“ Die Dämonen sahen sich fragend an. Damon hatte geahnt, dass sie das nicht verstehen würden. Sie waren doch so dumm, also begann er es zu erklären: „Seit Ewigkeiten gedeihen Pflanzen und Tiere im Dunkel. Dort wo kaum ein Lichtstrahl hindurch dringt. Doch die gewöhnlichen Sterblichen lieben das Licht und sie haben Tempel gebaut, um dieses zu ehren. Viele dieser Tempel stehen dort und in einem von ihnen könnte das Geheimnis des Lichts verborgen sein. Ihr versteht es noch immer nicht?“ Er lachte laut: „Ich spreche vom Dschungel, ihr Idioten!“ Ein kleiner Tumult kam auf. Die Dämonen waren sich nicht sicher, ob sie Damon Glauben schenken sollten. Würden sie wirklich dort etwas finden oder wäre es nur reine Zeitverschwendung. Ob man das Licht wirklich vernichten konnte? Ganze drei Minuten sah sich Damon das Geschwafel an, dann ergriff er erneut das Wort: „Entscheidet euch jetzt. Geht oder folgt mir! Ich will keine Sekunde warten! Wer sich nicht sicher ist, bleibt zurück!“ Mit diesen Worten wand er ihnen den Rücken zu und Schritt voran durch die Wüste. Er drehte sich nicht um, ob und wie viele ihm folgten. Es war ihm egal. Nichts in der Welt würde ihn von seinem Vorhaben abhalten, nicht einmal die mangelnde Treue seiner Begleiter. Die ersten, die Damon folgten waren Falx und Dimicatio, kurz darauf auch Metos und einige andere Dämonen. Verentia zögerte. Ihr Blick fiel auf die Gruppe Dämonen, welche den entgegengesetzten Weg eingeschlagen hatten. „Damon“, rief sie. Damon lief weiter, antwortete jedoch: „Was ist?“ Sie erhob drohend die Stimme: „Wenn wir dort nichts finden, bringe ich dich um!“ Er begann amüsiert zu lachen. Nun folgte auch Verentia der Truppe. Damon mitgezählt waren sie nur noch 15 Dämonen, die den Weg fortsetzten. Die anderen waren unschlüssig stehen geblieben oder gegangen. Mehrere Wochen waren sie unterwegs, ehe sie den Dschungel erreichten. Die uralten Bäume waren im Laufe der Jahrhunderte zu voller Größe heran gewachsen. Jüngere Pflanzen kämpften um jeden Lichtstrahl, der durch das dichte Blätterdach einfiel und standen dabei so nah beisammen, dass ein durchdringen fast unmöglich war. Zudem versperrten unzählige Rankpflanzen die möglichen Pfade durch den Dschungel. Schon seit Ewigkeiten musste hier kein Sterblicher mehr gewesen sein. Damon ging voraus und nahm keine Rücksicht auf das, was ihm den Weg versperrte. Er trampelte Büsche nieder, stieß mit seiner Kraft ganze Bäume um, jeder Ast der es wagte seinen Weg zu kreuzen wurde kurzer Hand ausgerissen. Der erste Tempel, denn sie erreichten, war total zu gewuchert. Nur hier und da verrieten Steinplatten und dessen Verzierungen, dass irgendwo darunter ein größeres Gebäude zu finden war. „Verdammtes Grünzeug!“, fluchte Damon und riss es Stück für Stück in zwei. Falx stöhnte genervt auf: „Warum brennen wir es nicht einfach nieder?“ „Willst du einen Waldbrand riskieren, du Narr?“ fauchte Verentia ihn an. Die anderen Dämonen begannen nun mitzuhelfen den Tempel zu befreien. „Hier! Hier ist der Eingang!“ rief Metos, der soeben das Tor freigelegt hatte. Sofort brachen alle ihre Arbeit ab und eilten zu Metos. Damon musterte das Tor und versuchte die Inschriften zu entziffern. „Ave! Introite, nam et hic dii sunt“ , lass er laut vor und fing an zu lachen. Da Metos kein Latein gelernt hatte, erkundigte er sich nach der Bedeutung: „Was steht dort?“ Dimicatio erhob nun zum ersten Mal das Wort: „Seit gegrüßt! Tretet ein, den auch hier sind Götter.“ Nun verstand Metos das Lachen von Damon. Auch die anderen grinsten. Die Sterblichen hatten es schon immer vorgezogen allem und jedem einen Gott zu geben. Die Sonne hatte einen Gott, der Mond, selbst das Meer und einige Tiere. Dämonen war das unerklärlich wie dumm man sein musste, um sich so einen Unsinn auszudenken. Damon schlug mit der Faust gegen die steinerne Tür. Zu seinem Erstaunen rührte sie sich nicht. Er knurrte verärgert, als er Falx unterdrücktes Lachen vernahm. „Sicherlich gibt es einen Mechanismus, um sie zu öffnen“, bemerkte Metos, „Sterbliche verfügen nicht über so viel Kraft.“ Damon drehte sich zu den anderen um, lehnte sich an die verschlossene Tür und verschränkte die Arme: „So, du Klugscheißer, dann sag mir doch mal, wie dieser Mechanismus funktioniert.“ Er zuckte mit den Schultern: „Ich habe keine Ahnung. Das ist eine reine Vermutung.“ Verentia ging zu der steinernen Tür und stieß Damon unsanft beiseite. Damon knurrte erneut und machte ihr Platz. Sie begann die Tür abzutasten, jede Ecke und auch die Inschrift. Es tat sich nichts. „Ultra posse nemo obligatur“ , sagte Dimicatio beiläufig. Damon ging nun an die Decke: „Du verdammter Heuchler! Ich weiß genau, warum du hier bist! Du willst uns von unserem Vorhaben abhalten! Allein deswegen folgst du mir, aber da hast du dich geschnitten! Ich habe dich längst durchschaut!“ Metos sah total verwirrt drein: „Was hat er gesagt?“ Falx war genauso verwirrt, obwohl er den Satz verstanden hatte. Zur Erklärung sagte er ihn leise vor sich her, sodass Metos ihn noch hören konnte: „Niemand ist verpflichtet unmögliches zu leisten.“ Dimicatio hob unschuldig die Hände und schüttelte dabei den Kopf: „Tut mir leid, mein Freund.“ „Nenn mich nicht Freund“, fauchte Damon, „ich habe keine Freunde und du zählst erst recht nicht dazu!“ Verentia unterbrach die beiden mit einem freudigen Aufschrei: „Ich hab’s!“ Im gleichen Moment öffnete sich die Tür, indem sie beiseitegeschoben wurde. Damon wand sich von Dimicatio ab und ging leicht knurrend hinein. Gleich nach ihm schritt Verentia hindurch: „Es war ein ganz kleiner Schalter.“ Metos klopfte ihr auf die Schulter, während er den beiden folgte: „Gut gemacht!“ Dimicatio und Falx folgten ebenfalls und hinter ihnen die restlichen zehn Dämonen. Es war düster und wurde immer dunkler, umso tiefer sie hinein gingen. Ihnen machte das jedoch nichts aus. Sie konnten alle im Dunkeln sehen. Eine Fähigkeit, die jedem Dämon gegeben war. An den Wänden waren unzählige Verzierungen, Zeichnungen und auch Inschriften, jedoch warfen sie alle nur beiläufig einen Blick darauf. Der Gang war schmal und so mussten sie einzeln hintereinander laufen. Damon blieb nach einer Weile abprubt stehen. „Was ist los?“, wollte Metos wissen. Von seiner Position aus konnte er nichts sehen, sowie die Dämonen hinter ihm auch nicht. Verentia sah jedoch noch genug: „Eine Schlucht. Die Brücke ist gerissen.“ Ein Knurren ging von Damon aus: „Wir klettern hinunter und laufen hinüber, dann geht’s wieder hinauf.“ „Was, wenn wir dort gar nichts finden?“ wollte Falx wissen, „der Aufwand könnte sich überhaupt nicht lohnen.“ Ein erneutes Knurren kam von Damon: „Dort drüben steht Lux aeterna. Bevor Metos fragen konnte übersetzte Dimicatio bereits: „Ewiges Licht.“ „Ah!“ kam von Metos, als Ausdruck der Erkenntnis. Damon begann nach unten zu klettern. Verentia blickte nun erst einmal über die Schlucht und auch in die Tiefe: „Wer weiß, wo das Ende ist. Wir könnten ewig klettern.“ Sie deutete an die Decke: „Dort oben sind Harken an denen die Brücke befestigt wurde.“ Damon versuchte an der Wand der Schlucht geheftet einen Blick zu den Harken zu erhaschen: „Na und? Die sind viel zu weit oben, als das sie uns etwas nutzen würden.“ Verentia verdrehte die Augen: „Asinus!“ Falx lachte laut und Metos fühlte sich schon wieder übergangen: „Also wenn wir das alles hinter uns gebracht haben, lerne ich Latein.“ Dimicatio lachte nun auch: „Sie nannte ihn einen Dummkopf.“ Metos grinste nun breit, verkniff sich aber ein Lachen. Damon knurrte in sich hinein und sagte dazu jedoch nichts. Stattdessen wartete er ab, was Verentia nun vorhatte. Sie ließ eine Peitsche aus dunkler Magie erscheinen, sprang hinauf zu den Harken und schwang sie so, dass sie sich um den ersten Harken wickelte. Dann schwang sie hinüber und ließ dabei bereits die zweite dunkle Magiepeitsche erscheinen. Auch diese wickelte sich um den nächsten Harken, die alte Peitsche ließ sie los und sogleich verschwand diese auch. So fuhr sie fort, bis sie auf der anderen Seite angelangt war. Mit einem großen Satz landete sie gerade so auf sicherem Boden sowie auf ihren Füßen. Ein Lachen war von ihr zu hören, als sie sich umdrehte und die Hände in die Hüfte stemmte: „So ihr Angsthasen. Wer kommt rüber oder soll ich alleine weiter gehen?“ Metos wollte bereits loslegen, doch Damon kam in dem Moment wieder hoch und stieß ihn zurück: „Ich zuerst!“ Genau wie Verentia sprang er nach oben und schwang sich dann mithilfe seiner schwarzen Magiepeitschen hinüber. Auch er landete auf seinen Füßen. „Ha!“ wand er sich überheblich an Verentia und schritt an ihr vorbei, als wäre sie das letzte Stück Dreck. Verentia hielt sich kurz den Bauch und beugte sich leicht nach vorne, als würde ihr schlecht von seinem Anblick werden. Metos lachte leise und legte dann ebenfalls los. Stück für Stück kamen sie dann einer nach dem anderen hinüber. Der elfte an der Reihe sprang jedoch nicht hoch genug und stürzte kreischend in die Tiefe. Nach diesem Unglück trauten sich die anderen vier nicht hinüber. „Ihr Feiglinge!“ schrie Falx hinüber, „dann bleibt doch hier!“ Sie gingen weiter und ließen die vier zurück. Der Gang auf dieser Seite war um einiges breiter, sodass locker vier Leute nebeneinander hätten laufen können. Damon lief voraus, wie nicht anders zu erwarten war. Als der Gang sich in zwei spaltete, wählte Damon ohne groß darüber nachzudenken einen Weg. Dimicatio rief ihm hinterher: „Quo vadis?“ Von Damon kam irgendwas Geknurrtes zurück, was jedoch keiner verstand, da er es zu leise sagte. Verentia begann die Inschriften zu lesen. Metos sah Damon noch hinterher: „Wo geht er hin? Er weiß doch gar nicht, ob der Weg richtig ist.“ Dimicatio zuckte mit den Schultern: „Ich weiß nicht, das habe ich ihn auch gefragt.“ Falx sah sich die vielen Inschriften nun ebenfalls an: „Steht da irgendwas Brauchbares?“ Verentia deutete auf eine Inschrift Per crucem ad lucem: „Durch das Kreuz ans Licht.“ „Was für ein Kreuz?“ war Metos zuerst ausgesprochener Gedanke. Sie begannen die Wände nach einem Kreuz abzusuchen, aber nirgends war eins zu finden. Nachdenklich schritt Verentia hin und her. Die anderen Dämonen hatten sich bereits auf den Boden sinken lassen und warteten ab, was geschehen würde. Nur die vier gaben nicht auf. Während Verentia weiter nachdachte, tasteten Dimicatio, Falx und Metos die Wände ab. Bevor sie jedoch zu einem Entschluss kamen, hörten sie Schritte. Damon kam zurück: „Da ist eine Tür mit einem dämlichen Kreuz drauf. Da kommen wir nicht weiter.“ Er knurrte verärgert und wollte schon den anderen Weg wählen, doch da rief Verentia bereits: „Das muss es sein!“ In ihrer Begeisterung packte sie Damons Kopf und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Dann eilte sie in den Gang. Die anderen drei folgten ihr und auch die Dämonen, die das Faulenzen vorgezogen hatten, rappelten sich nun auf und gingen den Vieren nach. Damon sah ihnen angewidert hinterher und entschied sich dann doch zu folgen. Sie kamen an einer Holztür mit einem silbernen Kreuz an. Falx lachte: „Und da bist du nicht weiter gekommen. Die ist doch nur aus Holz.“ Er holte mit der Faust aus und donnerte sie gegen die Tür, ein grelles Licht erfasste ihn und schleuderte ihn zurück, sodass er gegen Metos knallte und beide zu Boden gingen. Metos stieß Falx von sich und stand auf: „Ist dir das auch passiert Damon?“ Damon grinste breit: „Nein, bei mir hat sich nichts getan. Die Tür ließ sich nur nicht zerstören.“ Falx stand auch wieder auf und rieb sich die Arme: „Es ist als hätte mich gerade ein Blitz getroffen.“ Kopfschüttelnd umfasste Verentia den Türgriff: „Wenn dich ein Blitz getroffen hätte, wärst du tot.“ Sie drückte die Türklinke herunter und drücke hingegen. Als sich nichts tat, versuchte sie es noch einmal mit ziehen. „Hm“, machte sie. „Was hm?“ fauchte Damon, „es geht nicht. Wir müssen uns einen anderen Weg suchen.“ „Nolens volens - wohl oder übel“, stimmte Dimicatio zu. Metos war erfreut, dass Dimicatio dieses Mal gleich übersetzt hatte, was er von sich gegeben hatte. Damon knurrte jedoch und änderte sofort seine Meinung: „Es muss einen Weg durch diese Tür geben.“ Dimicatio konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Damon und Verentia begannen die Inschriften auf den Wänden zu lesen. Während Falx die Tür vorsichtig betastete: „Wie kann eine Tür einen so zurück feuern?“ Metos stand hinter ihm und zuckte mit den Schultern: „Sag lieber nichts schlechtes über sie. Ich möchte dich nicht noch einmal abbekommen.“ Dimicatio setzte sich zu der faulen Bande Dämonen, die keinen Finger rührten: „Non possumus.“ „Vero?“ antwortete einer der Dämonen. „Certum“ , erwiderte Dimicatio. Die Dämonen sahen sich verwundert an. „Bist du dir wirklich sicher?“ wollte einer von ihnen erneut wissen. Dimicatio grinste: „Das sagte ich doch bereits. Es ist unmöglich und ich bin mir sicher.“ Einer der Dämonen stand auf: „Dann gehe ich. Es ist reine Zeitverschwendung.“ Die anderen Dämonen nickten und folgten seinem Beispiel. Dimicatio stand ebenfalls auf, kehrte aber zu den vier anderen zurück: „Die fünf sind jetzt auch abgehauen. Wir sind also nur noch unter uns.“ Falx lachte darüber: „Die waren eh keine Hilfe, eher eine Belastung.“ Damon jedoch knurrte: „Wir hätten sie noch gebrauchen können. Wir wissen nicht, wie stark der Ursprung des Lichts tatsächlich ist. Ihre Kräfte hätten uns unterstützen können.“ „Nun ist es eh nicht zu ändern“, bemerkte Verentia, während sie weiter die Inschriften lass. „Fiat lux“ , lass Falx vor, der gerade diese Worte unter der Türklinke entdeckt hatte. Kaum hatte er es ausgesprochen, ging die Tür wie durch Zauberhand auf. Damon verdrehte die Augen: „Es werde Licht? Darauf hätten wir auch kommen können.“ Als sie den Raum dahinter betraten, wurde dieser hell von Fackeln erleuchtet. Der Raum war außen rund und am Rand standen überall verzierte Säulen. In der Mitte stand ein Springbrunnen, indem das Wasser plätscherte. Der ganze Raum schien aus weißem Marmor gebaut zu sein. Damon ging auf den Springbrunnen zu. Die anderen vier sahen sich noch im Raum um. Sein Blick viel auf die Inschrift des Brunnens Lux aeterna. Mit einer Hand strich er über die Schrift: „Ewiges Licht…“ Er kletterte auf den Springbrunnen, sodass er mit den Füßen im Wasser stand. Seine Hand streckte er der Fontäne entgegen, als er sie berührte, leuchtete all das Wasser auf, flog hinauf und bildete eine leuchtende Kugel. Dimicatio war mit einem Satz bei Damon und warf ihn um: „Rühr sie nicht an! Du weißt nicht, was du tust!“ Damon lachte: „Ich hab’s doch gewusst, du Verräter!“ Die beiden rollten im Springbrunnen hin und her, dabei hagelte die Fäuste der beiden aufeinander ein. Falx und Metos kamen angerannt. Sie packten Dimicatio und zogen ihn von Damon weg. Damon grinste breit: „Ha! Jetzt darfst du zusehen, wie ich das Licht vernichten werde!“ Dimicatio schloss einmal schmerzvoll die Augen ehe er sie wieder öffnete: „Dum spiro spero.“* Damon begann seine ganze Macht zu sammeln, die tiefste Dunkelheit beschwor er herauf und schickte diese dämonische Macht auf die Lichtkugel. Die Dunkelheit umkreiste die Kugel erst nur, dann drang sie ins Licht ein. Es gab einen gewaltigen Knall. Alle fünf Dämonen wurden von der Explosion gegen die Wand gedonnert. Als der Rauch sich lichtete, standen dort wo einst der Brunnen stand und nur noch steinerne Überreste daran erinnerten, zwei Fledermäuse. Eine schwarz wie die Nacht mit ein paar blutroten Stellen an Ohren und Kopf. Die andere weiß wie Schnee mit goldenen Stellen, ganz wie bei der anderen Fledermaus. Die schwarze Fledermaus zierte ein Widdergeweih, während die weiße Fledermaus an gleicher Stelle zwei winzige weiße Flügel hatte. Die fünf starrten fassungslos auf die beiden Fledermäuse. Damon erhob sich nun und knurrte: „Wer seid ihr?“ „Ich bin Gabriel“, antwortete die weiße Fledermaus. Kurz darauf setzte die schwarze fort: „Und ich der Fürst der Finsternis, Satan.“ Metos zeigte leicht zitternd auf Satan: „Wenn du der Fürst der Finsternis bist, dann ist das…“ Gabriel nickte: „Der Fürst des Lichts.“ Damon ging sogleich auf Gabriel los, dieser wich ihm aus. „Warum so feindselig, Damon?“, fragte Gabriel, „du hast uns schließlich erschaffen. Vorher waren wir nur ein Teil des Lichts und der Finsternis. Zwei Brüder, die das Gleichgewicht der Welt hervor brachte.“ Entsetzen machte sich auf Damons Gesicht breit: „Ich? Ich habe euch erschaffen?“ Satan lachte finster: „So ist es. Dadurch sind wir leider an dich gebunden, aber wie es aussieht, kannst du gar nicht sterben.“ Jetzt war Damon noch verwirrter: „Ich kann nicht sterben?“ Die anderen Dämonen wiederholten es fast gleichzeitig und ebenso fassungslos: „Er kann nicht sterben?“ Satan wand sich ab. Er hatte kein Interesse an einem solchen Gespräch: „Ich verschwinde!“ Mit diesen Worten löste er sich in schwarze Federn auf und nichts außer einem rauchigen Geruch erinnerte mehr daran, dass er einmal dort gewesen war. Gabriel zeigte sich jedoch geduldiger: „Du hast eine besondere Fähigkeit, Damon. Wenn du einst sterben solltest, wirst du nicht ins Jenseits einkehren, wie andere Seelen es tun. Deine Seele wird umher wandern und schließlich wiedergeboren werden. Damit deine Wiedergeburt uns nicht doch noch mit in den Tod reißt, werde ich bereits jetzt bestimmen, was für eine Fähigkeit du dann erhalten wirst.“ Damon knurrte: „Was? Dazu hast du überhaupt nicht das Recht!“ Doch ehe er weitere Wiederworte von sich geben konnte, streckte Gabriel bereits die Hand aus und um Damon erschien einen kurzen Augenblick ein Licht. Damon sah verwirrt an sicher herunter: „Was für …?“ Aber als er wieder zu Gabriel sah, war dieser verschwunden und nur noch eine letzte weiße Feder löste sich im Nichts auf, während es im Raum frisch wie an einem Frühlingsmorgen roch. Satan und Gabriel hatten sich beide aufgemacht ihre Reiche zu erschaffen. Dazu spalteten sie das Jenseits auf. Satan gründete die Hölle, in die alle verdorbenen Seelen nach ihrem Tode einkehren würden. Es war eine unendlich weite Höhle, mit Lavaflüssen, die man durch kleine Rundbrücken überqueren konnte. Es gab viel Asche und Staub, der entweder sich auf dem Boden sammelte oder die Luft verpestete. Umringt von einem Lavagraben, denn man nur über zwei Brücken überqueren konnte, lag ein finsteres Schloss. Über ihm kreisten die Fledermäuse und steinerne Kreaturen verzierten es. Dort würde Satan leben, in seinem Thronsaal, der zur Hälfte so dunkel war, dass selbst Dämonen nicht genug Sehkraft hatten, um dort etwas zu erkennen. Gabriel erschuf den Himmel. Der ganze Boden war bedeckt mit den wunderschönsten Blumen, die alle ständig blühten. Mitten drin, stand ein weißes Schloss, welches mit weißen Krähenstatuen geschmückt war. Auch Gabriel schuf sich einen Thronsaal, doch dieser war hell erleuchtet, so sehr, dass es jeden anderen in den Augen schmerzte dort hinein zu blicken. Doch beide waren sie einsam und so schufen sie sich ihre eigenen Wesen. Satan nannte sie die Höllendämonen. Sie waren gewöhnlichen Tieren nachempfunden, jedoch viel größer. Außerdem hatten sie weder Fell, noch einen intakten Körper. An vielen Stellen konnte man Muskeln oder Sehnen sehen oder gar das Skelett des Höllendämons. Es schien fast, als würden sie verfaulen. Gabriel hingegen erschuf Wesen aus reinem Licht. Er taufte sie Engel und sich selbst ernannte er zum Erzengel Gabriel. Man konnte durch die Engel hindurch sehen, sie hatten Körper aus Licht und Flügel, ihre Arme konnte man erahnen sowie ihre Hände, doch Beine schienen sie nicht zu haben. Sie sangen wunderbare Lieder und bildeten Chöre. Schon bald waren die bereits vorhandenen Seelen aus dem Jenseits aufgeteilt. Satan sperrte sie fort in die abgelegenste Ecke der Hölle. Doch Gabriel ließ seine Seelen frei umher wandern im Himmel. Viele sangen auch gemeinsam mit den Engeln. Gabriel und Satan verbrachten jedoch trotz allem die meiste Zeit in ihren Thronsälen.
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